Durchblick im Kryptodschungel

Da beim Geld bekanntlich die Freundschaft aufhört, empfiehlt es sich oftmals, Außenstehende zu konsultieren. Doch an wen wendet man sich beim Thema Kryptowährungen? Partner Oliver Völkel und Rechtsanwältin Leyla Farahmandnia von STADLER VÖLKEL Rechtsanwälte erklären, worauf bei Bitcoin und Co. zu achten ist.

Was übersehen die meisten bei ihrem ersten Umgang mit Kryptowährungen?

Oliver VölkelVor allem Unternehmen, aber auch Privatpersonen sollten sich mit der Technik vertraut machen. Führungskräften und Entscheider:innen würde ich darüber hinaus empfehlen, sich mit den steuerlichen Auswirkungen auseinanderzusetzen. Nachdem unsere Kanzlei beispielsweise Bitcoin als Zahlungsform akzeptiert, muss ich mir als Unternehmer die Fragen stellen: wie bringe ich das in meine Buchhaltungssysteme hinein und wie verbuche ich Kursgewinne oder -verluste?

Dank der Blockchaintechnologie werden bei Bitcoin ausnahmslos alle Transaktionen aufgezeichnet. Welche Vorteile gehen damit einher?

Oliver VölkelIch kann ganz genau nachvollziehen, ob eine Transaktion tatsächlich stattgefunden hat, und niemand kann etwas anderes behaupten. Das kann vertrauensbildend sein.

Und welche Gefahren birgt diese Transparenz?

Oliver VölkelAuf der Blockchain sieht man, von welcher Adresse an welche Adresse Transaktionen durchgeführt wurden. Wenn ich in das reale (Fiat-)Geldsystem hinein möchte, werde ich irgendwann einmal an Dienstleister:innen andocken müssen, die verpflichtet sind, meine Daten zu erheben. Spätestens dann sehen Händler:innen alle Transaktionen, die ich in der Vergangenheit mit dieser Adresse durchgeführt habe.

Worauf ist bei Kryptounternehmen zu achten?

Leyla FarahmandniaWenn ich als Verbraucher:in Kryptowährungen kaufen möchte, würde ich als erstes recherchieren, wo dieses Unternehmen registriert ist, welchen Rechtsvorschriften es unterliegt und welche Aufsichtsbehörde zuständig ist. Meistens gibt es auf der Website der lokalen Aufsichtsbehörde eine Art Unternehmensdatenbank, wo man diese Informationen abrufen kann und auch, welche Dienstleistungen das Unternehmen erbringen darf.

Oliver VölkelWenn ich das Unternehmen in dieser Datenbank nicht finde, würde ich die Finger davon lassen!

Leyla FarahmandniaNach einer gewissen Zeit würde ich meine Vermögenswerte in meine eigene Verfügungsgewalt bringen. Denn wenn das Unternehmen etwa insolvent ist, habe ich wenig Möglichkeiten, an meine Gelder zu gelangen.

Wenn Sie eine Fehlinformation über Kryptowährungen für immer aus der Welt schaffen könnten, welche wäre das?

Leyla FarahmandniaOft werden Crypto Assets in Verbindung mit Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung gebracht. Das stimmt nur teilweise. Im Bereich des Darknets wird etwa Bitcoin zwar als Zahlungsmittel verwendet, da diese Kryptowährung einen gewissen Grad an Anonymität aufweist. Aber immerhin: Durch die Blockchain kann man jede Übertragung nachverfolgen, bei Bargeld ist das nicht der Fall.

Oliver VölkelAlle, die glauben, Crypto Assets seien kompliziert oder eine nutzlose Technik, sollten sie erst einmal ausprobieren. Wenn ich das System wirklich ernst nehme, bin ich Herr:in meiner Finanzen. Es ist so, wie wenn ich mit meinem eigenen Geldsack rumlaufe, in dem meine eigenen Geldmünzen gesammelt sind.

Welche Kryptounternehmen müssen regulatorische Vorgaben beachten?

Leyla FarahmandniaKryptounternehmen in der EU haben seit der Umsetzung der fünften Geldwäscherichtlinie dieselben Regeln, wie Kredit- und Finanzinstitute. Das bedeutet, sie brauchen unter anderem ein umfangreiches Compliance-Paket und werden durch die lokale Finanzmarktaufsicht überwacht. Vorausgesetzt die einzelnen Mitgliedstaaten haben die Richtlinie umgesetzt.

Wie haben sich diese Vorgaben im Laufe der noch jungen Historie der Blockchain-Technologie verändert?

Leyla FarahmandniaAnfangs war der Markt unvorbereitet, da die Technologie so innovativ war. Sowohl von anwaltlicher als auch von behördlicher Seite waren schnell Anpassungen an die neuen Geschäftsmodelle notwendig, um einen rechtssicheren Zugang zu schaffen. So haben sich Softwaretools zur Unterstützung der Nachverfolgbarkeit und Analyse der Transaktionen entwickelt. Seither sind wir ganz gut aufgestellt, vor allem in Österreich.

Was erwartet man von einer Rechtsanwältin, die sich mit Fragen des Kryptorechts beschäftigt?

Leyla FarahmandniaAbgesehen von dem aufsichtsrechtlichen Know-how sollte ein gewisses technisches Verständnis vorhanden sein. Es wäre wichtig, dass man auch privat Kryptowährungen kauft und die verschiedenen Prozesse bei Kryptounternehmen durchgeht, damit man besser die Vor- und Nachteile beim Verkaufsprozess nennen und dadurch einen Benefit für Mandant:innen schaffen kann. Ein Großteil unserer Mitarbeiter:innen hat selbst Kryptowährungen, daher haben auch viele der Kolleg:innen beim juristischen Handbuch „Blockchain Rules“ – Oliver Völkel ist übrigens einer der Herausgeber – mitgeschrieben. Völkel schmunzelt.

Es ist wichtig, auch privat Kryptowährungen zu kaufen, um die verschiedenen Prozesse durchzugehen.

Leyla Farahmandnia Rechtsanwältin, STADLER VÖLKEL Rechtsanwälte

Auf der Blockchain lässt sich genau nachvollziehen, ob eine Transaktion tatsächlich stattgefunden hat.

Oliver Völkel Partner, STADLER VÖLKEL Rechtsanwälte

#Ähnliche Artikel

Ab in die Zeitkapsel!

Helikopter-Geld, Zusammenbruch Lehmann Brothers, ÖVAG-Debakel, Einführung Negativzinsen – wir steigen mit den Vorständen der Volksbank Oberösterreich, Richard Ecker und Andreas Pirkelbauer, in die Zeitkapsel und reisen in die Vergangenheit, machen einen Zwischenstopp in der Gegenwart und landen schließlich im Jahr 2040. Die beiden Banker über Umbrüche in der Brache, Fehlentscheidungen der EZB und Wünsche an die neue Regierung.

PR

Stabile Finanzen für Oberösterreich

Keine neuen Schulden, konsequenter Abbau alter Rückstände und gleichzeitig kräftige Investitionen in wichtige Zukunftsbereiche. Zu diesem einfachen, aber wirkungsvollen Prinzip bekennen sich die FPÖ und ihr Arbeitspartner beim Doppelbudget für die Jahre 2020 und 2021. Damit soll ein stabiler Schutzschirm gegen den drohenden wirtschaftlichen Abschwung geschaffen werden.

Überlebensversicherung Alleinstellungsmerkmal

Es gibt nichts, was es nicht gibt. Mittlerweile ist es sogar so, dass es nicht nur nichts gibt, was es nicht gibt, sondern dass es von allem sehr viel gibt. Nur wer es als Unternehmen schafft, sich abzuheben und in der Masse aufzufallen, wird erfolgreich sein, wie diese zwei portraitierten Unternehmen beweisen.

Kräftiger Schub für „Europäisches News-Ecosystem“

Das Ziel des Start-ups Newsadoo: die europäische Alternative zu Google News zu sein. Einen großen Schritt näher zu diesem Ziel kommt man nun mit dem Finanzinvestment von Raiffeisen Innovation Invest, einer Gesellschaft der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Was das Investment für die Zukunft des jungen Linzer Unternehmens bedeutet und warum die Bank in ein Nicht-FinTech investiert hat, erzählen Generaldirektor Heinrich Schaller und NewsadooGründer David Böhm im gemeinsamen Gespräch.

11 Wege zum Startkapital

Ohne das nötige Kleingeld ist der Traum vom eigenen Start-up schnell ausgeträumt. Wir haben bei Andreas Mayrhofer, Bereichsleiter Geschäftskunden der Sparkasse Oberösterreich, nachgefragt, welche Möglichkeiten es für eine Start-up-Finanzierung gibt.

Here we go!

Da wäre also mal die echt gute Idee. Der Mut. Das Vorhaben. Aber wie startet man durch? Egal aus welcher Situation heraus gegründet wird, am Anfang der Selbstständigkeit sollte eine gute Organisation stehen. Alexander Stockinger vom Gründerservice der WKOÖ und Daniela Mair-Köck von der Kreditgarantiegesellschaft und Unternehmensbeteiligungsgesellschaft KGG/UBG über verschiedene Gründungsmöglichkeiten, Geschäftsmodelle und den Sinn von Business- und Finanzplänen in der frühen Gründungsphase.

„Ganz zufrieden bin ich nie“

Es waren große Fußstapfen, die er zu füllen hatte. Es waren unangenehme Sachverhalte, die er angehen musste. Und es war (und ist) eine große Verantwortung, die er zu tragen hat. Thomas Stelzer über Herausforderungen in seinem ersten Jahr als oberösterreichischer Landeshauptmann, die gesetzlich verankerte Schuldenbremse, die neu formierte Bundesregierung und die Neustrukturierung der Landesverwaltung.

EU-Datenschutz: Drastische Verschärfungen ab Mai 2018

Am 25. Mai 2018 tritt eine drastische Verschärfung des Datenschutzrechtes, die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), in Kraft. Sie ist in Österreich unmittelbar anwendbar und sieht bei Verstößen Geldbußen von bis zu 20 Millionen Euro oder bis zu vier Prozent des weltweit erzielten Jahresumsatzes des vergangenen Geschäftsjahres vor.

Erfolg durch Vielfalt

Damit zu viele Köche nicht sprichwörtlich den Brei verderben, müssen sie vor allem eines können: als Einheit funktionieren. Das gilt auch für das Vorstandstrio der VKB-Bank. Gemeinsam mit ihrem Team blickt es auf ein erfolgreiches Jahr 2021 zurück – mit einer Steigerung von 216 Prozent zum Vorjahr verdreifachte man das Ergebnis gewöhnlicher Geschäftstätigkeit. Das Konzept trägt Früchte. Ihr Erfolgskonzept in all diesen Bereichen? Vielfalt auf Augenhöhe.

Nur grün ist nicht genug

Erfolgreiches Wirtschaften und der Klimaschutz machen sich gegenseitig das Leben schwer? Von wegen! Klaus Kumpfmüller, Generaldirektor der Hypo Oberösterreich, ist der festen Überzeugung, dass verantwortungsbewusstes Green Banking ein Zukunftsmodell ist. Seine Bank zählt zu den grünen Vorreiter:innen ihrer Branche und verfolgt den Schwerpunkt Nachhaltigkeit schon seit Jahren. Im Interview spricht er über die Verantwortung des Finanzsektors im Kampf für den Klimaschutz und darüber, wie man mit einem „blauen“ Ansatz über das „normale Grün“ hinausgeht.

Revolution am Energiemarkt

Mit Gridpulse eine nachhaltige Sensorentechnik zur Marktreife zu bringen, so lautete das Ziel und die Aufgabe von BDO Austria und der Knill Gruppe. Wie es ihnen gelungen ist? Durch eine Partnerschaft auf Augenhöhe, den Mut, nahe am Markt zu arbeiten, und nicht zuletzt Dank eines ebenso kompetenten wie neugierigen Teams.

Mittelstand am Sprung zur Künstlichen Intelligenz

Zwei visionäre Praktiker sind davon überzeugt, dass die österreichischen Betriebe zum Großteil im Zeitalter der Digitalisierung angekommen sind. Im nächsten Schritt gehe es um die Optimierung der digitalen Strukturen durch Künstliche Intelligenz, sind sich der Softwareentwickler und der Maschinenbauer einig.

„Die digitale Zukunft wird vor allem intelligent“

Einfach nur Digitalisierung war gestern. Am Software Competence Center Hagenberg zählt die Arbeit am nächsten Level der digitalen Transformation zu den täglichen Aufgaben. CEO Markus Manz und Lukas Fischer, Research Manager Data Science, nehmen uns mit auf eine Reise in die digitale Zukunft Österreichs.

Wie leicht geht Digitalisierung?

Mit ihren simplen und smarten Lösungen bietet die in Graz ansässige Marke [Digital2Go](https://digital-2-go.com/) Digitalisierungsschritte für KMU. Im Portfolio finden sich Produkte, die auch Unternehmen wie Zalando und L’Oréal ihren Prozessen täglich unterstützen. Das Motto dabei: „Weil Digitalisierung auch einfach geht.“ Oliver Lehner, Vice President BU Partner & Products, spricht im Interview über entscheidende Skills im digitalen Zeitalter, spannende Innovationen und den Mehrwert smarter Lösungen.

Wie sieht Beratung in Zukunft aus?

War gefühlt noch gestern von der Arbeitswelt 4.0 die Rede, befinden wir uns heute dank der digitalen Transformation bereits auf dem nächsten Level. Die Arbeitswelt 5.0 ist noch smarter, vernetzter und erweist sich spätestens seit der Coronakrise als notwendiger Schritt in die Zukunft. Auf dem Weg dorthin leisten Nikolaus Schmidt und sein Consultingunternehmen Klaiton Unterstützung.

„Wir verstehen die Digitalisierung breiter …"

… und deshalb haben wir in Oberösterreich die Chance, Großes zu schaffen“, sagt Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer. Die neue Technische Universität in Linz soll zu diesem Schaffen einiges beitragen. Wie man Studierende anlocken möchte und international Aufmerksamkeit erregen will, erzählt er uns im – passenderweise – virtuellen Interview.

Digitale Sicherheit: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Die Sonnenseiten der Digitalisierung? Liegen auf der Hand. Doch wo Licht ist, rechnet man besser auch mit Schatten. Die „dunkle Seite“ der Digitalisierung lauert dabei längst nicht mehr nur im Darknet. Probleme beim Datenschutz, Hackerangriffe sowie Cryptocrime und andere Gefahren tauchen in alltäglichen digitalen Gewässern immer häufiger auf. Gemeinsam mit den positiven Seiten des Wandels wachsen auch sie. Sie verändern sich. Werden raffinierter und bedrohlicher.