Die „Next Generation“ der Baubranche kommt aus dem Mühlviertel

Als der Maurer- und Zimmermeister Franz Xaver Resch vor 120 Jahren sein Baugeschäft in Aigen im Mühlviertel gründete, wusste er noch nicht, welche Ereignisse auf ihn und seine Firma zukommen würden. 110 Jahr später haben sich die „Brüder Resch“ in vierter Generation zu einem Bauunternehmen entwickelt, das vom Ausschreibungsverfahren bis zur Bautechnik die Zukunft der heimischen Baubranche federführend mitgestaltet.

Wir schreiben das Jahr 1912. Henry Ford schickt sein Modell „Tin Lizzy“ über die Straßen, die RMS Titanic, das größte Passagierschiff der Welt, zerschellt an einem Eisberg. Die Stimmung in Europa ist geprägt von nationalen Spannungen, Veränderung liegt in der Luft. Zwei Jahre vor dem Ersten Weltkrieg gründet Franz Xaver Resch sein Baugeschäft.

„Wir sprechen von einem Jahrhundert mit zwei Weltkriegen – mit großen Krisen, die wir nur aus den Geschichtsbüchern kennen“, erzählt Geschäftsführer Markus Obermüller. 1946, ein Jahr nach Kriegsende, übernehmen die Söhne Walter, Gerbert und Siegfried die Firma und legen den Grundstein für den Namen „Brüder Resch“ und den weiteren Erfolg. Nach dem Zweiten Weltkrieg steht der Wiederaufbau in Österreich im Vordergrund. Die Brüder Resch bauen Straßen, Brücken, Häuser, ab den Siebziger Jahren bis in die Neunziger erfolgen viele Kanalbauprojekte in der Region.

1983 übernimmt der Sohn von Walter Resch, Gerhard, zusammen mit seiner Frau Heike den Großbetrieb. Sie bauen den Standort Ulrichsberg zum Firmenzentrum auf. Das Unternehmen steht auf mehreren Standbeinen, der Wirkungsradius vergrößert sich. Und es ist auch dem Weitblick von Gerhard Resch zu verdanken, dass 2007 ein neuer Meilenstein in der Firmengeschichte gesetzt wird: die Errichtung eines Holzbauzentrums. Bis dahin war die Sparte Zimmerei rein auf Dachstühle spezialisiert. „Die Investition von 5,5 Millionen Euro war richtungsweisend“, erinnert sich Geschäftsführer Markus Obermüller, der das Unternehmen heute gemeinsam mit Georg Altendorfer führt.

Holzbausparte als Impulsgeber für die ganze Firma

Der Holzbaubereich wurde nicht nur zum Wachstumsbringer, sondern zum großen Impulsgeber für das ganze Unternehmen. So habe man dort von Anfang an auf Digitalisierung gesetzt und die Planungsschritte der Projekte so verfeinert, dass hocheffizient und ressourcenschonend gearbeitet werden kann. Die Planung wie auch die Fertigung der Holzmodule, Wände und Deckenkörper erfolgen im Haus, danach liefere man die Bauteile bis nach München. Heute biete man neben der eigenen Privathausmarke „Böhmerwaldhaus“ Expertise im Objekt- wie auch Gewerbebau an, von Holz- über Hybrid- bis zu Betonbauweise, als General- wie auch Totalunternehmer. Firmen wie Pöttinger, Ökofen, das Stift Schlägl, Spar, Biogena sowie Kommunen und Schulen zählen zu den zufriedenen Kunden.

Weiterlernen für die Zukunft

Doch das Unternehmen, das ganze Bauprojekte vom ersten Handgriff bis zur Schlüsselübergabe anbieten kann und im Gewerbebau sogar die prozessorientierte Projektentwicklung, von der Gesamtplanung bis zur Durchführung, denkt schon viel weiter: Man will mehrgeschossig in die Höhe bauen – in Hybridbauweise für Private und Gewerbe. Und grundsätzlich überlegen, wie man das Beste aus traditionellen Baustoffen herausholen kann. Denn hier habe sich in den letzten Jahrzehnten in Österreich wenig getan –

international jedoch sehr viel. Deshalb nutzt das Team gezielt jede Möglichkeit, um sich bei Studienreisen im Ausland weiterzubilden, gute Kontakte zu Universitäten zu pflegen und sich überregional zu vernetzen. „Die Länder Nordeuropas oder die Schweiz sind uns um viele Jahre voraus – von der Digitalisierung bis zum innovativen, materialsparenden Umgang mit Baustoffen. Am Beispiel Beton etwa haben wir gesehen, dass sich selbst Betondecken mit 30 Prozent weniger Material und ohne Bewehrungsstahl stabil bauen lassen“, erzählt Geschäftsführer Georg Altendorfer. Und Markus Obermüller ergänzt: „Hier möchte ich wirklich an die Politik appellieren, in die Forschung zu investieren, denn dort passiert Innovation, die unsere Baubranche braucht. Wir als mittelständische Firma bieten unsere Bauprojekte gerne als Forschungsmöglichkeit an und können Input und Erfahrungen weitergeben.“

Erfolgreiche Bauprojekte durch Vertrauen

Frage: Was passiert, wenn man sich mit dem Bauherr:innen und allen Partnerbetrieben, die es für ein Bauprojekt braucht, an einen Tisch setzt? Das gängige System der Ausschreibungen mit dem Versuch, sich gegenseitig zu unterbieten, und am Ende doch nachverhandeln zu müssen, war für die Ulrichsberger Firma unbefriedigend geworden. „Wir gehören nicht zu denen, die möglichst billig eine Betonhülle um einen Maschinenpark bauen. Wir denken uns auch in den Betriebsablauf hinein und suchen nach der besten gesamtheitlichen Lösung.“ Das war der Grund, warum man dem Bauherrn eines Großprojekts statt eines klassischen Angebotes eine andere Idee vorgeschlagen habe: sich an einen Tisch zu setzen – mit allen am Bau beteiligten Firmen. Um gemeinsam das bestmögliche Ergebnis zu erarbeiten.

„Dieses Experiment gelang, weil der Bauherr genug Vertrauen in uns hatte, um uns die volle Budgetsumme bekanntzugeben, und es war möglich, weil die Firmen, die wir uns als Partnerbetriebe an den Tisch geholt haben, nicht mehr um ihren Auftrag bangen mussten. Mit dem Wissen, den Auftrag quasi schon in der Tasche zu haben, konnten sie sich gleich auf die beste Lösung für das Projekt konzentrieren. Dieses Projekt wurde ein voller Erfolg, brachte zudem eine Kostenersparnis von 15 Prozent, und wer einmal auf diese Weise an einem Bauprojekt gearbeitet hat, will es nicht mehr anders machen“, lautet das Fazit der beiden Geschäftsführer.

Eine Frage des Mindsets

Welches Mindset braucht man, um den Puls der Zeit zu spüren und ihn mitgestalten zu wollen? „Das eigene Mindset ändern, partnerschaftlich denken und Grenzen ausloten wollen – und alles als laufenden Prozess sehen. Der neue Eigentümer, Fritz Resch, und wir haben die gleiche Blickrichtung. Gemeinsam leben wir diesen Spirit in der Firma auch vor, zumindest versuchen wir das.“_

Die Digitalisierung des Bauprojektes braucht eine völlig neue Denkweise. .

Georg Altendorfer Geschäftsführer, Brüder Resch

Der Grundstein war Innovationsbereitschaft und eine große Portion Mut.

Markus Obermüller Geschäftsführer, Brüder Resch

Zahlen und Fakten

Eigentümer Fritz Resch

Standort Ulrichsberg

Geschäftsführer Markus Obermüller & Georg Altendorfer

65 % Hoch- und Tiefbau, Privathäuser, Bauhandel

35 % Holzbau

240 Beschäftigte

54 Millionen Euro Umsatz

100 % Familieneigentum

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