Vom Gasthof zum Kino-Imperium

Es ist eine Geschichte, die beinahe aus der Feder eines Hollywood-Drehbuchautors stammen könnte. Die beiden Brüder Hans-Peter und Klaus Obermayr verbringen fast jede freie Stunde ihrer Jugend in einem kleinen Kino, das an den Gasthof ihrer Eltern im beschaulichen Peuerbach angeschlossen ist. Vor der flackernden Leinwand beginnnen sie, von einem eigenen, grossen Kino zu träumen. Als die Zeit reif ist, setzen sie für diesen Traum alles auf eine Karte.

Anfang der 90er-Jahre. Es ist eine schwierige Zeit für kleine Kinos. Seit den goldenen Zeiten in den 50er- und 60er- Jahren ist wenig passiert. Die Technik ist veraltet, die Leinwände sind zu klein, das Sofa daheim bietet mehr Komfort als die Sesseln in den Sälen. Durch den Videoboom bleiben die Besucher aus, viele Anbieter geben auf. Doch die Obermayr-Brüder wollen nicht aufgeben: Zu sehr ist ihnen das 1918 gegründete Landkino mit seinen knapp 10.000 Besuchern jährlich, ans Herz gewachsen. „Wir waren sehr jung und von der Magie des Kinos mit seinen Bildern auf der großen Leinwand fasziniert“, erinnert sich Hans-Peter. Die Eltern lassen die beiden als Jugendliche in dem von der Schließung bedrohten Betrieb vieles ausprobieren. „Dieses Vertrauen hat sicher viel zur Leidenschaft beigetragen“, sagt der ältere der beiden Brüder. Sie entschließen sich, massiv in ein neuartiges Konzept zu investieren. Die beiden wollen sich endlich ihren Traum erfüllen: ein großes Kino betreiben. Doch die Entscheidung ist nicht nur durch Gefühle und Leidenschaft beeinflusst. Während sich Hans-Peter mit mehrjähriger Agenturkarriere in Wien und Oberöster- reich zum Marketingprofi entwickelt, arbeitet Klaus in der Zwischenzeit an neuen Gastronomiekonzepten. Die beiden fühlen sich gerüstet für das Geschäft – und bringen die Marke „Star Movie“ auf den Markt. Das Konzept: Premium Kinos mit modernster Technik, verbunden mit bestem Service und ansprechendem Design. Sie sanieren den historischen Gebäudeteil und eröffnen im Haus eine Bar und ein Restaurant. Die Kinosäle werden von zwei auf vier erweitert. Das ehemals kleine Landkino in Peuerbach heißt ab jetzt Star Movie Peuerbach.

Als die beiden sehen, dass ihr Konzept funktioniert, eröffnen sie einen neuen Standort in Regau. Für den Neubau finden sie einen Partner für die Finanzierung und setzen alles auf eine Karte. Die Eltern sind gewohnt, im Berufsleben anders zu agieren. "Gerade unser Vater hat sich durch seine konservative Einstellung sehr viel im Leben schaffen können." Es kommt zu Spannungen in der Familie. "Die haben sich aber wieder gelegt, als unsere Eltern gesehen haben, dass unser neues Projekt funktioniert", sagt Hans-Peter Obermayr. Die weiteren Expansionen erlebt ihr Vater nicht mehr mit: Er stirbt wenige Monate nach der Eröffnung in Regau.

Um ihren Traum zu verwirklichen, arbeiten die Brüder in den ersten Jahren meist sechs bis sieben Tage pro Woche, selten weniger als 16 Stunden pro Tag. "Wenn man etwas wirklich gut machen will, braucht man Leidenschaft. Noch dazu bei den Arbeitszeiten in der Branche, wir arbeiten, wenn die anderen frei haben", sagtHans-Peter. Die arbeitsintensive Expansion zur Kinogruppe verlangt den beiden einiges ab, schweißt sie aber auch weiter zusammen.

5000 Kino-Plätze für Gäste

Der Einsatz lohnt sich: 2012 verkauft die Star Movie-Kette erstmals mehr als eine Million Tickets pro Jahr. Aus dem alten Landkino wurden sechs Star-Movie-Filmerlebniswelten. Neben Peuerbach, Regau-Vöcklabruck, Ried-Tumeltsham, Liezen und Steyr gibt es seit kurzem auch in Wels ein Starmovie. Der Weg dahin war beschwerlich. Nach einigen Jahren stehen die beiden vor der nächsten großen Investition: Das digitale Kino. Wieder geben einige Kinobetreiber auf. Das Star Movie digitalisiert schließlich als erste Kinokette in Oberösterreich alle seine Standorte. Mittlerweile gibt es insgesamt 33 digitale Kinosäle mit 5.000 Plätzen für Kinofans.

Mit Technik und Komfort zum Erfolg

Als in den späten 1980er-Jahren das Satelliten-Fernsehen aufkam, prophezeite den Kinos kaum jemand eine rosige Zukunft. Dasselbe Szenario wiederholtes ich mit der Erfindung der DVD. Trotzdem üben die großen Säle, die riesigen Leinwände und die Stimmung immer noch eine große Anziehungskraft aus. "Auch heute sind unsere größten Mitbewerber nicht etwa die anderen Kino-Ketten, sondern das Home-Entertainment", sagt Ulrich Hölbling von Star Movie. Es scheint aber unmöglich, dass es in absehbarer Zeit möglich ist, Filme sowohl sozial als auch technisch ähnlich intensiv zu erleben wie im modernen Kino. Die Erfolgsstory der beiden Obermayr-Brüder dürfte also noch einige Kapitel schreiben.

Das neue Star-Movie in Wels

Die Highlights in der „modernsten Filmerlebniswelt Österreichs“ sind sechs Premiumkinosäle mit höchstem Komfort, ausgestattet mit 900 Luxuskinostühlen und moderner Bild- und Tontechnik. Der Kinosaal 1 im Welser Star Movie verfügt als einziges Art in Oberösterreich über das Dolby Atmos Sound-System. Die Technologie schafft eine Brücke zwischen 3D-Sehen und 3D-Hören, an der Decke sind zahlreiche Lautsprecher installiert, die passend zu den Aktionen im Film aktiviert werden. Jede Reihe ist „fußfrei“: Der Reihenabstand der Sitze ist der größte in ganz Oberösterreich.

"Wenn man etwas wirklich gut machen will, braucht man Leidenschaft"

Hans-Peter Obermayr

Neben dem Kino zieht auch die Spitzengastronomie von Betreiber Thomas Altendorfer mit 900 Quadratmetern in das Star Movie Wels ein. Das Gebäude befindet sich direkt neben dem SCW und max.center, ist durch die Autobahnabfahrt Wels-West oder mit der Buslinie 4 erreichbar. Täglich werden ab Oktober 200 Filme pro Jahr mit bis zu 20 Vorstellungen pro Tag gespielt. In das Projekt wurden etwa sechs Millionen Euro investiert.

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