Dem Macher-Gen auf der Spur

Was braucht man, um erfolgreich zu sein? Gibt es die typische Unternehmerperson? Wenn das jemand weiß, dann ist es Norbert Kailer. Der 58-Jährige Vorstand des Instituts für Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung der Johannes Kepler Universität ist mit zahlreichen Publikationen ein international anerkannter Experte auf diesem Gebiet. Wir haben ihn gefragt.

Herr Kailer, es gibt diese Menschen, die scheinbar unbeirrt von allen Widrigkeiten ihrem Ziel stets Schritt für Schritt näher kommen. Sie lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und oft umgibt sie eine gewisse Aura. Wird man schon als Unternehmer geboren?

Natürlich kennt jeder von uns Personen, die sich nie etwas anderes vorstellen konnten, als selbstständig zu sein. Besonders erfolgreiche „Self-Made-Unternehmer“ werden in den Medien wie Popstars präsentiert und sind allgemein bekannt. Das bedeutet aber nicht, dass es nur „geborene Unternehmer“ gibt. Eine positive Grundeinstellung zum Unternehmertum ist natürlich Voraussetzung. Die Kompetenz kann, zumindest teilweise, auch entwickelt werden.

Und wie?

Fachkenntnisse eignet man sich durch Schule, Studium oder Weiterbildung an. Andere Fähigkeiten kann man ebenfalls systematisch im Laufe der Ausbildung und des Berufslebens weiterentwickeln. Wichtig ist es, bereit zu sein, die eigene Arbeit systematisch zu reflektieren, laufend Feedback einzuholen und anzunehmen.

Welche Fähigkeiten zeichnen erfolgreiche Unternehmer besonders aus?

Gründer und Start-Up-Unternehmer nennen in Interviews immer wieder fachliches Wissen und gründliche Marktkenntnisse als zentrale unternehmerische Kompetenzen. Das ist aber längst nicht alles.

Sondern?

Besonders wichtig sind auch Einsatzbereitschaft, Belastbarkeit, Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Organisationsfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit und Selbstmanagement.

Die Anforderungen sind also hoch. Welche Rolle spielen da die Faktoren Erfahrung und Praxis?

Hier kommt es darauf an, dass nicht einfach nur Berufsjahre zurückgelegt werden. Die Praxis muss auch reflektiert werden. Man muss aus seinen Erfolgen und Fehlern lernen.

Das rät auch die Uni St.Gallen in einem YouTube-Video angehenden Unternehmern. Man soll die ertragbaren Verluste - in finanzieller, psychologischer und sozialer Hinsicht - kalkulieren und dann durchstarten. Im Falle eines Misserfolgs scheitert man früh und zu vertretbaren Kosten. Der Unternehmer soll außerdem kein Rezept aussuchen und dann die Zutaten besorgen, sondern nachsehen was sich im Vorratsschrank befindet, und dann daraus etwas schaffen. Stimmen Sie dem zu?

Es geht hier darum, sich seine eigenen Ressourcen bewusst zu machen: Über welche Kompetenzen und Netzwerkkontakte verfüge ich? Kann ich die Ressourcenbasis durch weitere Teammitglieder erweitern? Welche Finanzierungsmöglichkeiten habe ich? Es sollen Szenarien durchdacht werden: Was ergibt sich im best case, was im worst case? Durchstarten heißt nicht ohne Planung, blauäugig als „Daniel Düsentrieb“ etwas zu produzieren und auf den Markt zu werfen, ohne zu prüfen, ob die Gründungsidee vom Markt angenommen wird. Natürlich ist es gerade bei innovativen Ideen wichtig, schnell zu agieren. Trotzdem bleibt eine realistische Businessplanung wichtig.

Die Hochschulen sind ein wichtiger Innovationsmotor. Sind die Absolventen auch als Unternehmensgründer für den Wirtschaftsstandort von Bedeutung?

Eindeutig! Eine internationale Studie zeigt, dass wir schon bei der Anzahl der noch studierenden Unternehmer einen Spitzenplatz einnehmen. Wir haben auch die Absolventen der JKU befragt: Erfreulicherweise verfügen von den über 35jährigen fast 30 Prozent über unternehmerische Erfahrung. Gründungen aus Hochschulen heraus zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Gründungsidee meist auf sehr innovativen Dienstleistungen und Produkten fußt. Gerade solche Start-Ups im Technologiebereich sind meist international ausgerichtet und wachstumsorientiert und schaffen damit Arbeitsplätze.

International gibt es bereits Top-Universitäten, die sich als Entrepreneurial University positionieren und besonders auf den Technologietransfer und die Unterstützung von Spin-Offs und Start-Ups setzen. Wäre das auch für die oberösterreichischen Hochschulen ein zukunftsweisendes Modell?

Die Positionierung als unternehmerische Universität ist meines Erachtens für den Wirtschaftsstandort Oberösterreich sehr zielführend. In einem ersten Schritt geht es darum, eine positive Einstellung der Studierenden zur Karriereoption „Unternehmer“ zu vermitteln. Hier haben wir mit dem Start-Up-Center und dem hochschulübergreifenden Prä-Inkubator akostart OÖ bereits wichtige Schritte gesetzt. Eine unternehmerische Universität geht aber darüber hinaus.

Inwiefern?

Es geht darum, dass die Universität als lernende Organisation selbst unternehmerisch handelt. Das setzt ein entsprechendes deutliches Commitment der Leitung, und die Gestaltung entsprechender Rahmenbedingungen voraus. Es sind zum Beispiel Ressourcen für einschlägige hochschulweite Lehr- und Forschungsprojekte erforderlich. Aber auch die Schaffung organisatorischer Regelungen, damit die Verwertung des produzierten Wissens gezielt gefördert wird._

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