Wenn Gärwärme die Harmonie rettet

In der Stadtgemeinde Schwechat südöstlich von Wien und im Grazer Stadtteil Puntigam werden momentan hunderte neue Wohneinheiten gebaut. Parallelen gibt es dabei nicht nur in Bezug auf die langjährige Brautradition, die beide Orte vereint. Bei beiden Bauprojekten werden die zukünftigen Bewohner mithilfe von Gärwärme aus den anliegenden Brauereien heizen. Für alle Seiten eine Win-Win-Situation, die von der Brau Union Österreich gemeinsam mit lokalen Energie-Partnern vor Ort umgesetzt wurde.

Als die Einwohner von Schwechat erfuhren, wie die 900 Wohneinheiten, die derzeit mitten in ihrer Stadt entstehen, beheizt werden sollen, war die Aufregung groß. Geplant war ein Biomasse-Heizwerk für die Energieversorgung. Die befürchteten Nachteile: Lärm, Staub und Verkehrsbelastung durch LKWs, welche die Rohstoffe anliefern müssen. Die Gespräche zwischen der Stadt und dem größten Strom-, Gas- und Wärmeversorger Niederösterreichs, der EVN, gerieten ins Stocken, die neue Stadt in der Stadt erzeugte Unmut. Doch die Brau Union Österreich entwickelte mit der EVN kurzerhand einen Plan, um die Energieversorgung der neuen Siedlung auf nachhaltige Art und Weise zu sichern. Die Brau Union Österreich selbst wurde zum Energielieferanten, eine Wärmepumpe versorgt die Wohnungen mit Gärwärme aus dem Brauprozess der nahegelegenen Brauerei. „Das Abwärmeprojekt ist ein gutes Beispiel für gelungene Innovationen und Kooperationen“, sagt Schwechats Bürgermeisterin Karin Baier, „wir nutzen unsere vorhandenen Ressourcen sinnvoll, leisten einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz und stellen gleichzeitig sicher, dass das Ganze nicht zu Lasten unserer Bevölkerung geht.“ Wie funktioniert das genau? Die Wärmepumpe wird bei der Brauerei angeschlossen und von dort aus – wenige hundert Meter – bis zu den Wohnungen verlegt. Pufferspeicher für die produzierte Wärme dazwischen dient ein unscheinbares Gebäude der EVN, die auch einen Gaskessel als Ausfallreserve installiert. „So ist gewährleistet, dass jederzeit Wärme für die Kunden vorhanden ist“, sagt EVN-Sprecher Stefan Zach.

"Durch die Zusammenarbeit bleiben Staub und Lärm aus – und die Heizkosten für neue Bewohner werden nicht teurer. Für das Zusammenleben in der Stadt ist das von großer Bedeutung."

Karin BaierBürgermeisterin, Schwechat

Bei dem Wärmeversorger ist man jedenfalls vom Brauwärmeprojekt begeistert und spricht von einem kompetenten und verlässlichen Partner. „Wir freuen uns über die gelungene Kooperation, von der alle Teilnehmer, die Kunden und die Umwelt profitieren“, sagt Gerhard Sacher, Geschäftsführer der EVN Wärme GmbH. Durch die sonst nicht verwendete Abwärme würde den Kunden ökologische .Naturwärme direkt aus der unmittelbaren Umgebung geboten. Das eigene Heim in einer Stadt, die landesweit für ihr Bier bekannt ist, mit Gärwärme aus einer Brauerei heizen – wie passend. „Wir unterstützen die Brau Union Österreich gerne bei ihrer ambitionierten Nachhaltigkeitsstrategie“, sagt Sacher. „Die Abwärme, die verwendet wird, ist keine klassische Abwärme aus einem industriellen Prozess, sondern Abwärme aus einem biologischen Prozess“, erklärt Christian Huber, Braumeister der Brauerei Schwechat. Die Abwärme kann sinnvoll für Heizzwecke und Warmwasser der 900 Wohnungen genutzt werden, so kommt es auch zu einer CO2-Einsparung. Huber: „Wir arbeiten stetig daran, unsere Abläufe in den Brauereien effizienter und somit umweltschonender zu gestalten.“

Lösung erleichtert Zusammenleben für Schwechater

Der Braumeister war gemeinsam mit Bürgermeisterin Baier beim Spatenstich am Brauereigelände dabei – es war der Auftakt für das ambitionierte Bauprojekt. Für Baier ist es gleich in mehrerlei Hinsicht erfreulich. „Ich bin ein Freund davon, vorhandene Ressourcen zu nutzen und nachhaltig zu agieren“, sagt sie, „außerdem ist der Brau Union Österreich hier in kürzester Zeit gemeinsam mit der EVN eine Lösung gelungen.“ Um ein Haar wäre die andere Variante, das Heizwerk, realisiert worden. Nur eine einzige Woche

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