„Leistbares Wohnen beginnt bei der Errichtung“

Die Zahl der Ein-Personen-Haushalte nimmt zu, die Lebenserwartung steigt – der Bedarf an Wohnungen in Oberösterreich ist also hoch. Seit der neuen Legislaturperiode ist Manfred Haimbuchner neben dem Wohnbau auch für das Baurecht und die Bautechnik zuständig – welche Ziele hat er sich gesetzt?

Sie waren bereits bisher Wohnbaulandesrat – wie verändert sich Ihre Arbeit durch die neuen Aufgaben?

HaimbuchnerAls nunmehr für Bauwesen zuständiges Mitglied der Landesregierung kann ich – wo Änderungsbedarf gegeben ist – unmittelbar Initiativen setzen und entsprechende Gesetzes- oder Verordnungsnovellierungen auf den Weg bringen.

Wo ist Änderungsbedarf gegeben?

HaimbuchnerEinen Änderungsbedarf sehe ich insbesondere in jenen Bereichen, in denen noch Vereinfachungs- und Einsparungspotential lukriert werden kann, etwa im Bereich des Bautechnikwesens.

Mit den OIB-Richtlinien werden bautechnische Vorschriften vom Österreichischen Institut für Bautechnik erarbeitet. Die dritte Auflage wurde im März 2015 beschlossen. Das Bundesland kann diese Richtlinien übernehmen, muss aber nicht. Wie geht Oberösterreich vor?

HaimbuchnerDas Bauwesen ist – im Hinblick auf Gesetzgebung und Vollziehung – eine reine Landesangelegenheit. Die OIB-Richtlinien verfolgen den Zweck weiterer Vereinfachungen in der Bautechnik und von Kosteneinsparungen im Wohnbau. Wir haben mit der im Dezember beschlossenen und am 1. Jänner in Kraft getretenen Wohnbaunovelle in Oberösterreich bereits einige Punkte aus den OIB-Richtlinien umgesetzt, die unmittelbare Erleichterungen bringen. Die noch ausständigen Punkte werden derzeit einer genauen Prüfung unterzogen. Schließlich sollen nur jene Punkte zur Anwendung gelangen, die tatsächlich auch Vereinfachung und Kosteneinsparungen bringen.

Welche Erleichterung brachte die Novelle für Oberösterreich?

HaimbuchnerDas ist in folgenden Bereichen passiert: Bei eingeschossigen unterirdischen Garagen mit mehr als 250 Quadratmetern Nutzfläche ist jetzt eine natürliche Belüftung ausreichend, der Einbau einer oftmals teuren Luftsanierungsanlage ist daher nicht mehr erforderlich. An bestimmte Gebäude mit einer Grundfläche von maximal fünfzehn Quadratmetern werden keine brandschutztechnischen Anforderungen gestellt. Die Anforderungen an die Löschwasserversorgung wurden erleichtert. Außerdem wurde der Flächenbedarf bei Treppen verringert. Ein weiterer Punkt betrifft die Gesamtbreite von Türen, die nunmehr geringer ist, weil der Platz für die sogenannten Panikbeschläge nicht mehr berücksichtigt werden muss.

Eine Ihrer Aussagen ist, Vorschriften benötigen das richtige Augenmaß und sollen entrümpelt werden. Welche Vorschriften betrifft das, und wie behält man das richtige Augenmaß?

HaimbuchnerIn Oberösterreich sind zur Vollziehung des Bauwesens die OÖ Bauordnung, das OÖ Bautechnikgesetz und die OÖ Bautechnikverordnung maßgeblich. In einem ersten Schritt soll ein breiter Diskussionsprozess gestartet werden. Dabei werden die Normen auf ihre Praxistauglichkeit und Wirtschaftlichkeit hin überprüft. Ein Katalog mit Vereinfachungsmöglichkeiten wurde bereits an mich herangetragen, in einem weiteren Schritt gilt es, die Prioritäten zu setzen. Schließlich sollen jene Maßnahmen umgesetzt werden, die meinen Zielen nach Vereinfachung und Einsparung entsprechen. Ein wichtiger Punkt ist auch die Umsetzung der baurechtlich relevanten Bestimmungen der sogenannten „Seveso III-Richtlinie“ der EU. Die Richtlinie enthält Bestimmungen für die Verhütung schwerer Unfälle mit gefährlichen Stoffen. Auch hier gilt es Augenmaß zu bewahren und das Erlassen strengerer Normen, als von der Richtlinie verlangt, zu vermeiden.

Leistbares Wohnen bezeichnen Sie immer wieder als Ihr wichtigstes Anliegen. Im Dezember 2011 wurde die Wohnbeihilfe aber gekürzt, im Sommer 2013 noch einmal. Damals hat es besonders Alleinerzieher und Studierende getroffen. Wie passt das zusammen?

Haimbuchner'Leistbares Wohnen' beginnt bei der Errichtung. Sind die Grundkosten erschwinglich und die Bauausführung vernünftig, ist auch die Miete erträglich. Auch bei der Wohnbeihilfe muss klar sein, dass die finanziellen Ressourcen nicht unerschöpflich sind. Trotz der Kürzungen gibt Oberösterreich im Bundesländervergleich für die Wohnbeihilfe am meisten aus.

Das ändert aber nichts für jene, deren Förderungen gekürzt wurden.

HaimbuchnerWas die angesprochenen Alleinerzieher betrifft, so haben wir uns in diesem Bereich den anderen Bundesländern angenähert. Alimente werden in Oberösterreich bis maximal 162 Euro pro Kind zum Einkommen gezählt, in anderen Bundesländern, ausgenommen Steiermark, wird die volle Höhe berücksichtigt. Studierende mit Leistungserfolg und Stipendium können die volle Wohnbeihilfe beziehen. Studierende, die keine Studienbeihilfe erhalten, und Schülern an allgemeinbildenden beziehungsweise berufsbildenden höheren Schulen kann eine um 50% verminderte Wohnbeihilfe gewährt werden. Studierenden steht übrigens auch die Möglichkeit offen, ein Zimmer in einem der Studentenheime in Anspruch zu nehmen.

Die Flüchtlingsthematik dominiert derzeit das politische Geschehen. Dazu gehört auch der Wohnbau. „Wenn die Anerkennungsquoten der Flüchtlinge in Oberösterreich so bleiben wie jetzt, wird demnächst Wohnraum für 9.500 Menschen benötigt. Die Flüchtlings-Herausforderung liegt aber nicht im Wohnbau, sondern an der Grenze. Haimbuchner will den Zugang zu Wohnungen sogar noch erschweren. Wohnungen sollen nur mehr bei Deutschkenntnissen oder Integrationswillen verteilt werden.“ Das steht auf der Webseite der FPÖ – wie wollen sie dann das Problem mit dem fehlenden Wohnraum angehen, und wie definieren Sie Integrationswille und Deutschkenntnisse?

HaimbuchnerOberösterreich hat derzeit 39.700 Wohnungssuchende, wovon rund 20.400 einen dringenden Wohnungsbedarf haben, weil sie einen Hausstand gründen wollen oder von Obdachlosigkeit bedroht sind. Diese Menschen zahlen nicht nur Steuern, ihnen wird vom Einkommen auch der Wohnförderungsbeitrag abgezogen, obwohl sie schon Jahre auf eine geförderte Wohnung warten. Ihnen gilt daher mein besonderes Augenmerk. Wenn „Drittstaatenangehörige“ eine geförderte Wohnung wollen, dann sollen auch sie zuerst einen Beitrag geleistet haben. Asyl ist kein Freibrief für ungehemmte Zuwanderung, die ein Land wie Österreich überfordert. Auch was den Wohnraum angeht. Die Wohnbauförderung setzt von ihrer Grundauslegung her Maßnahmen, leistbaren Wohnraum für die sozial schwächeren Teile der eignen Bevölkerung zur Verfügung zu stellen und ist keine Integrationsmaßnahme. Wir haben hier wie bereits dargestellt wirklich genügend Eigenbedarf. Auch im Sinne der Beendigung der unsäglichen Willkommenskultur wäre eine Öffnung des sozialen Wohnbaus das völlig falsche Signal._

#Ähnliche Artikel

Die DSGVO-Rockstars

Ein Unternehmen kann es sich heutzutage nicht mehr leisten, das Recht auf Datenschutz zu negieren. Das haben auch Robert Reitmann und Michael Traunau erkannt und mit ihrer gemeinsamen Expertise DataReporter gegründet. Das Unternehmen trifft mit seinen Angeboten den Puls der Zeit und befindet sich trotz der aktuellen Krisen im Wachstum. Die beiden Gründer geben Einblicke in ihr Erfolgsrezept.

Starkicker tanken in Oberösterreich Kraft für die neue Saison

Fußballfans aufgepasst! Im Sommer tummeln sich wieder viele bekannte Profis in Oberösterreich. Vom aktuellen Europa-League-Sieger bis zum griechischen Serienmeister – sie alle holen sich die nötige Frische für das neue Spieljahr bei Trainingscamps in Oberösterreich. Warum eigentlich ausgerechnet hier? Und welche wirtschaftliche Bedeutung haben Buchungen von Spitzenvereinen für das Tourismusland?

Frankfurt: Das Tor zur Welt für Linz

Zweimal täglich geht es vom Linzer Flughafen ins rund 600 Kilometer entfernte Frankfurt/Main. Vor allem für die Wirtschaft ist die Verbindung von großer Bedeutung. Flughafendirektor Norbert Draskovits sprach mit uns über die Wichtigkeit dieser Strecke und darüber, wo die Reise künftig hingehen wird.

Wenn das Büro zum Wohnzimmer wird

Der „Workspace Wels“ gehört zu den größten Coworkingspaces Österreichs. Für viele Eingemietete hat sich der Arbeitsplatz zu einem zweiten Wohnzimmer entwickelt, in dem gemeinsam mit Freund:innen gearbeitet, genetzwerkt und Freizeit verbracht wird. Die Coronakrise hat diese Entwicklung verstärkt – der Aufholbedarf an zwischenmenschlichem Kontakt ist groß.

„Wir haben alle Hummeln im Hintern“

Kamera läuft, der Schmäh rennt, der Eifer brennt. So in etwa könnte man die Stimmung bei LT1, einem der bekanntesten Privat-Fernsehsender in Oberösterreich, beschreiben. Es ist ein Mittwochvormittag, wir treffen uns mit dem Führungsteam im Meetingraum, werfen mit den Moderator:innen einen Blick ins Studio und plaudern mit den Redakteur:innen in der Lounge. Dabei erfahren wir nicht nur, wie es im Team so läuft, sondern auch, wo(hin) der Sender in Zukunft laufen möchte.

Die Gesichter hinter der Industrie

Fronius steht für Hightech und Innovation in Form von Schweißsystemen, Solar-Wechselrichtern und Batterieladegeräten. Umso unkonventioneller ist der neue Auftritt, mit dem das Unternehmen um Arbeitskräfte wirbt. Auffallend prägnante Porträtbilder setzen die eigenen Mitarbeiter:innen in Szene und vermitteln eine klare Botschaft: „We are Fronius.“

„Gxunde“ Geschmacksreisen

Seit März ist der Bezirk Freistadt um eine interessante kulinarische Adresse reicher. Ein neues Restaurant für Genießer:innen, die natürliche, regionale Küche mit internationalem Twist in einem zeitgenössisch-urbanen Ambiente lieben.

Einfach mal fließen lassen

Ankommen. Durchatmen. Loslassen. Wie wichtig kleine Auszeiten sind, wissen wir spätestens seit der Coronapandemie. Dass es nicht immer zwingend „Vitamin Meer“ sein muss, das Element Wasser für die Erholung aber Gold wert ist, zeigt uns Eurothermen-Geschäftsführer Patrick Hochhauser bei einem kleinen Rundgang. Er gönnt sich mit uns etwas Entspannung im [Eurothermen](https://www.hoteltherme.at/)-Hotel Miraverde in Bad Hall.

„Nicht nur Geschäftsbeziehungen, sondern Freundschaften"

Welche Herausforderungen ergeben sich für Versicherer, wie verändert sich die Branche? Wie hoch ist der Schulungsaufwand für das nötige Know-how und wie berät man richtig? Kathrin Kühtreiber-Leitner, Vorstandsdirektorin der [Oberösterreichischen Versicherung AG](https://www.keinesorgen.at/), im Interview.

Regionen lebenswerter machen

Das [Regionalmanagement OÖ](https://www.rmooe.at/) (RMOÖ) ist als Regionalentwicklungsagentur Schnittstelle zwischen Landespolitik und Gemeindeebene. Das Fachteam Raum- und Regionsentwicklung berät und unterstützt 16 Stadtregionen und entwickelt Strategien mit.

„Etwas aus der Norm, aber interessant“

Was macht ein Politiker dieser Tage am besten mit WhatsApp? Richtig, ein Interview – denn raus kommt’s ja sowieso. Paul Mahr, Bürgermeister von Marchtrenk, geht gerne außergewöhnliche Wege. Als Fan von innovativen Lösungen und kreativen Ideen war es nicht schwer, ihn für unser WhatsApp-Interview zu begeistern. Im Format der etwas anderen Art sprechen wir über seinen Erdrutschsieg, moderne Stadtentwicklung und das E-Mail-Postfach seines Hundes Bali.

Völlig durchgeGRÜNt!

Nachhaltigkeit hat viele Gesichter. Und vor allem viele kluge, überzeugte Köpfe, die das grüne Thema vorantreiben. Einer davon ist Susanne Steckerl. Für die Geschäftsführerin der [Agentur für Standort und Wirtschaft Leonding](https://www.standort-leonding.at/) ist Nachhaltigkeit auch beruflich zum Herzensthema geworden.

„Oberösterreich muss sich international positionieren“

Oberösterreich ist das Wirtschaftsbundesland Nummer eins in Österreich. Für Landeshauptmann Thomas Stelzer ist das noch lange kein Grund, sich auf Lorbeeren auszuruhen – stattdessen denkt er über die Landesgrenzen hinaus. Wir fragen ihn, wie es uns gelingen kann, auf dem internationalen Parkett mitzuhalten, welche Trends auf dem Weg dorthin entscheidend sein werden und wo wir schon heute vielversprechende Chancen ergreifen.

Wo der Bürgermeister persönlich vorbeikommt

Standortentwicklung – dazu hat Paul Mahr einen ganz besonderen Zugang. Der [Bürgermeister von Marchtrenk](http://www.marchtrenk.gv.at/POLITIK/Buergermeister) kümmert sich nicht nur um das wirtschaftliche Vorankommen „seiner“ Stadt: Auch das Gemeinschaftsgefühl soll wachsen. Dazu fährt er an einem Wochenende schon mal 100 Kilometer mit dem Rad, um Bürgeranliegen zu erfüllen.

Wenn der Funke überspringt

Susanne Steckerl mit einem Wort zu beschreiben ist schwierig. Vielseitig trifft’s wahrscheinlich noch am ehesten, schmälert aber trotzdem das breite Spektrum, das die Geschäftsführerin der [Agentur für Standort und Wirtschaft](https://www.standort-leonding.at/) zu bieten hat. Nicht nur in dieser Rolle, sondern überhaupt. Wir trafen uns mit der gebürtigen Mühlviertlerin zum Gespräch.

Zielgruppe Senioren: Ein unterschätzter Milliardenmarkt?

Mit Blick auf das Gesundheits- und Pensionssystem wird die Generation 60+ oft als Kostentreiber für den öffentlichen Finanzhaushalt gesehen. „Diese Sicht zeigt aber ein sehr verzerrtes Bild der Senioren“, sagt Josef Pühringer, Landesobmann des [OÖ Seniorenbundes](https://ooesb.at/no_cache/startseite). „Denn die über 60-Jährigen sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Und der demografische Wandel hin zu einer alternden Gesellschaft ist eine große Chance für innovative Unternehmen.“

Hungrig auf echt!

Wie entdeckt man eigentlich ein Land? Am besten wohl mit allen Sinnen: Man riecht die Natur, sieht sich die Landschaft, die Gebäude, die Dörfer und Städte an. Man hört den Menschen zu, die dort leben. Schmeckt, was sie gerne essen. Und spürt (im besten Fall), dass das alles echt ist. Und nicht inszeniert. Gott sei Dank (oder passend zum Herbst: Ernte sei Dank) hat sich Oberösterreich genau das zum Motto gemacht: „Hungrig auf echt.“ Hungrig auf echten Genuss, auf echte Erlebnisse, auf echte Begegnungen. Wo man das alles am besten erleben kann? Bitteschön: eine Landkarte, eine Speisekarte, eine Schatzkarte (kann man nehmen, wie man möchte) für die Zeit der Ernte in Oberösterreich.

Innovation aus Oberösterreich: Die digitale Gemeindezeitung

Bürgermeister. Fußballverein. Trachtenmusikkapelle. Pfarre. Täglich gibt es von örtlichen Institutionen und Vereinen Updates für die Leute in der Gemeinde. Als gedruckte Gemeindezeitung, auf verschiedenen Webseiten, auf amerikanischen Social-Media-Plattformen – verstreut und schwierig zu überblicken. Die Digitalisierung in den Regionen ist eine der aktuell größten und wichtigsten Herausforderungen. Newsadoo prescht mit einer digitalen Lösung für die Kommunikation und Information innerhalb der 438 oberösterreichischen Gemeinden vor – Restösterreich soll bald folgen.