Von schwächelnden Umsätzen und neuen Rasenflächen

Die Automobilindustrie befindet sich im Umbruch, ihre Umsatzzahlen schwächeln. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für ein Unternehmen, das hauptsächlich diese Industrie beliefert. Warum sich Produktentwickler und Arbeitskräfteüberlasser Bitter aber keine Sorgen macht und warum man bei den allgemeinen Klagen über den Fachkräftemangel nicht dabei ist, erzählt Geschäftsführer Karl H. Landgraf bei einem Besuch am Firmensitz in Sierning.

Dass das Firmengebäude kürzlich erst erweitert wurde, ist nicht zu übersehen: Die Rasenfläche rund um das Bürogebäude vom Produktentwickler und Arbeitskräfteüberlasser Bitter in Sierning wurde gerade erst frisch angelegt und wird noch bewässert. Ein wenig überrascht dabei, dass der Geschäftsführer selbst mit den Wasserschläuchen hantiert. Diese Situation fällt einem später beim Interview im Büro des zweiten Geschäftsführers Karl H. Landgraf wieder ein, als dieser davon erzählt, wie man sich als Unternehmen immer wieder flexibel an neue Gegebenheiten anpassen müsse. Das Unternehmen Bitter wurde in den 80er Jahren als Zeichenbüro gegründet und mittlerweile erledigt man alles, was mit dem Produktentwicklungsprozess zusammenhängt, und ist daneben als Arbeitskräfteüberlasser für seine Kunden tätig. Die Kunden sind Automobilisten sowie deren Zulieferer – eine Branche, die zuletzt schwächelnde Umsatzzahlen gemeldet hatte. Die Diskussion um ein mögliches Aus der Verbrennungsmotoren und dazu noch der Abgasskandal verunsichern die Autobesitzer.

Witzige Kombinationen

Bitter entwickelt Teile für die Antriebstechnik, ein großer Kunde ist BMW: „Es gibt keinen BMW-Dieselmotor, bei dem nicht einer unserer Mitarbeiter mitgearbeitet hat.“ Große Sorgen mache man sich wegen des Umbruchs in der Automobilindustrie aber nicht, denn man sei „in allen Arten von neuen Antriebstechniken“ vertreten. „Natürlich“ sei Bitter aktuell noch der Verbrennungsmotor lieber, gibt Landgraf ehrlich zu, denn die Kunden seien darauf ausgerichtet. Aber er ist überzeugt: „Besonders die oberösterreichische Automobilzulieferindustrie hat es immer wieder geschafft, sich den Herausforderungen zu stellen und neue Produkte zu generieren, und sie wird auch diesen Umbruch schaffen.“ Bei Bitter habe die Umstellung vor rund zehn Jahren begonnen, nun sei man „für alle Szenarien gewappnet“. Wie schnell der Wechsel vom Verbrennungsmotor in Richtung alternative Antriebe in den nächsten Jahren vonstattengehen werde, könne Landgraf nicht wirklich einschätzen – auf alle Fälle befände sich die Branche in einer „spannenden Zeit“. Landgraf ist eine Prognose für die nächsten zehn Jahre zu entlocken: „In diesen Jahren wird es auf alle Fälle einen Mix aus den Bereichen Verbrenner, Elektro sowie Brennstoffzellen geben, es werden die witzigsten Kombinationen mit den verschiedensten Hybriden kommen.“

Veränderungen hat auch die Digitalisierung gebracht. Die neuen Technologien haben die Produktentwicklung verkürzt: „Im Vergleich: Vor 20 Jahren hatten wir die doppelten Durchlaufzeiten.“ Früher sei ein Fahrzeug in rund sieben Jahren entwickelt worden, nun sei man bei drei bis vier Jahren. Wo man früher Teile drehen, fräsen und laminieren musste, wird nun schnell einmal ein Bauteil ausgedruckt. Bitter bekam Anfang der 90er Jahre die erste 3D-CAD-Station, ein halbes Jahrhundert später dann den ersten 3D-Druck. Nun gehe es in Richtung Virtual Reality: „VR-Brillen im CAD-Umfeld werden in den nächsten Jahren kommen, damit bekommt man noch einmal ein ganz anders räumliches Vorstellungsgefühl.“

In den nächsten zehn Jahren wird es einen Mix aus den Bereichen Verbrenner, Elektro sowie Brennstoffzellen geben, da werden die witzigsten Kombinationen mit den verschiedensten Hybriden kommen.

Karl H. Landgraf Geschäftsführer, Bitter

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