Probleme? Herausforderungen!

Erstellung eines Businessplans, Aufsetzen eines Gesellschaftsvertrags, Stellenanzeigen verfassen, Anmeldung des Gewerbes, Meldung bei der Sozialversicherung und beim Finanzamt, Firmenbucheintragung, Förderungen beantragen und vieles mehr – die Aufgabenliste bei der Gründung eines Unternehmens ist lang. Zwei junge Gründer über ihre Erfahrungen auf dem Weg in die Selbstständigkeit.

Es duftet nach frischem Kuchen. Eine Damenrunde hat es sich auf einem Tisch gemütlich gemacht und tauscht sich bei Kaffee und Kuchen aus. Rundherum ein bunter Mix aus Dekorationsartikeln für den gesamten Wohnbereich. Tina Hehenberger hat das Geschäft „Horst Deko & Genuss“ in der Linzer Innenstadt mit Dingen für den Wohnbereich und einer kleinen Gastronomie im Sommer des heurigen Jahres eröffnet.

Die 29-jährige gebürtige Mühlviertlerin erfüllte sich mit dem Schritt in die Selbstständigkeit einen langersehnten Traum: „Ich absolvierte eine Ausbildung zur Schneiderin und machte eine Kochlehre und wollte meine Kenntnisse und Interessen verbinden. Das Konzept, einen Dekorationshandel mit Gastronomie zu verbinden, ist nicht neu, hat es aber in Linz auf diese Art und Weise noch nicht gegeben.“

Rund 40.000 Unternehmen werden jedes Jahr in Österreich gegründet. Entscheidungsfreiheit, Selbstverwirklichung und der Unternehmergeist sind die zentralen Motive für eine Unternehmensgründung. Das hat eine IMAS-Umfrage unter Unternehmensgründern in Oberösterreich im Juni 2016 im Auftrag des Gründerservices der Wirtschaftskammer Oberösterreich (WKOÖ) ergeben. Beim Gründerservice der WKOÖ werden jährlich rund 3.000 Beratungsgespräche und etwa 15.000 kürzere Informationsgespräche kostenlos durchgeführt. Alexander Stockinger ist einer der Berater und empfiehlt eine ausreichende Vorbereitungszeit vor dem Start der Selbständigkeit. Der notwendige Zeitraum hänge stark von der Branche ab, einen allgemeingültigen Zeitrahmen zu nennen wäre unseriös. Bei Hehenberger dauerte es vom Entschluss bis zum endgültigen Start des eigenen Geschäftes rund zwei Jahre. Sie startete mit der Immobiliensuche und passte dann ihr Konzept an die Räumlichkeiten an. „Es war schwierig, etwas Geeignetes zu finden“, erinnert sich Hehenberger an die rund ein Dreivierteljahr lange Suche. Es ist unerwartet ein Geschäftslokal in einer Immobilie ihres Vaters Dietmar Hehenberger frei geworden. Anderen Firmengründern rät Hehenberger, bei renovierungsbedürftigen Immobilien den Verpächter wegen einer möglichen Unterstützung zu fragen. Die Seitenstraßen in Linz werden immer beliebter, es müsse nicht unbedingt eine 1A-Lage sein und mit kleinen Umbauarbeiten, wie etwa einem neuen Boden, könne man optisch sehr viel verändern.

Roter Faden

Nachdem Hehenberger ihr Geschäftslokal gefunden hatte, ging es Schlag auf Schlag weiter. Die junge Unternehmerin nahm Kontakt mit dem Magistrat für die Betriebsanlagengenehmigung auf und kümmerte sich um die Finanzierung. „Sobald man eine Immobilie gefunden hat, soll man sich als einen der ersten Punkte um die Betriebsanlagengenehmigung kümmern. Bis zu einem notwendigen Verhandlungstermin kann es einige Zeit dauern“, erklärt Hehenberger und nennt als nächsten Schritt den Weg zur Bank mit ihrem Businessplan. Dieser gibt den Gründern „einen roten Faden“ bei der Umsetzung der eigenen Geschäftsidee, so die Geschäftsführerin der Jungen Wirtschaft Oberösterreich, Karin Reiter. Norbert Kailer, Vorstand am Institut für Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung an der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz, ergänzt, dass man mit einem Businessplan auch den Hauptmisserfolgsfaktor bei Gründungen, die fehlende Markttragfähigkeit, minimieren könne. Daten zu Markt und Wettbewerb sind ebenfalls Inhalt eines ausgearbeiteten Businessplans. Weiters ist der Businessplan Voraussetzung für die Beschaffung von Kapital und Förderungen. Gründer müssten dafür aber noch nicht mit einem fertig ausgearbeiteten Businessplan zur Bank kommen, so Gerhard Pfoser, Sparkasse OÖ-Regionalleiter: „Es ist unsere Aufgabe, die angehenden Gründer bei den betriebswirtschaftlichen Dingen zu unterstützen.“ Bei der Sparkasse OÖ gibt es ein Gründercenter für Förder- und Finanzierungsfragen. Den häufig gehörten Vorwurf, dass Unternehmer nur mehr schwer Geld bei der Bank bekommen, dementiert Pfoser: „Das entspricht nicht der Wahrheit. Wir würden uns viel mehr Nachfrage wünschen.“ In der Wirtschaft werde generell sehr zurückhaltend agiert, weil das gesamte Investitionsumfeld nicht freundlich wahrgenommen wird – „aber am Engagement der Sparkasse scheitert es ganz sicher nicht.“

Neben dem Businessplan war für Hehenberger auch ein Organisations- und Zeitplan sehr wichtig, um den Überblick zu bewahren. Die Einkaufsmessen für den Dekorationshandel finden bereits Anfang des Jahres statt und die darf man nicht vergessen: „Es gibt Firmen, bei denen man nur nach einem persönlichen Erstkontakt auf der Messe bestellen kann.“ Bei manchen Produkten gebe es auch sehr lange Lieferzeiten – Hehenberger musste etwa die Weihnachtsartikel bereits im Frühling bestellen und vieles auch im Vorfeld bezahlen: „Da braucht man lange vor der Eröffnung und den ersten Einnahmen viel Geld.“ Um bei manchen Firmen bestellen zu können, benötigt man bereits einen Gewerbeschein: „Da muss man gut planen, denn ab der Ausstellung werden eine Reihe von Zahlungen fällig.“ Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Unternehmensgründung von „Horst Deko & Genuss“ war auch noch die Mitarbeitersuche: „Ich habe mich dafür ausführlich beim Gründerservice der WKOÖ beraten lassen.“ Vom Verfassen des Stelleninserates bis hin zur Gestaltung des Arbeitsvertrages und den notwendigen Räumlichkeiten für Angestellte gibt es eine Reihe von Dingen zu beachten, worüber die WKOÖ einen Überblick gibt.

Ausarbeitung einer Idee

Ein Geschäftspartner war für Tina Hehenberger im Gegensatz zu Daniel Kirchmayr nie ein Thema. Kirchmayr wollte schon immer Unternehmer werden und als es vor drei Jahren den großen Cupcakes-Hype gab, plante er einen kundenspezifischen Versand. „Ich bin dann aber schnell draufgekommen, dass es bereits ein zu großes Cupcakes-Angebot gibt, aber schon lange Zeit nichts Neues im Snack-Bereich auf den Markt gekommen ist“, erzählt der jetzt 25-Jährige über seine Idee eines sauren Cupcakes. Der Gründer spricht damit laut Reinhold Lackner, Eigentümer der Gründerberatung Ideenchecker.com einen ganz wesentlichen Punkt bei einer Unternehmensgründung an: „Viele Unternehmer scheitern, weil ihre Idee nicht ausreichend ausgearbeitet wurde.“ Es müsse an einer Idee so lange gefeilt werden, bis sie möglichst keine Ecken und Kanten mehr habe und zu rollen beginnen könne.

Kirchmayr hatte zuvor den Aufbaulehrgang zur Matura abgebrochen und begann Veranstaltungen zu organisieren. Als die Idee eines sauren Snacks nach Vorbild der süßen Cupcakes geboren war, begann der leidenschaftliche Koch und Absolvent der Tourismusschule zu Hause in seiner Küche zu experimentieren. So entstand der Cupbread in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen – ein Snack mit zwei verschiedenen Brotteigen und einer pikanten Füllung. Kirchmayr betrieb in Folge mit seinem kreierten Produkt Marktforschung bei den regionalen Bäckern und zog bald einen Freund als Partner an Bord. Seine Motivation dafür: „Beim Aufbau eines Unternehmens im Team tut man sich leichter, weil man sich gegenseitig motivieren kann.“ Mario Steinkellner, Rechtsanwalt bei Herbst Kinsky Rechtsanwälte in Linz, rät bei mehreren Gründern ein besonderes Augenmerk auf die Ausgestaltung der Verträge zu richten: „Es muss gewährleistet werden, dass das Unternehmen auch bei einem möglichen Konflikt im Eigentümerkreis von den Geschäftsführern weitergeführt werden kann.“ Kirchmayr gründete mit seinem Partner eine OG, als die ersten Lizenzverträge mit Bäckern abgeschlossen wurden. Diese wurde später in eine GmbH umgewandelt, als man beschloss die Cupbreads auf einer eigenen Maschine produzieren zu lassen und auch international auftreten zu wollen. Bei der GmbH wurden die Väter der Unternehmer mit jeweils einem Prozent beteiligt, um bei großen Entscheidungen zu keiner Patt-Situation zu kommen. Es gibt eine eingetragene Wort-Bild-Marke und aktuell wird ein möglicher länder-übergreifender Schutz geprüft.

Rückschläge einstecken

Seit der Entwicklung des Cupbread vor drei Jahren hat sich beim jungen Unternehmer viel getan: Der anfängliche Partner ist ausgestiegen, Kirchmayr arbeitet nun eng mit seiner Freundin und einem Freund zusammen. Seine Partnerin ist ein Profi im Bereich Marketing, der Freund kümmert sich um den Vertrieb. Die beiden werden wahrscheinlich auch in nächster Zeit in das Unternehmen einsteigen. Anfang 2017 beginnt die Produktion auf eigenen Maschinen bei einem großen Backwarenproduzenten und einer Fleischmanufaktur in der Region, es wird eine Strategie mit einem Distributionspartner für die Vermarktung im gesamten deutschsprachigen Raum entwickelt und es laufen Gespräche mit Business Angels und ein Crowdfunding-Projekt. Doch der Aufbau des Unternehmens ist nicht immer glatt verlaufen. Kirchmayr musste einen großen Rückschlag einstecken. Es waren bereits alle Verhandlungen mit einer großen Produktionsfirma in Hamburg abgeschlossen und dann ist diese einen Monat vor der Auslieferung der ersten Produkte in Konkurs gegangen. „Das war ein Rückschlag, aus dem ich viel gelernt habe“, so Kirchmayr.

Auch für Hehenberger war es nicht immer einfach – den Umbau des Geschäftslokal beschreibt sie als „Horror“. Die Unternehmerin war neben ihrem 20-Stunden-Job täglich auf der Baustelle. Diese habe enorm viel Geld und Energie gekostet. „Man riskiert viel und weiß in diesem Moment nicht, ob die Geschäftsidee dann auch wirklich funktioniert. Da gab es Tage, an denen ich mir gewünscht habe, dass ich das ganze Projekt niemals gestartet hätte.“ Doch Hehenberger rappelte sich immer wieder auf und machte weiter. „Nach der Eröffnung hat man keine Zeit mehr, sich über so etwas Gedanken zu machen“, spricht Hehenberger über eine aktuell sehr arbeitsintensive Zeit. Der Start ist sehr positiv verlaufen und nach einem halben Jahr wird sich Hehenberger die Zahlen für eine erste Bilanz einmal genau anschauen. Und auch Cupbreads-Erfinder Kirchmayr ist überzeugt, dass man sich von Rückschlägen nicht aufhalten lassen darf, man könne von jeder negativen Erfahrung etwas Positives mitnehmen: „Es gibt keine Probleme – sondern nur Herausforderungen.“

22 Tipps für junge Unternehmer und vermeidbare Fehler beim Start in die Selbstständigkeit

Mario Steinkellner

Rechtsanwalt, Herbst Kinsky Rechtsanwälte

01 Bei der Wahl der Rechtsform müssen gesellschaftsrechtliche und steuerrechtliche Punkte zusammenschauend bedacht werden.

02 Wenn sich Personen unterschiedlich stark in das Unternehmen einbringen möchten, kann dies durch unterschiedliche Beteiligungsverhältnisse erfolgen. Es sind aber auch Kooperationsverträge auf schuldrechtlicher Ebene denkbar, in welchen die wechselseitigen Bedürfnisse umfassend abgebildet werden können.

03 Nicht vergessen, Immaterialgüterrechte (z.B. Patentrechte), rechtzeitig schützen zu lassen.

04 Bei gewissen Produkten und Dienstleistungen braucht man AGB.

Alexander Stockinger

Gründungsberater, WKOÖ

05 Ein Klassiker unter den Fehlern, die Gründer häufig machen, ist die übereilte Gründung. Zur Gründungsberatung in der WKOÖ sind bereits Leute gekommen, die schon am darauffolgenden Tag einen Betrieb übernehmen wollten.

06 Jungunternehmer konzentrieren sich zu Beginn oft zu intensiv mit leicht zugänglichen Themen wie der Logogestaltung und dem Slogan – haben aber Angst vor den Zahlen. Es gibt daher Stellen und Tools, die beim Businessplanschreiben helfen.

07 Man muss von Anfang an auf einen professionellen Marktauftritt achten – dazu gehört etwa eine top gestaltete Homepage.

08 Auch wenn man einzelne Bereiche an Steuerberater, Buchhalter und Co. abgeben kann, ist es wichtig, sich trotzdem noch mit den Themen zu beschäftigen. Unternehmer sollten zumindest die Grundlagen verstehen , um vernünftig mit den Experten sprechen zu können.

09 Gründungen im Team sollen nicht nur auf Grund von Fortgeherlebnissen passieren – man muss sich auch bei gemeinsamen Arbeitserlebnissen gut anschauen, wie die Zusammenarbeit funktioniert.

10 Junge Unternehmer investieren häufig zu wenig in die eigene Person. Letztendlich entscheidet aber die Person und nicht die Idee über den Erfolg.

Norbert Kailer

Vorstand, Institut für Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung, JKU Linz

11 „Daniel Düsentrieb-Effekt“ : Gründer konzentrieren sich zu sehr auf ihr Produkt und verlieren die Kunden und den Markt aus den Augen.

12 Die persönlichen Werte des Gründers und sein Geschäftsmodell müssen zusammenpassen, damit man überzeugend auftritt und langfristig mit dem Job glücklich ist.

13 Es ist schwierig, ein gutes Gründerteam zusammenzustellen. Bei Gründungen im Team sollte ein breites Kompetenzportfolio vorhanden sein, die Chemie unter den Personen stimmen und diese sollten vorab ihre beruflichen Ziele klären.

14 Gründer müssen sich langsam ein berufliches Netzwerk aufbauen und dieses kontinuierlich ausbauen. Es gibt einen Trend zur Zusammenarbeit von kleinen Firmen mit Großbetrieben. Gründer sollen sich nach geeigneten Firmen umschauen und diese gut vorbereitet ansprechen. Der erste Auftritt ist entscheidend, der Unternehmer muss seinen Mehrwert für den anderen Betrieb darstellen.

Reinhold Lackner

Eigentümer, Gründerberatung Ideenchecker.com

15 Jeder Gründer soll ausreichend Zeit in die Entwicklung seiner Idee vor dem Unternehmensstart investieren und seine Zielgruppe exakt beschreiben. Je genauer man weiß, wie der zukünftige Kunde ausschaut, desto treffsicherer kann man ihn später im Marketing ansprechen. Auf der Website „b4p.media“ hat man Zugang zur größten deutschen Marktstudie und bekommt damit einen schnellen und kostenlosen Überblick über die Anzahl der potentiellen Geschäftskunden.

16 Neue Erfindungen stechen aus der Vielfalt der Produkte nur heraus, wenn sie die Kernemotionen der Kunden richtig ansprechen.

17 Am Anfang soll man die Kosten variabel halten und möglichst wenig Fixkosten aufbauen.

18 Unbedingt von Anfang an Kosten erfassen und Belege aufheben : Kosten, die noch vor der Unternehmensgründung anfallen, aber bereits damit in Zusammenhang stehen, können später als Betriebsausgaben geltend gemacht werden und reduzieren somit die Einkommenssteuer.

19 Unterstützung holen : Es gibt eine Reihe von Institutionen, darunter das Gründerservice der WKOÖ, die beim Start in das Unternehmertum kostenlos helfen.

Karin Reiter

Geschäftsführerin, JW OÖ

20 Nicht entmutigen lassen und an seiner Idee dranbleiben . Viele haben Angst vorm Scheitern, doch davor darf man sich nicht fürchten – das gehört zum Unternehmertum dazu und auch wenn jemand bereits mit einer Idee gescheitert ist, kann er mit der nächsten erfolgreich durchstarten.

21 Gründer sollten gleich zu Beginn einen Businessplan erstellen, um nach einem roten Faden alle zuvor verschriftlichten Ideen abarbeiten zu können.

22 Oft wird zu Beginn auf die Bereiche Vertrieb und Marketing vergessen oder junge Unternehmer glauben, bei diesen Bereichen sparen zu können. Das ist ein Irrtum.

Von vorsichtigeren und nachhaltigeren Gründungen

Frauen gründen seltener als Männer_ Bei den insgesamt 29.561 Gründern (ohne selbstständige Personenbetreuer) 2015 in Österreich gab es einen Frauenanteil von 43,1 Prozent. Die Zahl der Frauen unter den Firmengründern ist weltweit geringer. Die Schere schließt sich aber langsam, die Frauen holen auf, weiß Norbert Kailer, Vorstand des Instituts für Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung an der JKU in Linz.

Frauen gründen anders als Männer_ Sie gründen vorsichtiger und dafür auch nachhaltiger. Das können Alexander Stockinger, Gründungsberater der WKOÖ, und Gerhard Pfoser, Sparkasse OÖ-Regionalleiter, auf Grund ihrer Tätigkeiten mit Gründern bestätigen. „Frauen bereiten sich besser auf den Beratungstermin vor, kommen oft schon mit einer sehr detaillierten Frageliste und wollen mehr wissen“, so Stockinger. Die geringere Risikoneigung sorge leider auch dafür, dass es besonders im Start-up-Bereich mit einem hohen Gründungsrisiko einen sehr geringen Damenanteil gebe.

Starthilfe für Start-ups

Inkubatoren und Accelerators bieten Starthilfe für Start-up-Unternehmen. Inkubator -Programme unterstützen wachstumsorientierte Gründungsprojekte in einem gewissen Zeitraum finanziell und darüber hinaus (z.B. mit Netzwerken, Infrastruktur, Beraterleistung). Die Programme werden in Österreich meist öffentlich finanziert. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Bereich der Medizin, wo er für die Bezeichnung von Brutkästen verwendet wird. Acceleratoren sind den Inkubatoren ähnlich, die Unterstützer werden aber meist auch am Unternehmen und somit an den zukünftigen Gewinnen beteiligt.

Ein konkretes Inkubator-Programm ist AplusB, das von der nationalen Förderstelle für wirtschaftsnahe Forschung in Österreich, der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), ins Leben gerufen wurde. Es gibt derzeit sieben AplusB-Zentren in Österreich, in Oberösterreich ist das Tech2b . Damit ein Projekt in einem Inkubator aufgenommen wird, muss dieses schon entsprechend ausgearbeitet sein. Da dies bei Ideen von Studierenden und Hochschulabsolventen oftmals noch nicht der Fall ist, wurde in Oberösterreich der Pre-Inkubator Akostart gegründet. Der 2012 gegründete Verein ist Österreichs erstes hochschulübergreifendes Netzwerk für akademische Start-ups und Spin-offs, Träger sind die JKU Linz, die FH OÖ und die Kunstuniversität Linz. Gründer bekommen Zugang zu einem Expertennetzwerk und Infrastruktur.

Im November 2016 wurde zusätzlich das Pre-Seed Accelerator-Programm „bytewerk“ im Softwarepark Hagenberg für Start-ups und Gründungsprojekte in der Frühphase eröffnet. Bewerben können sich all jene, die an ihre Idee glauben und den nötigen Elan zur Umsetzung mitbringen – es gibt keine Begrenzung auf Akademiker. Es gibt Plätze für vier bis sechs Start-ups, jeweils begrenzt auf sechs Monate. Als Abschluss eines Durchgangs präsentieren die Gründer ihre Start-ups vor einem Investmentboard.

7 Schritte zur Unternehmensgründung

1. Gründungs- Finanzierungs- und Rechtsberatung im Gründerservice und/oder den Fachabteilungen bzw. Fachgruppen der WKO: Dabei werden insbesondere gewerbliche Dinge und die Notwendigkeit einer Betriebsanlagengenehmigung abgeklärt.

2. Erklärung der Neugründung bzw. Betriebsübertragung (NeuFöG): Bestimmte Abgaben, Beiträge und Gebühren im Zusammenhang mit einer Neugründung oder einer (entgeltlichen oder unentgeltlichen) Betriebsübertragung werden nicht erhoben. Voraussetzung dafür ist das Erklären der Neugründung bzw. Betriebsübertragung auf den dafür vorgesehenen Formularen (NeuFö 1 bei Neugründung; NeuFö 3 bei Betriebsübertragung). Die Formulare gibt es in der Wirtschaftskammer.

3. Gewerbeanmeldung: Mit der Gewerbeanmeldung ist der Unternehmensgründer Mitglied in der WKO mit entsprechender Beitragspflicht. Für die Anmeldung benötigt man folgende Belege:

a.) Wenn der Gründer den Befähigungsnachweis (z.B. Meisterprüfung etc.) selbst einbringt: Reisepass, Strafregisterbescheinigung des Herkunftslandes für Personen, die nicht oder weniger als fünf Jahre in Österreich wohnen, Nachweis der Befähigung (z.B. Meister- bzw. Befähigungsprüfungszeugnis, Schul- oder Arbeitszeugnisse) oder festgestellte individuelle Befähigung (ausgenommen bei freien Gewerben – hier sind keinerlei Befähigungsnachweise erforderlich), Niederlassungsnachweis bzw. Aufenthaltserlaubnis zu selbstständigen Erwerbszwecken bei nicht EU-Bürgern

b.) Bei Einsatz eines gewerberechtlichen Geschäftsführer (mindestens 20 Wochenstunden im Betrieb beschäftigt) braucht der Gründer folgende Unterlagen: Reisepass, Strafregisterbescheinigung des Herkunftslandes für Personen, die nicht oder weniger als fünf Jahre in Österreich wohnen, Niederlassungsnachweis bei Nicht-EU-Bürgern notwendig; für den gewerberechtlichen Geschäftsführer braucht man folgende Unterlagen: Reisepass, Strafregisterbescheinigung des Herkunftslandes für Personen, die nicht oder weniger als fünf Jahre in Österreich wohnen, Bestätigung der Sozialversicherung (GKK) über die Anmeldung als Arbeitnehmer für mindestens 20 Wochenstunden beim Gewerbeanmelder, Nachweis der Befähigung (z.B. Meister- bzw. Befähigungsprüfungszeugnis etc.), Erklärung des gewerberechtlichen Geschäftsführers über seine Tätigkeit im Unternehmen (Formular). Weder der Gewerbeanmelder noch der gewerberechtliche Geschäftsführer dürfen von der Gewerbeausübung ausgeschlossen sein (§ 13 Gewerbeordnung).

4. Anmeldung bei der Gebietskrankenkasse (GKK): Ein gewerberechtlicher Geschäftsführer muss vor der Gewerbeanmeldung bei der GKK angemeldet werden (mit Wirksamkeit der Gewerbeanmeldung möglich), da der Gewerbebehörde eine Bestätigung der GKK über das Beschäftigungsverhältnis vorgelegt werden muss.

5. Gewerbliche Sozialversicherung: Die Meldung bei der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft ist noch während des ersten Monats erforderlich. Dies kann auch im Rahmen der Gewerbeanmeldung bei der Bezirksverwaltungsbehörde auf automationsunterstütztem Wege erledigt werden. Die Behörde leitet die Meldung an die Sozialversicherung weiter.

6. Finanzamt: Während des ersten Monats muss die gewerbliche Tätigkeit beim Finanzamt angezeigt und eine Steuernummer beantragt werden.Die Anzeige an das Finanzamt kann auch im Rahmen der Gewerbeanmeldung bei der Bezirksverwaltungsbehörde erstattet werden. Diese leitet die Anzeige an das Finanzamt weiter.

7. Gemeinde/ Stadt: Bei üblicherweise nicht in Wohnungen oder Wohnhäusern ausgeübten Tätigkeiten (z.B. Handel, Handwerke, Gastgewerbe) brauchen Unternehmer für den gewählten Betriebsstandort eine Flächenwidmung (Widmung) und Baubewilligung (Benützungsbewilligung). Wenn im Unternehmen Arbeitnehmer beschäftigt werden, muss dies der Gemeinde/ Stadt mitgeteilt werden (Kommunalsteuer).

Quelle_ Gründerservice Wirtschaftskammer Österreich

Checkliste Gründungs-Vorbereitung

1.) Was ist Ihre Gründungsidee, welche Produkte/Dienstleistungen wollen Sie anbieten?

2.) Warum wollen Sie sich selbstständig machen?

3.) Möchten Sie alleine oder mit einem Partner das Unternehmen gründen?

4.) Wie viele Praxiszeiten können Sie aus jener Branche, in der Sie sich selbstständig machen wollen, nachweisen und welche Ausbildung haben Sie absolviert?

5.) Wollen Sie hauptberuflich oder nebenberuflich in die Selbstständigkeit einsteigen?

6.) An welchem Standort wollen Sie Ihr Unternehmen gründen und aus welchen Grund an diesem konkreten Standort?

7.) Wer sind Ihre potentiellen Kunden und warum werden sie bei Ihnen kaufen?

8.) Wer sind Ihre Mitbewerber und worin unterschieden Sie sich von ihnen?

9.) Welche Ergebnisse bringen Ihre ersten Planungsrechnungen (Gewinn oder Verlust, Mindestumsatz, Stundensatz, ...)?

10.) Wie hoch schätzen Sie Ihren Finanzbedarf und auf welche Finanzierungsquellen (Eigenkapital, Kredit,...) können Sie zugreifen?

Quelle_ Gründerservice Wirtschaftskammer Österreich

#Ähnliche Artikel

Familie & Beruf – it’s a match?

Auch wenn die Erwerbsquoten der Frauen in Österreich seit den 1970er-Jahren konstant angestiegen sind, stehen immer noch vor allem Mütter vor der Herausforderung, Familie und Beruf zu vereinbaren. Wie muss ein Sozialsystem aussehen, damit Menschen möglichst ohne finanzielle Nachteile und Diskriminierung frei wählen können? Und wie hat sich das Bewusstsein für das Thema bei den Unternehmen selbst verändert?

Noch mehr Raum für strategische Kreation

Die Linzer Full-Service-Werbeagentur Upart hat sich am neuen Standort in Urfahr eine außergewöhnliche Basis geschaffen. Dabei entstanden die Bereiche Konzentration, Regeneration und Kommunikation als Dreigestirn in der neuen Arbeitswelt.

Alle sagten, das geht nicht...

… dann kam einer, der wusste das nicht und hat‘s gemacht. Es heißt, Menschen brauchen Katastrophen, um zu lernen. Um sich zu wandeln. Klingt beinahe absurd, aber Fakt ist: Ausnahmen sind Vorreiter. Und Krisen sind auch Chancen, wie Chocolatier Josef Zotter selbst schon vor Corona erlebt hat. Nur – was kommt danach? Wie wird die Zukunft aussehen? Das wissen nur wir selbst, wie Zukunftsforscher Harry Gatterer sagt.

So sportlich ist Elektromobilität

Man muss nicht unbedingt Benzin im Blut haben, um bei Porsche Linz-Leonding auf Touren zu kommen. Geschäftsführerin Elisabeth Strübl und Porsche-Markenleiter Oliver Hacker wissen, warum man bei Porsche automatisch ins Schwärmen kommt.

Von der Schottergrube zur Unternehmensgruppe

Seit 1960 entwickelte sich Hasenöhrl von einem kleinen Fuhrwerk zu einer vielseitigen Unternehmensgruppe für Bau, Abfall, Rohstoff und Transport. Das Familienunternehmen entstand auf einem Bauernhof – auch heute ist mit nachhaltigem Wirtschaften und der Weitergabe von Generation zu Generation landwirtschaftliches Grunddenken in der DNA des Betriebs verankert.

Scheitern als Teil der Strategie

Für die meisten Menschen sind Misserfolge unangenehm. Was aber, wenn sich langfristige Erfolge erst nach vielen kleinen Rückschlägen einstellen? Darüber könnten Forscher und Regionalmanager Bücher schreiben, mit denen sie ganze Bibliotheken füllen. Welche Talente man mitbringen muss und wie man ticken sollte, um in solchen Berufen erfolgreich zu sein? Forscher des Software Competence Centers Hagenberg und Regionalmanager der oberösterreichischen Regionalentwicklungsagentur RMOÖ berichten.

Interview in Zahlen mit Wilfried Eichlseder

An der Montanuniversität in Leoben werden jährlich fast 77.000 Prüfungen von rund 900 Frauen und 2.800 Männern absolviert. Wie viele Studienabschlüsse pro Semester gefeiert werden und wie lange der Rektor selbst studiert hat, erzählt Wilfried Eichlseder im Interview der etwas anderen Art.

Die Kunst, weiterzumachen

Die Coronakrise lässt keinen Stein auf dem anderen. In manchen Branchen sind diese Steine aber besonders harte Brocken – in der Kultur- und Veranstaltungsbranche zum Beispiel. Wir wollen von Kulturmanager Roland Pichlbauer wissen, wie es nun weitergehen soll und wie (system-)relevant Kultur eigentlich ist.

Anders als geplant

Strukturiert, geordnet und lange vorbereitet – so stellt man sich die Übernahme einer Führungsposition vor. Klaus Schörghofer und Harald Föttinger sind die personifizierten Ausnahmen, die berühmte Bestätigung der Regel. Die beiden Führungskräfte erzählen ihre persönliche Geschichte und zeigen, wie schnell sich geplante Situationen unvorhersehbar ändern können.

Ein Versuchslabor diagnostiziert Talent

Das Maschinenbauunternehmen Fill eröffnet im Spätsommer sein Future Lab im Innviertel. In einem 140 Quadratmeter großen Labor sollen künftig junge Talente entdeckt werden. Die Einrichtung stellt ein zusätzliches Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche dar und soll dem Fachkräftemangel in MINT-Bereichen entgegenwirken.

Die MACHERinnen von morgen

Ein Talent ist geschlechtsneutral, schließlich sagt man auch DAS Talent. Betrachtet man die Managementebenen, könnte man jedoch vermuten, dass der Duden hier einem Irrtum unterliegt – DER Talent scheint viel treffender. Deshalb ein Tipp: Es heißt DIE Begabung und davon gibt es mehr als genug in den heimischen Ausbildungsstätten.

2 Länder, 2 Landeshauptleute und wie viele Unterschiede?

So viel gleich mal vorweg: Für einen Rollentausch sind die beiden Landeshauptmänner Thomas Stelzer (Oberösterreich) und Wilfried Haslauer (Salzburg) nicht zu haben. Und das gar nicht deshalb, weil der eine ein Industrie- und der andere ein Tourismusland regieren möchte. Denn so könne man den Unterschied längst nicht (mehr) definieren. Wir haben die beiden Landeshauptleute getrennt voneinander befragt.

Service, BITTE-JETZT!

Zugegeben, die Arbeit in der Dienstleistungsbranche ist kein Zuckerschlecken. Nirgendwo sonst kämpft man so hart an der Front. Ist den Launen der Kunden und den Befindlichkeiten schwieriger Gäste ausgesetzt. Aber man erlebt auch wertvolle Begegnungen, schöne Momente und das gute Gefühl, dem Kunden oder dem Gast etwas Gutes getan zu haben.

Unternehmen im Liebes(r)aus(ch)

Große Liebe, großer Tag, große Zukunft. Und dann plötzlich: das große Platzen des gemeinsamen Traumes. In fast jedem zweiten Fall scheidet die Ehe in Österreich nicht der Tod, sondern der Scheidungsrichter. Die Gmundner Wirtschafts- und Scheidungsrechtsanwältin Christina Gesswein-Spiessberger erklärt, worauf es bei Scheidungen von Unternehmerehepaaren ankommt.

08/16

Ein Wakeboarder, der sich seinen Weltmeistertitel mit Eisbaden und veganer Ernährung geholt hat, eine ehemalige Pressesprecherin, die nun Vollzeit-Märchenfee ist, und ein Extrem-Radfahrer, der Geschäftsflugzeuge verkauft. Drei mutige und ungewöhnliche (berufliche) Lebensgeschichten.

Digitale Schule ist geil

Wenn Schüler gerne in den Unterricht kommen, dabei die Zeit vergessen, motiviert sind und obendrein noch Spaß haben, dann klingt das ... fast zu schön, um wahr zu sein. Der Einsatz von digitalen Medien macht’s möglich. „Das macht freilich niemanden schlauer, aber konzentrierter und wissbegieriger“, wie Manfred Wacker, der Direktor der Digital Mittelschule Graz, sagt.

Bin ich gut als Führungskraft?

Leadership ist mehr als Mitarbeiterführung. Denn es geht nicht nur um Führung. Die Basis von Leadership sind die richtige Einstellung, Integrität und gelebte Werte. „Leader sind diejenigen, die andere befähigen und stärken“, soll Bill Gates angeblich gesagt haben. Dass man Leadershipkompetenzen stärken kann, sagt Michaela Kreitmayer, Leiterin des Hernstein Instituts, die Führungskräfte auf ihrem Weg zum Erfolg begleitet.