Oberösterreich startet ein neues Modell, das duale Berufsausbildung und Spitzensport kombiniert. Damit soll jungen Athletinnen und Athleten nach der 9. Schulstufe ein dritter Weg neben den bestehenden Leistungssportschulen offenstehen.
Bisher gab es in Oberösterreich für sportliche Talente nach der 9. Schulstufe zwei schulische Wege: das BORG für Leistungssport Linz und die Handelsschule für Leistungssport Linz. Mit „Lehre & Leistungssport” kommt nun eine dritte Option hinzu – die Kombination aus dualer Berufsausbildung und konsequenter sportlicher Entwicklung. „Auf dem Weg vom Talent zur Spitzensportlerin bzw. zum Spitzensportler hat bislang ein wichtiges Puzzlestück gefehlt. Mit der aktiven Begleitung dieses Modells wollen wir diese Lücke schließen”, erklärt Wirtschafts- und Sport-Landesrat Markus Achleitner.
Das Angebot richtet sich an Talente aus den rund 60 oberösterreichischen Sportfachverbänden. Grundsätzlich stehen alle Lehrberufe offen – von technischen und kaufmännischen bis hin zu handwerklichen. Um Training, Wettkämpfe und Ausbildung miteinander zu vereinbaren, sind flexible Arbeitszeitmodelle sowie bei Bedarf eine um bis zu 18 Monate verlängerte Lehrzeit vorgesehen. Die individuelle Abstimmung erfolgt zwischen Lehrbetrieb, Talentezentrum, Trainerteam, Wirtschaftskammer und Bildungsdirektion OÖ. Eine jährliche Evaluierung soll sicherstellen, dass sowohl sportliche Entwicklung als auch Ausbildungsfortschritt auf Kurs bleiben.
Achleitner dämpft dabei die Erwartungen an die Dimension: „Uns ist bewusst, dass es sich dabei nicht um ein Massen-, sondern eher um ein Nischenangebot handelt. Zum Start sprechen wir vielleicht von einem oder zwei Talenten. Aber genau für diese wollen wir die bestmöglichen Rahmenbedingungen schaffen.”
WKOÖ-Vizepräsident Leo Jindrak sieht in dem Modell auch einen Mehrwert für die Unternehmen: „Viele Talente verfügen über genau jene Kompetenzen, die auch in der Arbeitswelt gefragt sind: Disziplin, Zielorientierung, Belastbarkeit und Teamfähigkeit.” Das Land OÖ bringt sich als Lehrherr mit einem breiten Angebot ein: Aktuell befinden sich 202 Lehrlinge in 20 Lehrberufen an 94 Dienststellen im gesamten Bundesland in Ausbildung.
Als bekanntestes Beispiel für die erfolgreiche Kombination von Lehre und Spitzensport gilt Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger. Er wechselte nach der Hauptschule Taufkirchen in die Landwirtschaftliche Fachschule Otterbach und schloss eine vierjährige Lehre zum Maschinenbaukonstrukteur ab – parallel zu seiner sportlichen Karriere. Nach dem Lehrabschluss wurde er Heeressportler und holte Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.
Land OÖ / Margot Haag
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