Strom vom Dach

Wenn ein Boom es schafft, das System vor ungeahnte Herausforderungen zu stellen, ist es Zeit für neue Strategien. „Gerade bei der Photovoltaik ist das Interesse in Oberösterreich regelrecht explodiert“, sagt Wirtschafts- und Energie-Landesrat Markus Achleitner. Die Kraft der Sonne spielt nicht nur aus diesem Grund eine tragende Rolle bei der Energiewende: Ziel des Landes ist es, die Gewinnung von Sonnenstrom bis 2030 zu verzehnfachen, auf 3.500 Gigawattstunden.

„Da oben, da entsteht die Energie.“ Landesrat Markus Achleitner zeigt auf das Dach des gegenüberliegenden Gebäudes. Die Sonne scheint über Linz und man sieht den Strom sprichwörtlich in die Steckdose fließen. Im Jahr 2021 wurden an die 8.200 netzgekoppelte Photovoltaikanlagen in Betrieb genommen. Damit befinden sich etwa 43.000 Anlagen mit einer Leistung von circa 614 MWp im oberösterreichischen Stromnetz. Welche Herausforderungen zeigen sich gerade?

„Um den PV-Ausbau zu erleichtern, braucht es einen einfachen Zugang und keine bürokratischen Hürden. Deshalb haben wir die Bewilligung für PV-Anlagen am Dach schon maximal dereguliert“, antwortet Markus Achleitner. Bis vor wenigen Jahren war es nämlich mit einem großen Aufwand verbunden, selbst eine kleine 20-kW-Anlage bewilligt zu bekommen – heute benötigt eine 1,5-Megawatt-Anlage auf einem Industriedach nur mehr einen Einspeisezählpunkt des Netzbetreibers.

Das große Interesse zeigt die nächsten Punkte auf der To-do-Liste auf: Das Netz muss umgebaut werden. Denn ein System aus lauter dezentralen Einspeiseanlagen ist noch neu. Das Netz, das jetzt gebraucht wird, ist fähig, große Mengen an Strom kurzfristig aufzunehmen und abzugeben. Mit dem Stromnetz-Masterplan und einer Investition von etwa einer Milliarde Euro in 34 Leitungsprojekte und Umspannwerke sollte dies gelingen. Die weiteren Knackpunkte sind ebenfalls elementar. Man brauche dringend Fachkräfte sowie Komponenten für die PV-Anlagentechnik. Besonders die Beschaffung des benötigten Materials setzt das System teilweise in Warteposition – doch die Situation soll sich ab 2023 wieder verbessern.

Bleibt noch die Frage nach dem Standort.

Wo werden die neuen PV-Anlagen stehen? Hier setze man klare Prioritäten, so Markus Achleitner. Zuerst die Dächer. Hier habe man mit 300.000 Einfamilienhäusern, 40.000 Mehrfamilienhäusern und 40.000 Nichtwohngebäuden sehr viel nutzbare Dachfläche. Die 430 Deponien, 2.900 Parkplätze und rund 3.000 Hektar Verkehrsrandflächen bieten weitere geeignete Standorte, die zur Verfügung stehen. Erst dann denke man an mögliche Anlagen auf schlecht nutzbaren Agrarflächen. „Wir wollen, dass in Oberösterreich möglichst viel Sonnenenergie genutzt wird. Es ist in unserem Interesse, dass dies auch rasch geschieht.“_

Wir wollen, dass in Oberösterreich möglichst viel Sonnenenergie genutzt wird.

Markus Achleitner Wirtschafts- und Energie-Landesrat OÖ

#Stromgeschichten der Energie AG

Vor 130 Jahren begann die Stromgeschichte der Energie AG. Heute betreibt sie 43 Wasserkraftwerke, neun thermische und 32 Sonnenkraftwerke. Drei von ihnen im Porträta.

Sonnenstrom aus den Alpen

Photovoltaikanlage am Loser

_263 Quadratmeter installierte PV-Fläche

_Seit 1988 testet man im Hochgebirge die Beständigkeit und Leistung der Photovoltaik-Module. Fazit: hohe Zuverlässigkeit der Technologie auch bei rauen Bedingungen.

_Jährliche Produktion: zwischen 30.000 bis 33.000 kWh

Das leistungsfähigste Wasserkraftwerk

Anlage Traun/Pucking an der Traun

_1983 errichtet

_versorgt 60.000 Haushalte

_Leistung: 45,8 MW, 215.000 MWh pro Jahr

Das schönste Wasserkraftwerk

Kraftwerk Steyrdurchbruch

_1908 im Jugendstil erbaut, Architekt: Mauriz Balzarek

_Das unter Denkmalschutz stehende Kraftwerk ist noch in Betrieb.

_Leistung: 4 MW, das elektrische Arbeitsvermögen beträgt 20.000 MWh pro Jahr.

_Kann als Schaukraftwerk besichtigt werden.

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