Die Gelben Engel in grüner Mission

Wer beim ÖAMTC automatisch an einen Automobilclub denkt, kennt nicht die ganze Geschichte. Diese beginnt schon 1896 – als Touringclub für Radfahrer:innen. Mehr als 120 Jahre später sind klimafreundliche Maßnahmen für die Zukunft gefragter denn je. Landesdirektor Harald Großauer im Gespräch über eine grüne Mobilität für alle und den Mix, den es dafür braucht.

„Wir reden nicht nur darüber, sondern tun auch etwas.“ Harald Großauer steckt das Ladekabel an seinen E-PKW an – der Strom kommt von der hauseigenen PV-Anlage. Wir befinden uns vor dem Headquarter des ÖAMTC Oberösterreich. Es herrscht rege Betriebsamkeit rund um das markant geschnittene, gelbe Gebäude.

Die Mobilität ist nicht gerade der Sektor Nummer eins, der einem zu Nachhaltigkeit einfällt. „Ja“, schmunzelt der ÖAMTC-Landesdirektor, „wir sind in einer Branche tätig, in der noch viel Veränderungspotential besteht. Unsere Rolle als Mobilitätsclub ist es, die Mitglieder bei Mobilitätsveränderungen unterstützend zu begleiten, um die Klimaziele zu erreichen.“ Welche Schritte dies im Konkreten sind? Es braucht den Mix aus grünem Individualverkehr, den Ausbau des öffentlichen Verkehrs sowie eine Attraktivierung von Fuß- und Radwegen. „Dabei ist für uns ganz wesentlich, dass sich alle Menschen die ,neue‘ Mobilität leisten können.“

E-Mobilität leistbar machen

Elektroautos kosten erheblich mehr als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Wenn es jedoch eine Stelle gibt, an der man gebrauchte E-Autos und deren Akkus objektiv prüfen lassen kann, wird der strombetriebene PKW aus zweiter Hand zur sicheren Option. Aus diesem Grund gibt es seit Frühjahr 2021 sieben E-Kompetenzzentren des ÖAMTC in Oberösterreich, die vom Akkucheck bis zur technischen Beratung vor dem Autokauf ihren Mitgliedern objektiv helfen. Bei der Mobilitätswende geht es jedoch nicht nur um das „Begrünen“ des Privatautos. Die Mobilität der Zukunft braucht auch den Ausbau der öffentlichen sowie gemeinschaftlich genutzten Verkehrsmittel.

Mehr öffentlicher Verkehr

„Wir wissen, warum die Menschen die Öffis noch zu wenig nutzen, wir haben eigene Studien dazu durchgeführt.“ Die zwei Hauptgründe waren „zu lange Fahrtdauer“ und „keine Direktverbindungen“. Erst an sechster Stelle kommt der Fahrpreis. „Wenn man mehr Menschen zu den Öffis bringen will – und das ist nötig, um die Klimaziele zu erreichen –, dann braucht es ein besseres Angebot, eine bessere Taktung und mehr Verbindungen“, so Harald Großauer. Attraktive Öffiangebote fördern nicht nur ein besseres Klima, sondern reduzieren den Stau in den Ballungszentren.

Gemeinsam fahren statt alleine

Die Belegungsquote der PKW, die in die Linzer Innenstadt fahren, liegt bei derzeit etwa 1,12 Personen. Das Forschungsprojekt Domino Oberösterreich hat darauf reagiert und eine App an den Start gebracht, die das gemeinschaftliche Fahren und bessere Auslasten von Privatautos zwischen Wohnort und Arbeitsplatz fördert. Auch hier ist der ÖAMTC als Projektpartner dabei.

Die „kleine E-Mobilität“ und der Radverkehr

„Unser Ziel ist es, die Leute zusammenzubringen, um aus vier Autos auf der Straße eines zu machen.“ Auf der Plattform können Fahrten angeboten werden, man erfährt, wo gute Einstiegsplätze sind, und kann den eigenen Mix aus Rad, Öffi und PKW besser zusammenstellen. Der E-Bike-Boom hat die Alltagsmobilität vieler Menschen verändert. „Zehn bis fünfzehn Kilometer Streckenlänge sind heute kein Hindernis mehr, um aufs Rad zu steigen.“ E-Räder kosten erheblich mehr als vergleichbare Fahrräder, doch auch hier findet sich längst das passende Gebrauchtrad für jeden Geschmack. Bleibt die Frage nach der objektiven Beurteilung seines Zustandes. Die Antwort findet sich einmal mehr bei den Gelben Engeln. Vom Sicherheitscheck über die Akkumessung bis zum Fahrtraining bietet der ÖAMTC die Angebote für den Umstieg auf das Rad. Und so bleibt am Schluss ein besonderer Punkt übrig, den es für ein besseres Klima für alle braucht: als Individuum offen zu sein für die Möglichkeiten, wie man von A nach B kommen kann._

Es war schon immer in unserer DNA, für alle mobilen Menschen da zu sein.

Harald Großauer Landesdirektor, ÖAMTC Oberösterreich

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