Wach auf, Österreich!

Qualität und Verantwortungsbewusstsein sind Gütesiegel der österreichischen Wirtschaft. „Made in Austria“ ist eine bewährte Marke. Doch aufgepasst! Genau in dieser Stärke lauern Gefahren für den Innovationsgeist. In einer schnelllebigen Zeit verliert Österreich zunehmend an Dynamik. Um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, muss über eine Neupositionierung nachgedacht werden. Und das besser heute als morgen, denn die Konkurrenz schläft nicht …

„Das Entscheidende ist, dass es uns schwerfällt, von erfolgreichen Konzepten Abstand zu nehmen – die sind ja nicht umsonst erfolgreich. Stellen Sie sich vor, Sie müssen jemandem, der seit 50 Jahren ein bestens funktionierendes Geschäftskonzept verfolgt, erklären, dass sein Konzept in den nächsten zehn Jahren nicht mehr funktionieren wird. Das ist mehr als eine Herausforderung“, erklärt Zukunftsforscher Franz Kühmayer. „Das ist ein wesentlicher Grund, warum es oftmals so lange dauert, bis wir Menschen tatsächlich auf Veränderungen, die um uns herum stattfinden, reagieren.“ Dabei sind Flexibilität und permanente Veränderungsbereitschaft zwei der wichtigsten Eigenschaften unserer Zeit. Aber wieso erzählt uns das Herr Kühmayer überhaupt? Weil wir wissen wollen, wie es um den Produktions- und Innovationsstandort Österreich bestellt ist – heute und in Zukunft. Eines vorweg: Es gibt noch viel Verbesserungsbedarf und auf Österreich wartet ein gutes Stück Arbeit, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Doch bevor hier die traditionelle Raunzerei losgeht, zuerst einmal ein paar grundlegende Klarstellungen.

„Echte Entwicklung findet nur außerhalb der Komfortzone statt.“

Michael Schernthaner Geschäftsführer, Schur Flexibles

Österreich hat gute Voraussetzungen

„Eine große Stärke Österreichs sind die Arbeitskräfte. In unseren heimischen Betrieben sind hochqualifizierte und tolle Mitarbeiter angestellt. Wir haben weder Rohstoffe noch können wir Öl oder Ähnliches verkaufen und trotzdem haben wir weltweit erfolgreiche Unternehmen. Unser Rohstoff befindet sich also quasi in den Köpfen der Menschen. Und mit diesen klugen Köpfen gelingt es, viele Probleme dieser Welt mit Lösungen ‚made in Austria‘ zu bewältigen“, so Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich. Als Interessenvertreter der Industriebetriebe kennt er die Stärken und Schwächen des heimischen Standorts nur zu gut. Auch Michael Schernthaner, Geschäftsführer des Packaging Konzerns Schur Flexibles, schlägt in eine ähnliche Kerbe, wenn es um die Stärken der österreichischen Wirtschaft geht: „Die Arbeitsmoral in Österreich ist eine wirklich gute. Wir erleben ein hohes Verantwortungsbewusstsein und eine stark qualitätsorientierte Arbeitsweise. Das hilft der Produktion, das hilft der Wirtschaft und schafft Vertrauen zwischen Unternehmen und Mitarbeitern. Diese Arbeitsweise ist nicht selbstverständlich und wir liegen damit weltweit gesehen sicherlich über dem Standard.“ Schernthaner muss es wissen, sein Unternehmen produziert immerhin an 22 Standorten in elf Ländern. Keine dieser Produktionen befindet sich jedoch in Österreich – dazu später mehr. Neben den Tugenden der Arbeitskräfte gibt es aber auch auf gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene Faktoren, bei denen Österreich gute Startvoraussetzungen bietet, um als Standort der Zukunft eine tragende Rolle zu spielen: „Wir leben in einem sehr demokratischen Staat. Wenn ich in die unmittelbaren Nachbarländer wie Polen oder Ungarn schaue, erleben wir dort eher bedenkliche politische Entwicklungen. Dem österreichischen Gesellschaftssystem gelingt eine gute Balance zwischen Freiheit und Solidarität. Außerdem ist Österreich ein neutrales Land und hat eine mittelständisch geprägte Wirtschaft. Die Wirtschaftskraft ist also nicht abhängig von wenigen großen Unternehmen“, sieht Zukunftsforscher Kühmayer eine gute Basis. Aber genau diese gute Basis ist es auch, in der große Gefahren lauern.

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