Ein Gebäude, das lebt

Während der Wirtschaftsstandort Österreich gerade angeregt diskutiert wurde, feiert das marktführende Elektrotechnik-Unternehmen Elin im Mai 2014 die Eröffnung der neuen Zentrale in Linz. Ein Bekenntnis also zum Standort. Und ein Aushängeschild der Elektrotechnik.

Doch wer durch die großzügigen und modern ausgestatteten 4.000 Quadratmeter geführt wird, der staunt nicht nur über zukunftsweisende Technikinstallationen, sondern vor allem auch über etwas, das man weder ein- noch ausschalten kann. Etwas, das einfach da ist und gelebt wird: Wertschätzung.

Emil-Rathenau-Straße 4. Oberstes Stockwerk. Ein riesiger lichtdurchfluteter Raum. Im Anschluss eine ebenso große Dachterrasse mit herrlichem Blick über Linz. Nein, wir befinden uns nicht im Vorstandsbüro des neuen Firmengebäudes von ELIN. Es ist die Buchhaltungsabteilung. „Dafür haben wir uns ganz bewusst entschieden“, erklärt Oskar Kern, einer der drei Geschäftsführer von ELIN. „Wir wollten uns zwischen die Mitarbeiter reinsetzen und nicht auf’s Dach, um von oben herabzuschauen. Und heute wissen wir, dass die Entscheidung richtig war. Damit setzt man ja auch ein wichtiges Zeichen“, pflichtet ihm CEO Herbert Wegleitner bei.

Neue Wände, alte Werte

Bereits Ende 2013 wurden die umfangreichen Bauarbeiten fertiggestellt und seither hat sich für die 350 Mitarbeiter am Standort Linz einiges verändert. „Wir haben selbst gemerkt, wie positiv sich das Zusammenrücken in einem schönen Gebäude auf die Stimmung auswirkt und wie sehr sich die Leute freuen, wenn sie die Sonne sehen und nicht mehr im Dunkeln sitzen“, erzählt Kern. Natürlich war die Umsiedelung für manche Mitarbeiter – einige von ihnen waren 35 Jahre am alten Standort – auch mit Angst behaftet. Unbegründet, wie sich schließlich herausstellt. „Die Rückmeldungen sind überaus positiv.“ Was wohl auch daran liegt, dass die Mitarbeiter selbst beim Gestalten des Hauses mitgewirkt haben. So sind zum Beispiel die Namen der Besprechungsräume (von „Johannes Kepler“ bis „Dachstein“) das Ergebnis einer Mitarbeiterumfrage. „Wir haben hier viele Kleinigkeiten, wo sich die Mitarbeiter wiederfinden. Schließlich ist das Haus nicht für das Unternehmen, sondern für die Mitarbeiter gebaut worden“, sagt Oskar Kern, während er mit uns durch das Stiegenhaus ins nächste Stockwerk geht.

Licht und Motivation an

Durch dieses Stiegenhaus sind übrigens auch schon einige neugierige Architekten spaziert. „Eine geniale Konstruktion“, sagt Kern. „Sieht mit der Beleuchtung nicht nur spektakulär aus, sondern löst auch ein technisches Problem.“ Das Stiegenhaus sei damit behindertengerecht und optimal mit Licht versorgt. Darf man sich denn von der Nummer Eins in der elektrotechnischen Gebäude- und Anlagentechnik noch mehr zukunftsweisende Installationen im eigenen Haus erwarten? Darf man. Zum Beispiel hat hier jeder Mitarbeiter seine ganz individuelle Beleuchtung. „Diese intelligenten Leuchten messen die Bewegung mit, beleuchten den einzelnen Arbeitsplatz je nach Wunsch und passen sich dem natürlichen Licht an. Das ist der neueste Stand der Technik“, erklärt COO Oskar Kern.

In dieser schnelllebigen Zeit gehe es aber nicht nur darum, ein neues Haus mit sämtlichen hochmodernen Technikinstallationen zu füllen. „Das Gebäude ist sehr flexibel gebaut – mit Ausbau- und Erweiterungsoptionen. Damit haben wir die Zukunft im Griff“, sagt Herbert Wegleitner. Nach dieser ersten Baustufe können also noch zwei weitere folgen. Wann, das sei aber noch nicht fixiert. „Wenn man in unserem Geschäft zu sehr in Richtung Volumen geht, dann gibt es viele Beispiele, die auf diesem Weg gescheitert sind“, so Wegleitner. Zukunftsweisend sei ein Haus nicht nur mit innovativer Technik, sondern auch, indem es den Mitarbeitern Wertschätzung entgegenbringt. ELIN könne sich zwar über eine extrem hohe Lehrlingsquote freuen und ebenso hohe Mitarbeitertreue, dem Fachkräftemangel müsse man aber dennoch ins Auge schauen. „Die Leute sind heute viel eher bereit, einen Job zu wechseln oder sich von der Firma zu trennen als früher. Und deshalb kommt es maßgeblich auch darauf an, seinen Mitarbeitern einen Arbeitsplatz zu bieten, an dem sie sich wohl und wertgeschätzt fühlen“, so Wegleitner.

Platz für Ideen

Eine Investition also, die sich lohnt – dem pflichtet auch CFO Gerhard Schreidl bei. Circa zehn Millionen Euro betragen die Kosten für Grundstück, Neubau und die gesamte Ausstattung. „Wir profitieren jetzt maximal, weil wir im Haus direkt in die Werkstatt zu den Montageleuten rüber gehen können. Diese direkte Kommunikation hilft uns sehr in den Abläufen“, sagt Oskar Kern. Es wäre einfach gewesen, einen Mietstandort für eine Bürofläche zu finden, ein Mietstandort mit passender angeschlossener gewerblicher Fläche sei hingegen Mangelware. „Das war auch ein wesentlicher Grund, warum wir uns schließlich für einen Neubau entschieden haben“, so Schreidl. Und zwar an einem Standort, der im Moment heftig diskutiert wird. „Oberösterreich spielt für ELIN seit langem eine besondere Rolle und ist heimatlicher Kernmarkt“, sagt Schreidl. Und das sind ganz offensichtlich keine leeren Worte, sondern Fakten: „Ein Großteil des Umsatzes wird in Oberösterreich erwirtschaftet – rund 90 Millionen. Auch das Auslandsgeschäft, derzeit vor allem in den Ländern Deutschland, Polen und Russland, wird über die Schaltzentrale in Linz koordiniert, gesteuert und verwaltet“, bestätigt Schreidl. Insgesamt 1.500 Mitarbeiter erwirtschafteten 2013 rund 220 Millionen Euro Umsatz.

Technik, die tatsächlich lebt

Den Erfolg des Unternehmens sieht CEO Herbert Wegleitner vor allem in der Kompetenz der Mitarbeiter begründet: „Im Vergleich verfügen wir über eine deutlich höhere Lösungskompetenz – ELIN Teams haben das Selbstverständnis, auch schwierigste Situationen zu meistern.“ Wobei das Talent der Mitarbeiter ganz offensichtlich nicht nur im Technik- Bereich zu finden ist. Besichtigt man das neue Gebäude, fällt der Blick immer wieder auf Bilder und Kunstobjekte. Von welchem Künstler? „Alle Bilder, die im Haus hängen, haben unsere Mitarbeiter selbst gestaltet“, antwortet Kern. Das Ergebnis ist nicht nur eine interessante Mischung aus Kunst und Technik. Sondern wieder ein Grund mehr, der aus dem Firmengebäude ein Zuhause macht.

"Oberösterreich ist für Elin heimatlicher Kernmarkt"

Gerhard Schreidl

#Ähnliche Artikel

Schliesst sich eine alte Tür, öffnet sich ein neues Fenster

Die alten Büros bis auf den letzten Stein abreissen. Das ist die erste Empfehlung der Architekten, die den Fensterhersteller Internorm bei der Planung der neuen Firmenzentrale beraten. Produkte für Sanierungen verkaufen, selbst aber alles neu bauen? DasUnternehmen zweifelt und entscheidet sich für eine andere Lösung: die beiden alten Gebäude sanieren und durch einen Neubau verbinden. Das Ergebnis ist beeindruckend. Mittlerweile lockt die alte neue Heimat von IFN und Internorm Architekten und Haustechniker aus halb Europa - und uns - nach Traun.

Freude am Fahren. Und Freude am Arbeiten.

Ein Produktionsbetrieb braucht nicht nur Konsumenten, die eine Leidenschaft für das Produkt haben. Sondern auch Mitarbeiter, die mit Leidenschaft eben dieses Produkt entwickeln und produzieren. BMW wirbt also nicht nur mit der Botschaft "Freude am Fahren", sondern auch damit, Menschen einen attraktiven Arbeitsplatz zu bieten. Wie sehr das gelingt, sehen wir uns direkt vor Ort an - ein Schulterblick im BMW Motorenwerk Steyr.

Vom Hotel zur hochmodernen Zentrale

"Wissen rechnet sich" - das ist der Leitspruch der Linzer WRS-Gruppe. Das Unternehmen gilt als Spezialist in den Bereichen Bautechnik, Energie- und Anlagentechnik, Gebäude- und Anlagenservice sowie Personalmanagement, vergangenes Jahr konnte man den Umsatz um 75 Prozent steigern. Symbol für den Erfolg ist die neuen Firmenzentrale in der Leonfeldner Strasse 322. Dort verwandelte man als Totalunternehmer ein ehemaliges Hotel aus den 70er-Jahren in nur neun Monaten Bauzeit in ein hochmodernes Bürogebäude.

Eine Symbiose aus Büro und Fertigungshalle

Jahrhundertelang träumten Alchemisten davon, unedle Metalle in Gold zu verwandeln. Auch Rubble Master kann das nicht. Dafür verwandelt das High-Tech- Unternehmen immerhin Schutt zu Geld - durch mobile Recycling-Maschinen für die Wiederverwendung von Baumaterialien. Die Zentrale des Weltmarktführers in Linz-Pichling ist eine einzigartige Kombination aus Produktionshalle und Bürogebäude. Kein Wunder: Eine Passion des Gründers Gerald Hanisch ist die Architektur.

Ein Haus voller Leidenschaft

"Das Gebäude ist das Gesicht der Firma", sagt Peter Augendopler, Eigentümer von Backaldrin. Wenn das so ist, dann hat die Backmittelfirma mit Hautpsitz in Asten ein sehr markantens Gesicht. Eines, das einem nicht so schnell wieder aus dem Kopf geht. Was nicht nur an der modernen Architektur liegt. Sondern vor allem auch daran, weil dieses Gesicht eine spannende Geschichte erzählt - jene von der großen Liebe zum Bäckerhandwerk.

Zu Besuch bei den Immobilienexperten

Seit zwei Jahren werden in der Hirschgasse 3 optimale Wohnräume für junge Familien gefunden. Und Geschäftsflächen für Unternehmer. Grünflächen für Häuslbauer. Bauprojekte für Investoren. Wir wagen einen Rundgang durch die Zentrale des Linzer Immobilienbüros Bau & Boden.

Es brennt in der Holzstraße 3

Wo 1999 alles in einem 25-Quadratmeter-Büro begann, arbeiten heute auf drei Etagen mehr als 60 Menschen an kreativen Strategien für Unternehmen in ganz Österreich. Ein Rundgang durch das Hauptquartier von Strobl)Kriegner in der Linzer Holzstraße.

Wo Stil zuhause ist

Den Luxus eines Fünf-Sterne-Hotels genießen und gleichzeitig den Charme einer kleinen, feinen Pension erleben. Klingt wie ein schwer realisierbarer Wunschtraum einer Marketingabteilung. Ist aber Realität in oberösterreichs (fast) einzigem Luxushotel dieser Klasse, dem Hotel Iris Porsche in Mondsee. Das Konzept für dieses malerische Urlaubsrefugium kommt jedoch nicht aus einer Unternehmensabteilung, sondern von Gastgeberin Iris Porsche selbst – ein neugieriger Blick über ihre Schulter.

Wo der Bürgermeister persönlich vorbeikommt

Standortentwicklung – dazu hat Paul Mahr einen ganz besonderen Zugang. Der [Bürgermeister von Marchtrenk](http://www.marchtrenk.gv.at/POLITIK/Buergermeister) kümmert sich nicht nur um das wirtschaftliche Vorankommen „seiner“ Stadt: Auch das Gemeinschaftsgefühl soll wachsen. Dazu fährt er an einem Wochenende schon mal 100 Kilometer mit dem Rad, um Bürgeranliegen zu erfüllen.

Wenn der Funke überspringt

Susanne Steckerl mit einem Wort zu beschreiben ist schwierig. Vielseitig trifft’s wahrscheinlich noch am ehesten, schmälert aber trotzdem das breite Spektrum, das die Geschäftsführerin der [Agentur für Standort und Wirtschaft](https://www.standort-leonding.at/) zu bieten hat. Nicht nur in dieser Rolle, sondern überhaupt. Wir trafen uns mit der gebürtigen Mühlviertlerin zum Gespräch.

Zielgruppe Senioren: Ein unterschätzter Milliardenmarkt?

Mit Blick auf das Gesundheits- und Pensionssystem wird die Generation 60+ oft als Kostentreiber für den öffentlichen Finanzhaushalt gesehen. „Diese Sicht zeigt aber ein sehr verzerrtes Bild der Senioren“, sagt Josef Pühringer, Landesobmann des [OÖ Seniorenbundes](https://ooesb.at/no_cache/startseite). „Denn die über 60-Jährigen sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Und der demografische Wandel hin zu einer alternden Gesellschaft ist eine große Chance für innovative Unternehmen.“

Hungrig auf echt!

Wie entdeckt man eigentlich ein Land? Am besten wohl mit allen Sinnen: Man riecht die Natur, sieht sich die Landschaft, die Gebäude, die Dörfer und Städte an. Man hört den Menschen zu, die dort leben. Schmeckt, was sie gerne essen. Und spürt (im besten Fall), dass das alles echt ist. Und nicht inszeniert. Gott sei Dank (oder passend zum Herbst: Ernte sei Dank) hat sich Oberösterreich genau das zum Motto gemacht: „Hungrig auf echt.“ Hungrig auf echten Genuss, auf echte Erlebnisse, auf echte Begegnungen. Wo man das alles am besten erleben kann? Bitteschön: eine Landkarte, eine Speisekarte, eine Schatzkarte (kann man nehmen, wie man möchte) für die Zeit der Ernte in Oberösterreich.

„Oberösterreich muss sich international positionieren“

Oberösterreich ist das Wirtschaftsbundesland Nummer eins in Österreich. Für Landeshauptmann Thomas Stelzer ist das noch lange kein Grund, sich auf Lorbeeren auszuruhen – stattdessen denkt er über die Landesgrenzen hinaus. Wir fragen ihn, wie es uns gelingen kann, auf dem internationalen Parkett mitzuhalten, welche Trends auf dem Weg dorthin entscheidend sein werden und wo wir schon heute vielversprechende Chancen ergreifen.

9 Bundesländer, 9 Inspirationsquellen

Ideen liegen selten am Schreibtisch rum. Meistens finden wir sie dann, wenn wir uns inspiriert fühlen. Von Menschen, von Gesprächen, von Momenten, die uns berühren und von Plätzen, die so etwas wie eine Inspirationsquelle sind. Wir haben sie gefunden: neun dieser Quellen, in jedem Bundesland eine.

Innovation aus Oberösterreich: Die digitale Gemeindezeitung

Bürgermeister. Fußballverein. Trachtenmusikkapelle. Pfarre. Täglich gibt es von örtlichen Institutionen und Vereinen Updates für die Leute in der Gemeinde. Als gedruckte Gemeindezeitung, auf verschiedenen Webseiten, auf amerikanischen Social-Media-Plattformen – verstreut und schwierig zu überblicken. Die Digitalisierung in den Regionen ist eine der aktuell größten und wichtigsten Herausforderungen. Newsadoo prescht mit einer digitalen Lösung für die Kommunikation und Information innerhalb der 438 oberösterreichischen Gemeinden vor – Restösterreich soll bald folgen.

Die Zukunft der Gemeinden …

… sehen Österreichs Bürgermeister sehr positiv. Es gibt große Zuversicht, zeigt eine von CommunalAudit | Ramsauer & Stürmer in Auftrag gegebene Studie der IMAS. Nach wie vor eine zentrale Herausforderung: die Digitalisierung.

Mur-Valley statt Silicon Valley

Jedes Jahr machen sich 4.000 Menschen in der Steiermark selbstständig – unterstützt werden sie dabei unter anderem von der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SFG). Das Bundesland verfügt über ein dicht ausgebautes Netz an Technologie-, Gründer- und Wirtschaftsparks und gilt als einer der Start-up-Hotspots des Landes.

„Das Virus ist der Schiedsrichter“

Mitten im zweiten Lockdown gibt sich [Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner](https://www.markus-achleitner.at/) trotz aller Umstände optimistisch. Mit Zuversicht will er das Land Oberösterreich durch die Krise manövrieren. Was es außerdem noch braucht, um gestärkt aus der Krise zu kommen, wie er dem Tourismus Mut macht und was er sich von der Technischen Universität in Oberösterreich erwartet, erfahren wir im Interview.