„Wien mal anders“

„Wien ist anders“, so heißt es. Aber wie anders ist es? Unter diesem Motto begeben wir uns in die Bundeshauptstadt, um das Getümmel abseits der klassischen Touristenhotspots zu entdecken. Schnee im Sommer, wie Mozart übernachtet oder die Skyline der Stadt ganz alleine genießen: Das alles haben wir dort erlebt.

Dort, wo ...

... einst Mozart residierte.

Die Stadtexpedition startet im Vier-Sterne-Hotel „Das Tigra“ (1). An dieser Adresse übernachtete einst sogar Mozart. Die Geschichte des Gebäudes reicht nämlich bis in das 16. Jahrhundert zurück. Zwei Tiroler Familien haben das Gebäude in den 1970er Jahren erworben, mittlerweile wird es in dritter Generation geführt. Egal ob der Stephansdom, die Oper oder die Hofburg: Alle Sehenswürdigkeiten sind innerhalb weniger Gehminuten erreichbar. Das Hotel bietet über 78 Zimmer in insgesamt sechs Kategorien, von kleinen, gemütlichen Zimmern bis zu großen, komfortablen Suiten. Ob Mozart wohl auch schon in der großen Suite übernachtet hat?

… es das ganze Jahr schneit.

Wie anders Wien tatsächlich ist, zeigt die Schneekugelmanufaktur im 17. Bezirk Hernals. An einem heißen Sommertag sind wir mitten im Schneesturm bei Erwin Perzy (2) dem Dritten und seiner Tochter Sabine gelandet. Dort schneit es schon seit 120 Jahren über vier Generationen hinweg. Erfunden hat die Schneekugel der Großvater, Erwin Perzy der Erste, durch Zufall. Der gelernte Chirurgieinstrumentenmechaniker experimentierte, um die Belichtung für Chirurgen zu verbessern. So kam ihm die Idee, in eine wassergefüllte Glaskugel Grieß hinzuzufügen. Die gewünschte Wirkung erzielte er zwar nicht, aber die Schneekugel war erfunden. Heutzutage werden jährlich rund 200.000 Stück des beliebten Souvenirs in Handarbeit hergestellt. Dafür werden Glas aus Belgien, Verpackungskarton aus Deutschland und Holzsockel aus Oberösterreich verwendet. Von Klassikern wie dem Riesenrad bis zu außergewöhnlichen Motiven wie Klopapierrollen im Schnee ist alles dabei. Geschäftsführerin Sabine Perzy hatte die Idee für die Klopapier-Schneekugel am Beginn der Coronapandemie. In Summe wurden sage und schreibe 8.000 Stück verkauft. Außerdem kann man nicht nur die Herstellung und den Verkauf in der Schneekugelmanufaktur erleben, sondern auch ein kleines Museum zur Vielfalt der Schneekugeln besuchen.

… Silber Gold wert ist.

Nach dem Ausflug ins Wiener Winter-Wonderland geht es weiter nach Mariahilf zur Silberschmiede Jarosinski und Vaugoin. Seit 1847 wird sie als Familienunternehmen geleitet, heute in sechster Generation von Jean-Paul Vaugoin (3). Er empfängt angemeldete Besucher höchstpersönlich, um sie durch den kleinen Laden (4) und die Silberschmiede zu führen. Hergestellt wird hier so gut wie jede Art von Besteck: von herkömmlichem Besteck über Espressolöffel bis hin zum ausgefallenen, zugegebenermaßen heutzutage nicht oft verkauften Hendlhaxl-Halter. Einfach gehalten oder mit extravaganten Verzierungen. Wir erfahren nicht nur detaillierte Informationen zur Herstellung und zum Verkauf, sondern auch von den skurrilsten Fertigungen für Kunden. So wurde Vaugoin einmal von einem malaysischen Sultan gebeten, für die Hochzeit seiner Tochter Silberbesteck für 100 Personen zu fertigen und anschließend die Tische höchst persönlich zu decken. Bekannt ist das Familienunternehmen für sein Tafelbesteck. Übrigens kostet eine voll bestückte Kassette rund 15.000 Euro. Mit 200 verschiedenen Mustern ist für jeden Geschmack etwas zu finden – wenn auch nicht für jede Geldbörse.

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