Von vollautomatischer Essenslieferung und fehlenden Fachkräften

Bei DS Automotion wird seit über 30 Jahren Industrie 4.0 par excellence gemacht. Die Dauerpräsenz des Themas bringt dem Anlagenbauer von fahrerlosen Transportsystemen zusätzlichen Aufschwung. Geschäftsführer Manfred Hummenberger und Arthur Kornmüller über Faktoren, die dabei bremsen und wie weit man bei der Entwicklung der künstlichen Intelligenz ist.

Beim Eintritt kommt uns Sally entgegen. Sie steuert direkt auf uns zu. Man ist anfangs ein wenig unsicher, will ausweichen – doch das ist nicht notwendig. Sally hat uns längst erkannt und ändert ihren Weg für unseren Rundgang in der Produktionshalle des Linzer Anlagenbauers DS Automotion. Bei Sally handelt es sich um deren neuestes Produkt, ein fahrerloses Transportsystem, das Lasten von bis zu 100 Kilo vollautomatisch transportiert. Solche Fahrzeuge sind etwa bereits bei einem Unternehmen, das Träger für elektronische Bauteile fertigt, im Einsatz oder transportieren in einem Krankenhaus in Dänemark Sterilgüter.

Die Ausstattung von Krankenhäusern hat sich zu einem Schwerpunkt des seit 1984 bestehenden Unternehmens entwickelt. Die vollautomatischen Fahrzeuge von DS Automotion transportieren in den größten Krankenhäusern der Welt Edelstahlcontainer mit Wäsche oder Essen. In der Klinik Köln werden drei Mal täglich 1.400 Essensportionen von der Küche zu den einzelnen Stationen gebracht. Die Krankenschwestern bringen die Mahlzeiten danach zu den einzelnen Patienten. Damit das Fahrzeug von der Küche zu den Stationen kommt, muss es sich einen Lift holen, in diesen hineinfahren und in den jeweiligen Stationen aussteigen. „Das zentrale Thema bei Industrie 4.0 ist, dass verschiedene Prozesse und Tätigkeiten verknüpft werden. In unserem Fall passiert das durch Fahrzeuge“, erklären die beiden Geschäftsführer, Manfred Hummenberger und Arthur Kornmüller, dass bei DS Automotion seit über 30 Jahren „Industrie 4.0 par excellence“ gemacht werde. Hummenberger und Kornmüller haben das Unternehmen im Jahr 2005 bei einem Management-Buy-out übernommen und von „TMS Automotion“ zu „DS Automotion“ unbenannt.

„Früher mussten wir die Leute überzeugen, dass die Automatisierung funktioniert – heute treiben uns die Kunden voran und fordern immer mehr.“

Manfred HummenbergerGeschäftsführer, DS Automotion

Fachkräftemangel als Fluch – und Segen

Neben dem Schwerpunkt bei der Ausstattung von medizinischen Einrichtungen beliefert das Unternehmen überwiegend die Automobilindustrie, die Transportsysteme sind im Bereich Agriculture bei vielen Montagelinien für Traktoren im Einsatz und werden in der Intralogistics zum Transportieren von Paletten, Gitterboxen oder Kleinteile-Behältern im Inneren eingesetzt. Die Geschäftstätigkeit hat sich über die Jahre ausgeweitet. „Wir waren anfangs nur in der Automobilindustrie tätig – diese und die medizinischen Einrichtungen werden auch zukünftig ganz wichtige Kunden bleiben“, so Hummenberger. Grund dafür sei auch der bevorstehende Produktionsumbruch, ergänzt Kornmüller: „Die Automobilindustrie braucht mit den verschiedensten Antriebsarten eine hohe Flexibilität im Produktionsprozess und dafür ein flexibles, fahrerloses Transportsystem.“ Mit Sally hat der Anlagenbauer seine Produktpalette für den Transport von kleineren Lasten erweitert. Die zuvor entwickelten Transportsysteme waren nur für Lasten von einigen hundert Kilo bis Tonnen geeignet. Im kleinen Lastbereich sieht man für die Zukunft großes Potential. Dazu Hummenberger: „Die Firmen automatisieren immer mehr so, dass einzelne Teile an die richtigen Stellen in der Produktionskette gebracht werden.“ Als zweiten Bereich mit viel Potential für DS Automotion nennt Hummenberger die Ausstattung von Transportsystemen mit einem gewissen Handling: „Das geht dann in Richtung mobile Robotik, indem man etwa einen Roboterarm auf ein Fahrzeug draufsetzt.“

Die Technologie werde ständig weiterentwickelt. In der jüngsten Vergangenheit gab es große Fortschritte in der Energieversorgung, wo man aktuell Lithiumbatterien verwendet, und in der Navigation der Fahrzeuge. Jetzt werden standardmäßig Systeme, die sich zum Teil frei anhand der Umgebung orientieren können, verwendet. „Letztendlich laufen alle Entwicklungen in Richtung künstliche Intelligenz“, so Kornmüller. In diesem Bereich stehe man aktuell noch relativ am Anfang, die Weiterentwicklung gehe aber immer schneller. Alle zwei Jahre verdoppeln sich die technischen Fähigkeiten. Das spürt man auch bei DS Automotion: „Früher mussten wir die Leute überzeugen, dass die Automatisierung funktioniert – heute treiben uns die Kunden voran und fordern immer mehr.“ Eine natürliche Begrenzung dabei ist die Ressource Mensch: „Wir könnten noch viel mehr machen, es gibt aber nicht genug technisch-qualifizierte Mitarbeiter. Der viel zitierte Fachkräftemangel betrifft uns enorm.“ Gleichzeitig sei der Arbeitskräftemangel aber auch gut für das Geschäft von DS Automotion: Firmen sind gezwungen zu automatisieren, weil sie nicht mehr genug Arbeitskräfte finden, und verwenden dafür die Transportsysteme von DS Automotion.

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