Die Spannung steigt

Sichere und leistbare Energieversorgung gehört zu den zentralen Standortfaktoren – besonders für ein energieintensives Bundesland wie Oberösterreich. Veränderte Rahmenbedingungen und Umbrüche in der Erzeugung stellen die Politik vor neue Herausforderungen.

Sie ist das Nervenzentrum der heimischen Stromversorgung: Die Austria Power Grid (APG)-Steuerzentrale im Südosten von Wien. Normalerweise ist dieser Ort nicht für Journalisten zugänglich, wir müssen leise sprechen, um die Konzentration der Mitarbeiter nicht zu stören, die auf gewaltigen Bildschirmen das österreichische Stromnetz beobachten und regulieren. Ein kleiner Fehler hätte massive Auswirkungen auf das gesamte Netz. „Hier laufen alle Marktdaten zusammen, wir regeln die Verteilung des Stroms“, sagt Tahir Kapetanovic, Geschäftsführer der APG. Die geplante Erzeugung der Kraftwerke wird ebenso berechnet und beobachtet wie der landesweite Stromverbrauch. Nicht nur der wachsende Verbrauch stellt die APG vor Herausforderungen. Österreich ist europaweit gesehen ein zentraler Knoten für die Stromversorgung. „Wir sind mitten im Geschehen, niemand hat so viele und komplizierte Nachbarn wie wir, was die Stromversorgung betrifft“, sagt Kapetanovic. Da wären etwa die ehemaligen Ostblockländer, deren Netzausbau sich von unserem unterscheidet, oder die Schweiz mit einer anderen Rechtsgrundlage. Kapetanovic: „Besonders wichtig ist das Engpassmanagement. Wir müssen damit umgehen, dass Energie manchmal da ist, wenn man sie nicht braucht, und umgekehrt.“ Im Sommer 2015 musste die APG etwa auf Energiereserven aus Oberösterreich zurückgreifen: Um das Stromnetz zu stabilisieren, wurde das Gas-und-Dampf-Kraftwerk der Energie AG Oberösterreich insgesamt 46 Mal aktiviert.

Verwerfungen auf den Märkten

Die Rahmenbedingungen der Energieerzeugung ändern sich – nicht nur durch den zunehmenden Verbrauch. Auch fehlende Nord-Süd-Transportkapazitäten sind ein Problem. Das stellt auch die heimische Politik vor Herausforderungen. „Wir erleben Umbrüche in der Erzeugung der Energie, das führt zu großen Verwerfungen auf den Märkten und entsprechenden Brüchen im System“, sagt Energie-Landesrat Michael Strugl. Die heimische Elektrizitätswirtschaft geht davon aus, dass sich der Anteil von Strom am Gesamtenergieverbrauch bis 2030 von einem Fünftel auf ein Drittel steigern wird. „Wir müssen die oberösterreichische Infrastruktur fit für die Versorgung des Standortes machen“, sagt Strugl, „dabei wird man auch weiterhin auf erneuerbare Energien setzen.“ Das Fördermodell soll dabei aber nur Marktanreiz sein und nicht Teil des Geschäftsmodells werden.

Langfristig will Oberösterreich zur Energieleitregion werden. „Wir wollen im Hinblick auf die Energieeffizienz Technologieführer werden“, sagt Strugl. Dafür müsse mehr in die Forschung und Entwicklung investiert werden. „Wir werden unsere Anstrengungen in diesem Bereich noch verstärken, gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology haben wir ein Projekt aufgesetzt, um Potentiale im Industriebereich zu finden“, erklärt Strugl. Wichtig sei auch eine Deregulierung der Genehmigungsverfahren und formalen Auflagen in der Branche. „Wenn die Bürokratie überbordend ist, werden wir keine Leitregion werden“, sagt er. Schon die Genehmigung für eine normale 110kV-Leitung gestalte sich zu einem bürokratischen und verfahrenstechnischen Hürdenlauf. „Das führt dazu, dass es Jahre dauert bis eine gar nicht so große Stromleitung aufgebaut werden kann.“ Derzeit überarbeitet das Land mit einer Taskforce die Gesetze. Strugl: „Da gibt es noch einige Vorschriften, die man vereinfachen oder streichen könnte.“

Veränderte Rahmenbedingungen wünscht sich auch die Energie AG, Oberösterreichs größtes Energieversorgungsunternehmen. „Es ist notwendig, die Genehmigungsverfahren zu verschlanken und zu beschleunigen“, so Generaldirektor Leo Windtner. Auch Dauersubventionen im Bereich der erneuerbaren Energien könnten nicht das Mittel zur Wahl sein. „Die Förderungen sind so massiv ausgeprägt, dass es zu nicht mehr kompensierbaren Marktverzerrungen kommt.“_

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