Wie drei Gründer den Tourismus neu denken

Einen Businessplan gab es bei der Gründung von Incert eTourismus im Jahr 2007 nicht. Dafür waren die Zwillingsbrüder Günther und Peter Praher sowie Gerhard Lengauer fest davon überzeugt, mit ihrem eigenen E-Commerce-System einen wertvollen Beitrag für die Tourismusbranche leisten zu können. Fünfzehn Jahre später sind sie Marktführer im Bereich „Schenken“ im Gutscheinhandling und stellen mit ihren digitalen Lösungen tagtäglich ihre Kreativität und Innovationskraft unter Beweis. Sie wollen damit die Art und Weise des digitalen Verkaufs und der Gästebindung im Tourismus neu denken.

„Wir brennen für alle Bereiche des E-Commerce und für die Tourismusbranche gleichermaßen“, sagt Peter Praher und strahlt. Und das merkt man im Gespräch mit ihm und seinem Zwillingsbruder Günther von Anfang an. Bereits neben ihren Studien sammeln die beiden wertvolle Arbeitserfahrungen, die ihren späteren Weg ebnen. Peter Praher arbeitet zunächst in der Industrieinformatik und Fertigungsautomatisierung und programmiert nebenbei für ein Hotel im Mühlviertel ein Shopsystem für einen vollautomatischen Gutscheineinkauf via Website. Günther Praher unterstützt zeitgleich die Neupositionierung des Hotels Guglwald in Vertrieb und Marketing. Dabei gewinnen die beiden das Selbstbewusstsein für die Gründung ihres eigenen Unternehmens.

Schnell stellen sie nämlich fest, dass es im Jahr 2006 noch kein vergleichbares E-Commerce-System für den Tourismus gibt. Die Betriebe können ihre Leistungen zu dem Zeitpunkt nicht direkt online verkaufen und somit auch keine Umsätze über die eigenen Websites generieren. Die beiden sehen den Handlungsbedarf und suchen selbstständig nach einer Lösung. Ihre Antwort: die Gründung von Incert eTourismus.

Übersetzer für technische Möglichkeiten

Ihre ersten persönlichen Kontakte zu Hotels nutzen die Brüder Praher und fahren einen Sommer lang von Betrieb zu Betrieb, um sich einen Auftrag nach dem anderen zu angeln. Sie holen sich Gerhard Lengauer als CTO und dritten Gründer sowie Hannes Gallistl als Websiteexperten mit an Bord und machen sich motiviert an die Entwicklung einer eigenen Verkaufsplattform. Sie merken, dass es für die Tourismusbetriebe einen „Übersetzer“ für technologische Möglichkeiten braucht, und setzen ihr Wissen dafür ein.

Heute, fünfzehn Jahre später, sind sie Arbeitgeber für 35 Mitarbeiter:innen und machen 3,5 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Ihren Hauptsitz in Linz erweiterten sie um Standorte in Hagenberg, Innsbruck und Rostock – vor allem, um näher an den Kund:innen zu sein. Und zu denen zählen einige bekannte Namen wie Casinos Austria, Red Bull oder die Hotelkette Falkensteiner. Dabei sind die drei Gründer immer am Boden geblieben. „Wir setzen unseren Fokus stark auf unsere Kund:innen und nicht auf unsere Außenwahrnehmung. Wir halten nichts von großer Selbstinszenierung, sondern ziehen unser Selbstbewusstsein aus den Referenzen unserer Kundenbetriebe“, betont Günther Praher. Diese schätzen vor allem die Hands-on-Mentalität und die Out-of-the-box-Lösungen von Incert.

Schenken, Erleben und Belohnen

Neben dem Bereich „Schenken“ im Gutscheinhandling, in dem das Unternehmen marktführend ist, wollen die Gründer auch in den Bereichen „Erleben“ im Ticketing und „Belohnen“ im Loyalty – also in der Kunden- und Mitarbeiterbindung – bei bestehenden und neuen Kund:innen punkten. Ihren USP sehen sie darin, dass sie ihr eigenes System bestmöglich in die bestehende IT-Infrastruktur der Betriebe integrieren können. Somit leisten sie einen wichtigen Beitrag bei der Automatisierung der gesamten Wertschöpfungskette im Tourismus.

Neue Herausforderungen

Die vergangenen beiden Jahre haben vor allem auch die Tourismusbranche vor neue Herausforderungen gestellt. „Die Digitalisierung, der Fachkräftemangel sowie die Verstärkung der Tendenz zu kurzfristigen Urlaubsbuchungen durch die Coronakrise bedeuten für viele Betriebe eine gewisse Planungsunsicherheit“, so Günther Praher. Die Pandemie habe aber auch dazu geführt, dass der Sommertourismus in Österreich einen großen Aufschwung erlebt hat und dass der Verkauf von Gutscheinen boomte. Genau dort konnte wiederum Incert ansetzen und versuchte vor allem für Stammgäste durch sein Gutscheinhandling und sein Loyaltysystem Anreize für Buchungen zu schaffen.

Auch für Incert selbst stellte die Krise am Beginn eine schwierige Phase dar. Zum Glück waren aber digitales Arbeiten und Homeoffice schon davor ein gelebter Teil der Firmenkultur. So konnten die Arbeitsabläufe rasch angepasst werden. Allerdings war vor allem die Unsicherheit in der Tourismusbranche eine große Herausforderung für das Unternehmen. Die Gründer wussten nicht, wie ihre Kund:innen mit der Situation umgehen würden. Rasch zeigte sich aber, dass die neue Art der digitalen Kollaboration auch Chancen für die effizientere Zusammenarbeit darstellte.

Anreize schaffen

Vom Fachkräftemangel sind nicht nur die Tourismusbetriebe betroffen. Es wird auch für Incert selbst immer herausfordernder, gute Mitarbeiter:innen zu finden und zu halten. Die Gründer geben ihren Angestellten viel persönlichen Spielraum und leben flache Hierarchien. Darüber hinaus bieten sie für ihre Mitarbeiter:innen die Gelegenheit, mit modernsten Technologien und Systemen, wie Angular oder Vue.js, zu arbeiten. Dadurch wollen sie vor allem Anreize für junge Techniker:innen und Webdeveloper:innen schaffen. Durch das vermehrte Homeoffice ist das ohnehin schon große Vertrauen in ihre Mitarbeiter:innen noch stärker gewachsen und das gesamte Team ist dabei über sich hinausgewachsen.

Zuversicht für die Zukunft

„Unsere Kompetenzen liegen in der Digitalisierung und Automatisierung“, betont Günther Praher. Wichtig für Incert waren und sind dabei immer eine kontinuierliche und nachhaltige Entwicklung und eine langfristige, verlässliche Kundenbeziehung. Darauf wird Incert auch in Zukunft setzen. Dabei wollen die Gründer vor allem ihre Bodenständigkeit und Authentizität beibehalten und auch weiterhin halten, was sie versprechen.

„In jeder Krise liegt auch eine Chance“, ist sich Peter Praher sicher. Und so blickt das Gründerteam trotz aller Herausforderungen zuversichtlich in die Zukunft. Durch die neuen Standorte in Innsbruck und Rostock will das Team noch näher bei den vielen Kund:innen im DACH-Raum sein, um auf deren Bedürfnisse rasch reagieren zu können. Zudem sichert das Büro im Softwarepark Hagenberg die Zukunft und Innovationskraft für Incert ab._

Wir sehen uns als Teil der Tourismusbranche und das macht mitunter unseren Erfolg aus.

Günther Praher Founder und CEO, Incert eTourismus

Wir automatisieren mit unserem E-Commerce-System die gesamte Wertschöpfungskette im Tourismus.

Peter Praher Founder und COO, Incert eTourismus

# Gedankensprung

mit Günther und Peter Praher

Unser Unternehmen in einem Satz erklärt_ Wir digitalisieren touristische Unternehmen in den Bereichen Schenken, Erleben und Belohnen und sorgen damit für zusätzliche Umsätze, Nachfrage und Liquidität bei unseren Kund:innen.

Unser USP_ ist unsere eigens entwickelte Verkaufsplattform, die wir seit fünfzehn Jahren sehr kontinuierlich und strategisch aufgebaut haben.

Der Hauptnutzen unseres Produktes_ ist, dass das E-Commerce-System sehr gut verkaufen kann und wir es auch bestmöglich in die IT-Infrastruktur unserer Kund:innen integrieren können.

Unser täglicher Antrieb_ ist die Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit unseren touristischen Kund:innen, von denen wir sehr viel Wertschätzung für unsere Arbeit bekommen.

Stolz macht uns_ dass wir es von Linz aus geschafft haben, die Topunternehmen im Tourismus im deutschsprachigen Raum zu betreuen.

Wir sind ein guter Arbeitgeber, weil_ wir uns selbst nicht allzu ernst nehmen. Wir sind es gewohnt, mit unseren Mitarbeiter:innen auf Augenhöhe zu arbeiten und wir wollen die Firma vom Umfeld her so gestalten, wie wir es uns auch selbst als Arbeitnehmer wünschen würden.

Die Zukunft ist_ und bleibt spannend. Jede Krise bietet ihre Chancen und wir blicken trotz aller Umstände sehr zuversichtlich in die Zukunft.

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