Top secret – und doch verfügbar

Identität erfinden, bei der Konkurrenz einschleusen, Vertrauen erschleichen und voilà – Zugang zu allen Betriebsgeheimnissen! Das wäre zumindest eine Möglichkeit, um Betriebsspionage zu betreiben. Wer seinen inneren James Bond noch nicht entdeckt hat, wird aber eher versuchen, Wissen aus den Produkten der Konkurrenz zu extrahieren. Das Software Competence Center Hagenberg (SCCH) forscht daher aktuell daran, Software vor dem Diebstahl von geistigem Eigentum zu schützen.

Es gibt kaum noch technische Produkte, die keine Softwarekomponente haben – vom smarten Kühlschrank über die intelligente Kaffeemaschine bis hin zur Produktionsmaschine im Industriebetrieb. Doch wofür steht „smart“ eigentlich? Für „Super Möglichkeit als revolutionärer Technikeinsatz“ oder doch eher für „Schon möglich alles rauszufinden theoretisch“? Im Grunde genommen für beides. Unter der Leitung des Software Competence Center Hagenberg wird daher daran geforscht, Raubkopien von Software im industriellen Bereich zu verhindern und damit das geistige Eigentum von Unternehmen schützen zu können. „Es steckt immer mehr wertvolles Wissen in der Software, das zunehmend das Interesse von Hackern weckt. Daher entwickeln wir aktuell einen neuen Ansatz, der diese komplexe Problematik lösen soll“, erklärt Thomas Ziebermayr, Area Manager Software Science am SCCH. Geforscht wird gemeinsam mit der Münchner Universität der Bundeswehr, der École Polytechnique Fédérale de Lausanne und der belgischen KU Leuven.

„Bei der Software hat sich eine Monokultur etabliert. Wenn Angreifer einen Weg gefunden haben, den Code einer Software zu hacken, können sie beinahe jede Produktionsmaschine des gleichen Herstellers mit dem gleichen Mechanismus hacken“, sagt Ziebermayr. „Wir wollen das verhindern, indem wir die Software diversifizieren.“ Erfolgreiche Angriffe sollen damit nur noch auf das attackierte Ziel beschränkt werden. „Beim Schutz von Software geht es in erster Linie darum, den Aufwand zum Hacken so hoch zu gestalten, dass ein Angriff wirtschaftlich nicht mehr rentabel ist“, so Ziebermayr. Zusätzlich zur Steigerung der Diversität soll die Software deshalb mithilfe neuer Methoden untrennbar mit der Hardware verbunden werden. „Dadurch werden auch Raubkopien nicht mehr möglich sein.“

Projektpartner gesucht

Trotz der Coronakrise ist es dem SCCH gelungen, verlässliche Industriepartner für die derzeitige Grundlagenforschung zu finden. „Damit haben wir jedenfalls eine gute Ausgangslage für das weiterführende Forschungsprojekt geschaffen, das wir dazu beantragen werden“, freut sich Ziebermayr über das Interesse seitens der Unternehmen. Die Einbindung der Wirtschaft zu einem frühen Zeitpunkt sei wichtig für den Erfolg der Projekts: „Wir wollen eine Methode entwickeln, die in der Praxis anwendbar ist.“ Aktuell werden noch weitere Projektpartner gesucht: „Wir haben das Forschungsprojekt zwar ‚Dependable Production Systems‘ (DEPS) genannt, interessieren uns aber auch für Bereiche abseits der industriellen Produktion. Unser Ansatz soll darüber hinaus funktionieren“, ruft der Hagenberger Forscher zur Teilnahme auf. „Wir haben momentan noch keinen Hersteller von Medizingeräten mit an Bord. Das wäre für uns aufgrund der dafür nötigen Zertifizierungen sehr spannend. Interessant wäre es auch, einen Hardwarehersteller im Projekt einzubinden.“ Die Beteiligung lohnt sich laut Ziebermayr: „Der Aufwand für unsere Partner ist sehr überschaubar und wir bieten ihnen zudem die Möglichkeit an, dass unsere Experten ihre Software analysieren und mögliche Sicherheitsprobleme klären.“_

Bei der Software hat sich eine Monokultur etabliert.

Thomas Ziebermayr Area Manager Software Science, SCCH

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