Der Mann, der eine Renaissance einleiten will

2003 gelang es dem Linzer Marketingstrategen Dieter Pammer, flyNIKI am blue danube airport und später in ganz Österreich zu etablieren. Später war als Airline-Marketing-Manager beim Flughafen selbst angestellt. Jetzt hat er die Seiten gewechselt und arbeitet beim internationalen Reiseveranstalter ETI. Im Gespräch erzählt er uns, wie er in Hörsching eine Renaissance des Charterflugs einleiten will - und warum er an das Potential von Linz glaubt.

Früher haben Sie selbst Kontakt zu Reiseveranstaltern aufgenommen und versucht, sie als Kunden für den Linzer Flughafen zu gewinnen. Jetzt sind Sie selbst ein Kunde des Linzer Flughafens – wie ist es zu diesem Wechsel gekommen?

Bei meinen Terminen mit den zahl- reichen Veranstaltern hat sich ETI für mich zuletzt als stärkster und innovativster Player herausgestellt. Das hat mich fasziniert. Die neue Position ist eine Herausforderung: Man hat mehr Handlungsspielraum und kann schneller reagieren. Ein Vorteil ist natürlich, dass ich weiß, wie ein Flughafen tickt. Ich bin die letzten Jahre Tag und Nacht durch Europa gereist und habe Gespräche geführt. (Zeigt als Beweis seinen alten Terminkalender) Jetzt möchte ich einfach das Potential, das ich sehe, von der anderen Seite umsetzen.

ETI ist Ägypten-Spezialist und besitzt 24 Anlagen in Ägypten. Dort ist die Situation aber nach wie vor unberechenbar. Wie wirkt sich das auf den Flugbetrieb aus?

Die Krise hat uns anfangs sogar ge- stärkt – wir haben das Unmögliche möglich gemacht. Während andere Reiseveranstalter die Flüge eingestellt haben, sind wir mit unserem Partner FlyNiki weiterhin geflogen – die Aus- lastung in Linz war sogar bei mehr als 90 Prozent. Mit der Reisewarnung Mitte August war das vorerst vorbei. Wir sind aber optimistisch, dass sich die Lage nun nachhaltig stabilisiert. Es sieht alles danach aus, dass wir von Oktober bis März die beliebten Bade- orte am roten Meer durchgehend von Linz aus im Programm haben werden. Wenn das der Fall ist und eine gute Buchungsstimmung herrscht, dann wollen wir nächsten Sommer die Verbindungen weiter ausbauen. Bei bestehenden Reisewarnungen wird natürlich viel gehemmter gebucht, das ist verständlich. Dann werden wir unser Programm entsprechend anpassen.

Die Konkurrenz hat die Flüge ganz eingestellt, ETI ist weiter von Linz aus geflogen – warum?

Teilweise wurde die Situation in den Medien auch etwas dramatisiert, die Lage in den Urlaubsdestinationen Hurghada und Sharm el Sheikh war nicht dramatisch. Wir haben 11.000 Mitarbeiter vor Ort und eine dichte Infrastruktur. Deswegen können wir auf unsere Konkurrenten nicht nur einen Kostendruck ausüben, sondern auch eine höchstmögliche Sicherheit gewährleisten. Unsere Stammkunden wissen das.

Trotzdem ist ETI gerade in Oberösterreich im Vergleich zu einigen anderen Reiseveranstaltern und den Fluglinien noch relativ unbekannt. Ihre Aufgabe ist es auch, die Bekanntheit der Marke am heimischen Reisemarkt auszubauen. Wie wollen Sie das schaffen?

Die Marken- und Namensverbreitung ist eine der wichtigsten Aufgaben. Bisher war unser Name nicht wichtig – weil wir ohnehin über diverse Portale mit Preisvorteil buchbar wa- ren. Unsere Kunden sollen in Zukunft gezielter angesprochen werden – vor allem über den heimischen Reisebürovertrieb, aber auch durch Social Media und Internet. Wir erwarten uns natürlich bei diesem Thema auch Unterstützung durch den Linzer Flughafen. Man muss immer einen Spirit haben, um in der Charter-Welt zu bestehen. Geplant sind auch Promotiontouren, Events und Benefiz-Veranstaltungen.

In den vergangenen Monaten wurden gerade im Charterbereich einige Verbindungen ab Linz gestrichen. Warum glauben Sie bzw. ETI weiter an den Linzer Flughafen als Charter-Airport?

Linz hatte von der Wirtschaftlichkeit und vom Pro-Kopf-Einkommen ein sehr potentes Publikum. 2003 haben wir mit FlyNiki genau beobachtet, wie interessant der Standort ist, und waren zufrieden. Damals ist auch das Publi- kum in Böhmen immer zahlungskräftiger geworden und Teile Niederöster- reichs wurden zum Einzugsgebiet. Das Potential schlummert - wir wollen es jetzt heben. Außerdem gab es in Linz immer schon eine gewisse Gemütlich- keit und persönliche Betreuung am Flughafen, die von den Gästen sehr geschätzt wird.

Wie sehen also die Zukunftspläne von ETI aus?

Unsere Aktivitäten konzentrieren sich natürlich nicht nur auf Linz. Aber wir wollen hier eine Renaissance einleiten. Wir wollen noch einmal beweisen, dass Linz ein fruchtbarer Boden für Urlaubsflüge ist. Dafür holen wir vorübergehend sogar Flugzeuge leer von Wien nach Linz, die dann in die Urlaubsgebiete fliegen – und leer wieder zurück nach Wien müssen. Es ist nicht einfach, aber wenn wir die Unterstützung vom Flughafen Linz bekommen, dann werden wir unser Linz-Programm nachhaltig ausbauen. Ich bin selbst Oberösterreicher, für mich ist es bis zu einem gewissen Maße auch eine Herzensangelegenheit._

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