"Wir haben das Feuer weitergegeben"

Wie ticken die verschiedenen Generationen und Geschlechter in der Arbeitswelt? Die Suche nach einer Antwort führte unter anderem nach Schwanenstadt zu Familie Hütthaler. Diese verarbeitet seit mittlerweile 120 Jahren in vierter Generation Fleisch im gleichnamigen Betrieb. Wo sonst bei gutem Essen und einem Gläschen Wein neue Ideen gesponnen werden, treffen wir uns zu einem Gespräch mit der dritten Generation, Herbert und Claudia, sowie ihrem Sohn Florian und seiner Frau Dagmar über die magische Familienzahl und die notwendige Wertschätzung: bei ihnen zu Hause.

Im vergangenen Jahr hat sich bei der Firma Hütthaler einiges getan, es wurde das Tierwohl-Projekt gestartet, die vierte Generation übernahm den Betrieb.

HerbertDas Projekt war ein super Thema für die Übergabe, mit dem wir zeigen konnten, dass wir generationenübergreifend gleich denken – was ja theoretisch nicht so sein müsste.

FlorianIm Zuge des Aufbaus unserer Tierwohlschiene hat mein Bruder Philipp beschlossen, seinen eigenen Weg zu gehen und begann mit dem Aufbau vom Musterhof. Wir haben zuvor beide in der Firma gearbeitet und das sollte auch so bleiben. Mein Vater ist nach der Übergabe wieder als Geschäftsführer eingestiegen. Das ist normalerweise nicht üblich, aber bei uns war immer klar, dass wir als Familienbetrieb gemeinsam unsere Zukunft gestalten.

HerbertDas ist auch ein klares Zeichen: Ich muss meine Erfahrungen einbringen und aktiv mithelfen, unsere Firma erfolgreich zu erhalten. Wenn mein Sohn nicht mehr mit mir zufrieden ist, kann ich jederzeit abberufen werden. Ich möchte so lange wie möglich in der Firma mithelfen, denn eine aktive Beschäftigung im Alter ist für mich sehr wichtig.

FlorianEs gibt sicher kein Fixdatum, an dem ich sage, jetzt sollst du nicht mehr mitarbeiten – solange es geht, ist es gut.

ClaudiaFür uns als Eltern ist es perfekt, dass nun jeder unserer Söhne seine Aufgabe gefunden hat. Jeder hat seinen eigenen Betrieb und die beiden verbindet ein Projekt.

DagmarPhilipp hat mit seiner Lebensgefährtin Daniela auch die perfekte Partnerin an seiner Seite, die diesen Weg mit ihm geht.

Wie hat sich die Mitarbeit für Sie beide, Claudia und Dagmar Hütthaler, im Unternehmen ergeben?

DagmarIch habe nach der Matura in einem Büro gearbeitet und dann später die Pädagogische Hochschule absolviert. Nachdem ich Florian kennengelernt habe, unterrichtete ich noch einige Jahre lang als VS-Lehrerin, bevor ich wegen unserer beiden Kindern in Karenz ging. In dieser Zeit fand ich meinen Part in der Firma als Verantwortliche für sämtliches (Online-)Marketing, absolvierte die Ausbildung zum Digital Marketing und Communication Manager. Zuvor war der Bereich noch bei Florian angesiedelt, aber wir haben uns stärker darauf konzentriert und dann ging das nebenbei nicht mehr. Ich werde schon oft gefragt, ob mir die Schule nicht abgeht, aber sie fehlt mir eigentlich nicht. Ich war früher sehr gerne Lehrerin und jetzt mache ich das sehr gerne. Florian hat mich nie in die Firma gedrängt und immer gesagt, dass ich das machen soll, was ich gerne mache. Das schätze ich sehr an ihm.

ClaudiaMit der Heirat war für mich klar, zukünftig im Unternehmen meines Mannes mitzuarbeiten.

HerbertUnser lustiger Spruch war immer: von der Volksbank in die Fleischbank!

ClaudiaIch war damals gerade 21 Jahre alt, habe mit der Schwiegermutter meine Jugend im Geschäft verbracht. Das war nicht immer einfach, aber was ich will, kann ich auch.

FlorianDa war die Firma noch wesentlich kleiner und daher war es auch sehr wichtig, dass die ganze Familie zusammenhilft. Es gab noch keine Supermärkte, unser Geschäft hatte einen anderen Stellenwert.

HerbertMeine Frau vergisst immer, dass sie ein erfolgreiches Partyservice aufgebaut hat. Das war vor 30 Jahren noch völliges Neuland und für uns im Nachhinein betrachtet ein ganz wesentlicher Bereich, denn da haben wir uns viel mit neuen Gerichten beschäftigt und so unser breites Sortiment aufgebaut. Der Partyservice war auch der Grundstein dafür, dass wir mittlerweile in einem zweiten Unternehmen Fisch verarbeiten.

ClaudiaJetzt betreue ich unser Geschäft in Schwanenstadt sowie die Filiale in Burgstall in Vöcklabruck und kümmere mich um die Wohnungen von 120 Mitarbeitern, die bei uns wohnen.

DagmarClaudia ist die Gesamtmama von allen. Sie kümmert sich um alles, was so anfällt und da gibt es immer genug. Und dazu ist sie auch noch fleißige Oma von ihren drei Enkerln.

ClaudiaDas mache ich besonders gerne! Überhaupt ist es für mich sehr fein, nach zwei Söhnen mit deren Partnerinnen zwei Töchter bekommen zu haben.

FlorianUnd dazu kommt noch ein ,drittes Kind,, deine gleichzeitig schwerste Geburt: dein Kochbuch „Fleischverliebt“.

ClaudiaDas war das Einzige, das ich meinem Mann jahrelang abgeschlagen habe, aber als mein Sohn Florian gefragt hat, konnte ich nicht Nein sein. Es war wirklich sehr viel Arbeit.

Wie wichtig war es für Sie als Eltern, dass die nächste Generation einmal den Betrieb übernimmt und welche Vorbereitungen haben Sie diesbezüglich getroffen?

HerbertMein Vater wurde mit 18 Jahren in den Krieg einberufen als gerade mein Großvater verstorben war, so musste meine Oma den Betrieb durch den Krieg führen. Das zeigte meinem Vater, dass es sehr wichtig ist, frühzeitig an den Generationswechsel zu denken. Ich bin schon mit 27 Jahren in die Geschäftsführung eingestiegen und habe Anteile der Firma bekommen. Meine drei Brüder haben andere Berufswege eingeschlagen und damit war klar, dass ich den Betrieb übernehmen werde.

FlorianIch habe 2011 auch mit 27 Jahren die Geschäftsführung übernommen.

ClaudiaDas ist anscheinend eine magische Zahl in der Familie.

HerbertIch habe mir für die Übergabe nie Termine im Kalender eingetragen, aber wir haben das schon eher langfristig vorbereitet und es war mir wichtig, kein Sesselkleber zu sein. Eine frühe Übergabe hat bei uns schon Tradition und ich hoffe, das geht so weiter.

ClaudiaMan muss den jungen Leuten eine Chance geben, sich zu verwirklichen und ihre Ideen auszuleben, und darf nicht als Eltern starr sein und alles an sich reißen. Gleichzeitig darf man auch niemanden in ein Unternehmen hineindrängen. Das müssen schon die jungen Menschen selbst entscheiden, denn nur was man gerne macht, macht man auch gut.

FlorianUns wurde das auch völlig frei gelassen, ich habe mir meinen Weg über die HAK, die Ausbildung zum Metzger und die Meisterprüfung in Deutschland selbst ausgesucht.

HerbertWir haben das Feuer übergeben und arbeiten immer noch alle gut und erfolgreich zusammen.

ClaudiaDazu hat sicher auch beigetragen, dass wir nie etwas Negatives von der Firma mit nach Hause gebracht haben. Da gibt es so viele Familien, wo die Kinder dann später sagen: ‚Ihr schimpft immer und jetzt sollen wir die Firma übernehmen’.

DagmarNatürlich macht es Eltern eine Freude, wenn die nächste Generation den Betrieb übernimmt. Schauen wir mal, wie das mit unseren Kindern, die jetzt fünf und drei Jahre alt sind, einmal wird.

FlorianBis zu unserer magischen Zahl haben wir ja noch einige Jahre Zeit.

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