Wo der Bürgermeister persönlich vorbeikommt

Standortentwicklung – dazu hat Paul Mahr einen ganz besonderen Zugang. Der Bürgermeister von Marchtrenk kümmert sich nicht nur um das wirtschaftliche Vorankommen „seiner“ Stadt: Auch das Gemeinschaftsgefühl soll wachsen. Dazu fährt er an einem Wochenende schon mal 100 Kilometer mit dem Rad, um Bürgeranliegen zu erfüllen.

Abhängig davon, wie ein Bürgermeister seine Verantwortung auslegt, kann das Amt sehr unterschiedlich aussehen. Was verstehen Sie als Ihre Aufgabe?

MAHREin Bürgermeister ist bis zu einem gewissen Grad für alle Angelegenheiten in seiner Gemeinde verantwortlich. Natürlich delegiert man manches, zum Beispiel an politische Referenten, aber wer wie ich oft sehr genaue Vorstellungen hat, muss immer den Überblick behalten. Ich bin seit 2013 Bürgermeister von Marchtrenk. Damals habe ich eine Stadt vorgefunden, die zwar regional gut verankert war, die aber ihre Potentiale noch nicht ausgeschöpft hat. Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, diese Chancen zu erkennen und zur Entfaltung zu bringen. Da haben wir schon in den ersten Jahren meiner Amtszeit wichtige Schritte gesetzt und auf diesen Erfolgen bauen wir immer weiter auf.

Welche waren diese wichtigen Schritte?

MAHRIch habe zum Beispiel das Standortmarketing eingeführt, das eine wichtige Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik ist. Das funktioniert sehr gut, wir schaffen viele Jobs – der Spitzenwert im Jahr 2015 waren 1.000 neue Arbeitsplätze. Die Kommunalsteuer hat sich seit meinem Amtsantritt verdoppelt, also dürfte auch die Zahl der Arbeitsplätze ungefähr doppelt so hoch sein. Außerdem haben wir unsere Ressourcen im Bereich Bauen und Planen ermittelt und begonnen, wichtige Projekte umzusetzen. Zum Beispiel haben wir endlich ein Kulturzentrum gebaut, über das davor 30 Jahre lang gestritten wurde. Unsere Kindergärten und Horte bauen wir nachhaltig in Vollholzbauweise. Ganz wichtig ist es mir persönlich aber, nahe an den Bürgern zu bleiben, und das ist, denke ich, auch sehr gut gelungen. In diesem Bereich setzen wir sehr viele Aktivitäten.

Wie halten Sie den Kontakt zu den Menschen in der Stadt?

MAHREs ist sehr wichtig, ins Gespräch zu kommen und keine Scheu vor Kritik zu haben. Wenn man da genau zuhört, kann man sehr viel verbessern. Ich habe zum Beispiel heuer Sandspielzeug persönlich an 612 Familien in der Gemeinde verteilt. Im Lockdown konnte man bei mir Kartenspiel-Sets bestellen, die ich dann persönlich auf dem Rad zugestellt habe. An einem Wochenende sind da über 100 Kilometer zusammengekommen. Einerseits schätzen die Bürger diesen Einsatz sehr, andererseits kommt man bei solchen Gelegenheiten ins Gespräch und ich erfahre, was die Menschen bewegt.

Was macht in Ihren Augen die Gemeinde Marchtrenk aus?

MAHRIch glaube, mittlerweile haben wir einen gewissen Stolz entwickelt. Früher wurden wir im Spott „Parkplatz von Wels“ genannt. Mittlerweile machen wir aber vieles besser als größere Gemeinden, wobei wir die übersichtlichen Strukturen, aber auch das Engagement vieler Initiativen nützen. Es gelingt uns sehr gut, die positiven Entwicklungen der Stadt sichtbar zu gestalten. Aufgrund der attraktiven Lage und der vielen Arbeitsplätze lassen sich sehr viele Menschen in Marchtrenk nieder. Damit der Zusammenhalt in der Gemeinde erhalten bleibt, organisieren wir Straßenfeste und andere Aktionen. Wir versuchen, uns den dörflichen Charakter – dass man einander kennt und wertschätzt – auch mit 15.000 Einwohnern zu erhalten.

Um diesen Zusammenhalt zu fördern, setzt Marchtrenk auch auf ungewöhnliche Maßnahmen.

MAHRJa, wir gehen da gerne neue Wege. Jeder Bürger kann zum Beispiel beantragen, dass an einem bestimmten Ort eine Sitzbank aufgestellt wird. Diese Bänke – mittlerweile 130 – sind dann tatsächlich Treffpunkte für Nachbarschaften, an denen die Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Ich bin als Jugendreferent in die Politik gekommen, das prägt mich bis heute. Dort habe ich gelernt, bei der Planung eines Spielplatzes immer die Kinder miteinzubeziehen, ob sie etwa lieber eine Rutsche oder ein Trampolin hätten. Das macht nicht nur kurzfristig Freude, die Kinder schätzen den Spielplatz auch mehr und vermüllen ihn nicht. Durch die Möglichkeit, zu partizipieren, steigt auch der Identifikationsfaktor und die Wertschätzung. Das gilt im Kindergarten genauso wie in der restlichen Gemeinde.

Wo sehen Sie die Stadt Marchtrenk in zehn Jahren?

MAHRIch sehe die Stadt in zehn Jahren – als Pensionist dann – mit einer eigenen Identität, die sie davor nicht hatte. Früher waren wir eine Gemeinde zwischen Linz und Wels, heute sehen wir uns als pulsierende Stadt zwischen Salzburg und Wien. Es werden weitere Arbeitsplätze dazukommen, die im besten Fall mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit alternativen Mobilitätsformen zu erreichen sind. Diese Weichen sind bereits gestellt, kommendes Jahr wird eine der ersten Wasserstofftankstellen Österreichs in Marchtrenk errichtet, auch die Gemeinde steigt auf Elektro- und Wasserstofffahrzeuge um. Nicht zuletzt dank unserem Standortmarketing werden wir eine pulsierende Innenstadt mit Fußgängerzonen und Schanigärten haben. Das bringt zwar mehr Verkehr, aber auch Lebensgefühl in die Stadt. Wir sind schon weit gekommen, aber es muss immer weitergehen. Stillstand hat keine Chance._

Früher waren wir eine Gemeinde zwischen Linz und Wels, heute sehen wir uns als pulsierende Stadt zwischen Salzburg und Wien.

Paul Mahr Bürgermeister, Marchtrenk

#Ähnliche Artikel

Wenn der Funke überspringt

Susanne Steckerl mit einem Wort zu beschreiben ist schwierig. Vielseitig trifft’s wahrscheinlich noch am ehesten, schmälert aber trotzdem das breite Spektrum, das die Geschäftsführerin der [Agentur für Standort und Wirtschaft](https://www.standort-leonding.at/) zu bieten hat. Nicht nur in dieser Rolle, sondern überhaupt. Wir trafen uns mit der gebürtigen Mühlviertlerin zum Gespräch.

Zielgruppe Senioren: Ein unterschätzter Milliardenmarkt?

Mit Blick auf das Gesundheits- und Pensionssystem wird die Generation 60+ oft als Kostentreiber für den öffentlichen Finanzhaushalt gesehen. „Diese Sicht zeigt aber ein sehr verzerrtes Bild der Senioren“, sagt Josef Pühringer, Landesobmann des [OÖ Seniorenbundes](https://ooesb.at/no_cache/startseite). „Denn die über 60-Jährigen sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Und der demografische Wandel hin zu einer alternden Gesellschaft ist eine große Chance für innovative Unternehmen.“

„Oberösterreich muss sich international positionieren“

Oberösterreich ist das Wirtschaftsbundesland Nummer eins in Österreich. Für Landeshauptmann Thomas Stelzer ist das noch lange kein Grund, sich auf Lorbeeren auszuruhen – stattdessen denkt er über die Landesgrenzen hinaus. Wir fragen ihn, wie es uns gelingen kann, auf dem internationalen Parkett mitzuhalten, welche Trends auf dem Weg dorthin entscheidend sein werden und wo wir schon heute vielversprechende Chancen ergreifen.

Hungrig auf echt!

Wie entdeckt man eigentlich ein Land? Am besten wohl mit allen Sinnen: Man riecht die Natur, sieht sich die Landschaft, die Gebäude, die Dörfer und Städte an. Man hört den Menschen zu, die dort leben. Schmeckt, was sie gerne essen. Und spürt (im besten Fall), dass das alles echt ist. Und nicht inszeniert. Gott sei Dank (oder passend zum Herbst: Ernte sei Dank) hat sich Oberösterreich genau das zum Motto gemacht: „Hungrig auf echt.“ Hungrig auf echten Genuss, auf echte Erlebnisse, auf echte Begegnungen. Wo man das alles am besten erleben kann? Bitteschön: eine Landkarte, eine Speisekarte, eine Schatzkarte (kann man nehmen, wie man möchte) für die Zeit der Ernte in Oberösterreich.

Innovation aus Oberösterreich: Die digitale Gemeindezeitung

Bürgermeister. Fußballverein. Trachtenmusikkapelle. Pfarre. Täglich gibt es von örtlichen Institutionen und Vereinen Updates für die Leute in der Gemeinde. Als gedruckte Gemeindezeitung, auf verschiedenen Webseiten, auf amerikanischen Social-Media-Plattformen – verstreut und schwierig zu überblicken. Die Digitalisierung in den Regionen ist eine der aktuell größten und wichtigsten Herausforderungen. Newsadoo prescht mit einer digitalen Lösung für die Kommunikation und Information innerhalb der 438 oberösterreichischen Gemeinden vor – Restösterreich soll bald folgen.

9 Bundesländer, 9 Inspirationsquellen

Ideen liegen selten am Schreibtisch rum. Meistens finden wir sie dann, wenn wir uns inspiriert fühlen. Von Menschen, von Gesprächen, von Momenten, die uns berühren und von Plätzen, die so etwas wie eine Inspirationsquelle sind. Wir haben sie gefunden: neun dieser Quellen, in jedem Bundesland eine.

Die Zukunft der Gemeinden …

… sehen Österreichs Bürgermeister sehr positiv. Es gibt große Zuversicht, zeigt eine von CommunalAudit | Ramsauer & Stürmer in Auftrag gegebene Studie der IMAS. Nach wie vor eine zentrale Herausforderung: die Digitalisierung.

„Das Virus ist der Schiedsrichter“

Mitten im zweiten Lockdown gibt sich [Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner](https://www.markus-achleitner.at/) trotz aller Umstände optimistisch. Mit Zuversicht will er das Land Oberösterreich durch die Krise manövrieren. Was es außerdem noch braucht, um gestärkt aus der Krise zu kommen, wie er dem Tourismus Mut macht und was er sich von der Technischen Universität in Oberösterreich erwartet, erfahren wir im Interview.

Wie wird man eigentlich zum Innovationsland?

Die Steiermark gilt als Österreichs innovativstes Bundesland: Nirgendwo gibt es mehr für die Forschung wichtige Kompetenzzentren, mit etwa fünf Prozent hat man zudem die höchste F&E-Quote Österreichs und einen Spitzenplatz in Europa. Warum ist das so – und was sind die wichtigsten Faktoren für diese Entwicklung?

Oberösterreichisches Know-How im Kampf gegen Wasserknappheit

Ein kleines Unternehmen im oberösterreichischen Bachmanning produziert und plant Wasserrecycling-Lösungen, mit denen die UNO, NGOs und globale Konzerne wie Exxon Mobil die Versorgung ihrer Projekte in wasserarmen Gebieten sicherstellen. Neuestes Projekt der [Wastewater Solutions Group](https://www.wastewater.at/home/): Die Umsetzung einer vollbiologischen Abwasserreinigung für ein Krankenhaus im karibischen Inselstaat Trinidad und Tobago.

Im Angesicht des digitalen Zwillings

Die digitale Transformation wurde in der oberösterreichischen Wirtschafts- und Forschungsstrategie als zentrales Handlungsfeld verankert, um die Zukunftsfähigkeit des Industriestandorts langfristig zu sichern. Die Erwartungen an die Forschung könnten dabei kaum größer sein: In der Rolle des Innovationsmotors soll sie sich wiederfinden. Wilfried Enzenhofer, Geschäftsführer der [Upper Austrian Research](https://www.uar.at/de/home), spricht im Interview darüber, wie die Leitgesellschaft für Forschung des Landes Oberösterreich dieser Herausforderung begegnet.

Mur-Valley statt Silicon Valley

Jedes Jahr machen sich 4.000 Menschen in der Steiermark selbstständig – unterstützt werden sie dabei unter anderem von der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SFG). Das Bundesland verfügt über ein dicht ausgebautes Netz an Technologie-, Gründer- und Wirtschaftsparks und gilt als einer der Start-up-Hotspots des Landes.

Industrieland Steiermark

Innovativ, kooperativ und menschlich: Die steirische Industrie ist relativ gesehen der größte Arbeitgeber der Steiermark. Im europäischen Vergleich liegt sie in Sachen Nachhaltigkeit, Forschung und Entwicklung im Spitzenfeld.

Freundschaft geht durch den Magen

Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner und FPÖ-Klubobmann Herwig Mahr arbeiten in Oberösterreich nicht nur parteipolitisch eng zusammen, sie verbindet auch eine langjährige Freundschaft – und eine Vorliebe für Mehlspeisen. Am Esstisch sitzen die beiden daher oft zusammen, gemeinsam gekocht haben sie bisher noch nie. Zwei Macher am Herd feiern Premiere als Koch-Duo.

Wohlfühlen im Saustall

Vierzehn Millionen Euro ließ sich der Schwanenstädter Fleischverarbeiter Hütthaler seinen gläsernen Schlachthof nach Tierwohlkriterien kosten. „Seither ist das Puzzle komplett. Wir haben nun ein Tierwohl-Konzept, das wirklich über die gesamte Wertschöpfungskette reicht“, erklärt Florian Hütthaler. Weshalb er damit trotzdem nur ein Nischenprodukt erzeugt und wie er persönlich über Fleischersatzprodukte denkt, verrät der Eigentümer im MACHER-Interview.

Was wäre, wenn ...

Als Landeshauptmann hat man tagtäglich viele und auch viele tragende Entscheidungen zu treffen. Beim Treffen dieser Entscheidungen steht nicht selten auch eine „Was wäre, wenn“-Frage im Raum. Aber ob sich Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer jene „Was wäre, wenn“-Fragen, die wir ihm an diesem sommerlich warmen Herbsttag in seinem Büro im Linzer Landhaus stellen, zuvor schon mal gestellt hat?

„Wien mal anders“

„Wien ist anders“, so heißt es. Aber wie anders ist es? Unter diesem Motto begeben wir uns in die Bundeshauptstadt, um das Getümmel abseits der klassischen Touristenhotspots zu entdecken. Schnee im Sommer, wie Mozart übernachtet oder die Skyline der Stadt ganz alleine genießen: Das alles haben wir dort erlebt.