Hilfe, meine Mitarbeiterin ist schwanger!

Eine berechtigte Sorge? Nicht, wenn Karenzmanagement aktiv betrieben wird. Karenz kann auch eine große Chance bedeuten und Wettbewerbsvorteile schaffen. Kompass, das Kompetenzzentrum für Karenz- und Karrieremanagement, zeigt Unternehmen auf, wie es gelingen kann, diese Chance aufzugreifen.

Zwei Drittel aller Arbeitnehmer und Arbeitgeber stehen täglich vor dem Spannungsfeld, Familien- und Berufsleben zu vereinbaren. Drei von vier Beschäftigten im Alter zwischen 25 und 39 Jahren würden für mehr Familienfreundlichkeit sogar das Unternehmen wechseln. Na und? Nun, diese Frage kann sich mittlerweile wohl kein Unternehmen mehr leisten. Demografische Veränderungen wie Geburtenrückgang und Überalterung stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. Es wird immer schwieriger, gut ausgebildete Fachkräfte zu gewinnen. Auf das Potential der Frauen kann damit niemand mehr verzichten, dessen ist sich Frauenlandesrätin Doris Hummer sicher: „Wenn man als Arbeitgeber nicht in dem Pool an gut ausgebildeten Frauen fischt, sind 50 Prozent der Talente und Begabungen nicht genutzt.“

Entweder oder? Oder beides.

Damit diese „Fische“ aber auch anbeißen, braucht es einen Arbeitsplatz, der sie nicht nur als attraktive Arbeitnehmer sieht, son- dern auch als Menschen. Als Menschen, die von Natur aus meist beide Bedürfnisse in sich tragen: Den Wunsch nach Familie und den Wunsch nach Karriere. Wie weit der jeweilige Wunsch ausgeprägt ist, das sollte jede Frau – ohne Bewertung der Gesellschaft – selbst entscheiden dürfen, so Hummer. „Was ganz klar nicht meine Botschaft ist: Am besten geht ihr – wie es in nordischen Ländern oder Frankreich oft der Fall ist - nach zwei, drei Monaten wieder arbeiten. Es soll die Möglichkeit geben, sich eine Auszeit für sein Kind zu nehmen, daran möchte ich nicht rütteln. Wichtig ist, dass die Wiedereinstiegsmöglichkeiten gut sind. Deswegen brauchen wir Karenzmanagement.“ Als Vorbild sehe sie diese Länder aber darin, dass dort Kinderbetreuung ein Partnerschaftsmodell ist. „In Oberösterreich sind immer noch die Mütter zu 90 Prozent allein zuständig. In Schweden zum Beispiel sind Vater und Mutter gleichermaßen verantwortlich für die Kindererziehung. Das sehe ich auch als Erfolgsmodell.“

Vielleicht wäre dann der besorgte Blick des Personalchefs etwas gemildert, wenn ihm eine dreißigjährige, noch kinderlose, Bewerberin gegenübersitzt. „Die Sorge ist dann berechtigt, wenn man sich keine Gedanken macht, wie man die Karenzzeit managen könnte“, so die Landesrätin. Genau für diese Unterstützung habe sie 2011 KOMPASS, das Kompetenzzentrum für Karenz und Karriere, ins Leben gerufen. Eine Anlaufstelle für Unternehmen, welche Beratung in Sachen Karenz- und Auszeitmanagement gibt. „Die Grundidee war, die Betriebe aufmerksam zu machen, dass sie auf das wertvolle Potential von Mitarbeiterinnen nicht verzichten müssen, wenn sie die Karenzzeit nicht als Bedrohung, sondern als Chance sehen. Nämlich die Chance, Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden, weil man für sie ein wertvoller, attraktiver Arbeitgeber ist“, so Hummer.

Kleine Aktion mit großer Wirkung

Wie läuft die Beratung von KOMPASS ab? Das Kompetenzzentrum ist keine Behörde, die man besuchen kann. Neben telefonischer Auskunft kann man auch einen persönlichen Gesprächstermin vereinbaren. Bei Bedarf kommen die Experten direkt ins Haus und schlagen in der Regel eine Erhebung vor, um herauszufinden, welche Bedürfnisse die Mitarbeiter in Bezug auf ihre Arbeitswelt haben. Würde eine Krabbelstube oder ein Kindergarten in Anspruch genommen werden? Sind spezielle Arbeitszeitmodelle gewünscht? „Durch diese Erkenntnisse kann dann ein Fahrplan für einen familienfreundlichen Arbeitsplatz entwickelt werden“, so die Landesrätin. Dieser Fahrplan müsse aber keineswegs immer die Errichtung eines Betriebskindergartens bedeuten. „Wir haben bei der Kinderbetreuung ein Fördermodell des Landes Oberösterreich aufgelegt, wo wir Krabbelstuben, Kindergärten und Betriebstagesmütter fördern. Für Krabbelstube und Kindergarten gibt es klare Qualitätsvorgaben, die flexiblere und sehr leistbare Form ist jene der Betriebstagesmütter – dabei können bis zu fünf Kinder betreut werden“, erklärt Hummer. Karenzmanagement kann aber auch ganz einfache Dinge beinhalten. Zum Beispiel, dass Mitarbeiter, die gerade in Karenz sind, regelmäßig zu Besprechungen eingeladen werden, dass sie weiterhin im e-mail-Verteiler integriert sind oder dass sie mit einem Home-Office-Tag wieder starten können. Es gehe darum, ein An- gebot zu machen, damit es überhaupt die Chance gibt, mit einem unter dreijährigen Kind den Wiedereinstieg in den Berufsalltag zu schaffen.

"Wenn man als Arbeitgeber nicht im Pool an gut ausgebildeten Frauen fischt, sind 50 Prozent der Talente und Begabungen nicht genutzt"

Doris Hummer

„Wir haben das Phänomen der aufgeschobenen Kinderwünsche“, sagt Hummer, die selbst Mutter eines zweijährigen Sohnes ist. „Die Hälfte der Frauen, die keine Kinder haben, haben sich nicht freiwillig dazu entschieden. Oft haben sie zu lange gewartet, um sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Das heißt, hier ist einer der ganz essentiellen Lebenswünsche nicht erfüllt worden. Und das ist nicht gut für die Gesellschaft. Wir brauchen eine Gesellschaft, die Kinder in den Mittelpunkt stellt. Wo sich die Arbeitswelt ringsum so gestaltet, dass beides gut gelingen kann: Kinder und Karriere.“ Aus eigener Erfahrung weiß die 41-Jährige: „Du kannst nur dann mit Leib und Seele bei der Arbeit sein, wenn du weißt, dass es deinen Kindern gut geht.“ Und davon profitieren dann beide gleichermaßen: Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Kompass

Kompetenzzentrum für Karenz und Karriere

Romana steinmetz, Projektleitung

T +43 732/79810 5163

romana.steinmetz@clusterland.at

www.kompass-ooe.at

Wie wird man zum attraktiven Arbeitgeber für Mütter und Väter?

Arbeitsumgebung anpassen Wer Familie und Beruf vereinbaren möchte, der braucht eine Arbeitswelt, die ihm das auch ermöglicht: flexible Arbeitszeiten, Teilzeit- und Homeofficemöglichkeiten, Aufstiegs- und Einstiegsszenarien erleichtern die individuelle Lebens- planung erheblich.

Wiedereinstieg leicht machen Mit aktivem Karenzmanagement können Karenz und Wiedereinstieg bewusst geplant und gestaltet werden. Ziel ist ein problemloser und rascher Wiedereinstieg in eine adäquate Position in einem für beide Seiten akzeptablen Stunden- Ausmaß. Wichtig sind dabei das Gespräch bereits vor Karenzantritt sowie der Kontakt und die zeitgerechte Planung der Rückkehr.

Betrieblich unterstütze Kinderbetreuung bieten Vor allem der Sommer ist für viele berufstätige Eltern eine große Herausforderung. Betriebe, die eine Ferienbetreuung anbieten – zum Beispiel in Form von Betriebstagesmüttern – sind daher besonders attraktive Arbeitgeber. Das Land Oberösterreich fördert die Errichtung von betrieblichen Kinderbetreuungsstätten.

Vorbildhaft

Miba AG

Ein Vorreiter beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Region ist die Miba AG. Bereits im Herbst 2013 startete man das Pilotprojekt für Kinderbetreuung mit einer Gruppe von acht Kindern im Alter von ein bis drei Jahren, mittlerweile ist sogar schon eine zweite Gruppe geplant. „Das Feedback war allgemein sehr positiv, intern bereiten uns die kleinen Kinder sehr viel Freude“, sagt Konzernsprecher Manfred Luger, „nach außen positionieren wir uns damit als attraktiver Arbeitgeber.“ Für die Miba AG sei das neue Angebot eine Form der Wertschätzung und auch ein Zeichen, dass das Unternehmen auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen kann und will. Für die Eltern sei es praktisch, das Kind quasi direkt zur Arbeit mitnehmen zu können. Ob sich das Projekt rechnet, ist für Luger zweitrangig. „Kann man das in Zahlen überhaupt ausdrücken? Die Motivation, welche die zufriedenen Mitarbeiter am Arbeitsplatz aufbringen, ist definitiv unbezahlbar.“

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