Grün, grüner, Gösser

Die Bier-Welt schaut nach Leoben: Dort entwickelt sich die Brauerei Göss Schritt für Schritt in einen CO2-neutralen Betrieb. Das ist nicht nur eine Frage der technischen Möglichkeiten, sondern auch des Bewusstseins der Mitarbeiter. Ein Besuch in der weltweit ersten grünen Großbrauerei.

Andreas Werner steht am Dach des höchsten Gebäudes der Brauerei Göss, blickt über sein kleines Reich. Der Braumeister kennt das Gelände, die Hallen und Häuser in- und auswendig und weiß sogar, wann die einzelnen Schlote zugebaut wurden oder wo gerade Turmfalken nisten. Der Wind trägt einen intensiven, leicht süßlichen Malz-Geruch zu den Besuchern, Werner deutet auf eine kleine Wiese, auf der früher Mitarbeiter Fußball spielten. „Dort kommt die Biertrebervergärungsanlage hin, mit der in Zukunft durch Energie aus den Reststoffen der Brauerei fossiles Erdgas ersetzt wird“, erzählt er stolz.

Diesen Beruf gemeinsam mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit ausüben zu dürfen, ist schon das Salz in der Suppe für mich.“

Andreas WernerBraumeister Brauerei Göss

Diese Biertrebervergärungsanlage soll im Herbst fertigstellt sein, sie stellt einen besonderen Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens dar. Das finale Ziel der Brau Union Österreich ist es, die Brauerei in einen gänzlich CO2- neutralen Betrieb zu verwandeln. „Dieses Ziel werden wir nun mit der Biertrebervergärungsanlage erreichen“, sagt Werner. Bereits jetzt wird 90 Prozent der Abwärme, die während des Brauprozesses entsteht, dafür genutzt, um Wasser aufzuheizen. Ein Teil des Wärmebedarfs wird aus der Abwärme des benachbarten Holzverarbeitungsbetriebs Mayr-Melnhof abgedeckt. Die 1.500 Quadratmeter große Solaranlage produziert umweltfreundlichen Strom. Dieser Nachhaltigkeitsprozess läuft schon seit 2004, als erste Energiesparprogramme eingeführt wurden. „Das würde anders auch gar nicht funktionieren, durch die Politik der kleinen Schritte lernen die Mitarbeiter nach und nach, was es bedeutet, nachhaltig zu produzieren“, sagt Werner. Es brauche Zeit, ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schaffen. Von jedem Mitarbeiter wird erwartet, dass er möglichst sparsam mit der Energie umgeht und so ein Teil der nachhaltigen Produktion wird.

Nachhaltigkeit bedeutet nicht Verzicht

Durch das weltweit einzigartige Vorhaben steht die Brauerei Göss in der Auslage. Nicht nur der Mutterkonzern Heineken in Amsterdam beobachtet die Entwicklung ganz genau. „Wir bekommen ständig Anfragen aus aller Welt“, sagt Werner. Kein Druck, sondern zusätzliche Motivation für ihn. „Ich freue mich, wenn das Interesse für unsere Arbeit so hoch ist.“

Was bedeutet die Nachhaltigkeit für den Braumeister selbst? „In einer Großbrauerei ist der Energiebedarf hoch – daher sind wir gefordert, Energie schlau zu verwenden.“ Nachhaltigkeit heiße nicht, zu verzichten, weniger zu heizen und zu frieren oder in der Finsternis zu sitzen, sondern zu überlegen, wann man wie am effektivsten heizt oder Licht aufdreht – und welche Quellen man nutze. Genau dieser Punkt wird auch in Zukunft für die Brauerei Göss eine große Herausforderung sein.

Mit dem Rad ins Büro

„Wir greifen auf eine Fülle von Energiequellen zurück, die wir nicht alle gleichzeitig einsetzen müssen“, sagt Werner, „deswegen gilt es, ein Energiemanagement aufzustellen, durch das die richtige Energie am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt verbraucht wird.“ Und das Unternehmen will noch weiter denken. Bereits jetzt werden die Gabelstapler mit Erdgas betrieben, es ist geplant, für den Vertrieb gasbetriebene LKW anzuschaffen. Die Grenzen für den nachhaltigen Energieverbrauch liegen nicht rund um das Firmengelände.

Bevor Andreas Werner das Dach verlässt und in den Lastenaufzug steigt, um wieder zurück in sein Büro zu spazieren, zeigt er auf einen Hügel einige Kilometer entfernt. „Nach drei Jahren als Braumeister habe ich beschlossen, sesshaft zu werden, und habe mir etwas ganz in der Nähe gesucht“, erzählt er. Täglich radelt oder spaziert er zum Arbeitsplatz. Ganz in Gedanken der Nachhaltigkeit eben. „Ich bin mit Leib und Seele Braumeister, und ich muss sagen: Diesen Beruf gemeinsam mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit ausüben zu dürfen, ist schon das Salz in der Suppe für mich.“

Geschichte der Brauerei Göss

1000: Gräfin Adula stiftet ein Kloster, in dem die Nonnen das erste Bier brauen

1860: Der Bierbrauer Max Kober gründet auf Basis der damaligen Stiftsbrauerei die heutige Gösser-Brauerei

1977: Die Brauerei Göss kommt unter das Dach der Steirerbrau AG

1998: Die Steirerbrau AG wird durch die Fusion mit der Österreichischen Brau AG zur Brau Union Österreich AG

2015: Die Brauerei Göss wird CO2-neutral

#Ähnliche Artikel

Wie man den Daten- und Geheimnisschutz elegant meistert

Auf der Welle der steigenden Datenflut zu surfen ist eine Kunst. Oder doch nur eine Frage der Vorbereitung? Für Ronald Kopecky steht jedenfalls fest: „Datenschutz ist kein reines IT-Thema.“ Mit seinem Unternehmen [Komdat](https://www.komdat.at/) setzt er sich daher für ganzheitliche Lösungen ein, die den Umgang mit Daten nicht nur sicherer machen, sondern auch interne Prozesse effizienter gestalten.

Lust auf die Zukunft?!

Oder haben wir doch Respekt vor zu viel Veränderung? Eine Frage, die wir uns im digitalen Wandel regelmäßig stellen (müssen). Sei es im Kleinen, etwa bei der täglichen Entscheidung, ob wir im Homeoffice bleiben oder doch ins Büro fahren. Oder im Großen, wenn es darum geht, die Weichen für unsere Zukunft zu stellen. Für den wirtschaftlichen Standort, für Österreich als wohlhabendes Land und nicht zuletzt für uns als Gesellschaft. Die digitale Transformation ist wie eine Reise in die Zukunft, die bereits voll im Gange ist. An uns liegt lediglich, daran auch teilzunehmen. Also: Bitten Sie Alexa, die Musik leiser zu stellen, und setzen Sie die „VR-Lesebrillen“ auf.

„Wir verstehen die Digitalisierung breiter …"

… und deshalb haben wir in Oberösterreich die Chance, Großes zu schaffen“, sagt Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer. Die neue Technische Universität in Linz soll zu diesem Schaffen einiges beitragen. Wie man Studierende anlocken möchte und international Aufmerksamkeit erregen will, erzählt er uns im – passenderweise – virtuellen Interview.

Wie ein „digitaler Bodyguard“ Hackern den Kampf ansagt

Auswandern. Einfach raus. Am besten in eine kleine, beschauliche Blockhütte irgendwo am Rande dieser Welt. Ohne Strom und ganz gewiss ohne Smartphone, Computer, Tablet und andere „digitale Risikofaktoren“. Achtung! Dieses Verlangen kann ein Gespräch mit Jürgen Weiss durchaus auslösen. Gemeinsam mit seinem Team sagt der sonst so sympathische Oberösterreicher Hackerangriffen und anderen Schattenseiten der Digitalisierung den Kampf an.

Digitale Sicherheit: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Die Sonnenseiten der Digitalisierung? Liegen auf der Hand. Doch wo Licht ist, rechnet man besser auch mit Schatten. Die „dunkle Seite“ der Digitalisierung lauert dabei längst nicht mehr nur im Darknet. Probleme beim Datenschutz, Hackerangriffe sowie Cryptocrime und andere Gefahren tauchen in alltäglichen digitalen Gewässern immer häufiger auf. Gemeinsam mit den positiven Seiten des Wandels wachsen auch sie. Sie verändern sich. Werden raffinierter und bedrohlicher.

Wo geht‘s hier in die Zukunft, bitte?

Wenn alle Wege nach Rom führen, führen dann auch alle Wege in die Zukunft? „Sie führen vielmehr in die Gegenwart, denn so sehr wir auch in Richtung Zukunft gehen, wir kommen immer wieder in der Gegenwart an“, sagt Zukunftsforscherin Christiane Varga. Und erklärt, wie wir den Wandel in eben dieser Gegenwart begrüßen können.

Mittelstand am Sprung zur Künstlichen Intelligenz

Zwei visionäre Praktiker sind davon überzeugt, dass die österreichischen Betriebe zum Großteil im Zeitalter der Digitalisierung angekommen sind. Im nächsten Schritt gehe es um die Optimierung der digitalen Strukturen durch Künstliche Intelligenz, sind sich der Softwareentwickler und der Maschinenbauer einig.

Die Industrie im Wandel

Explodierende Energiekosten, Lieferengpässe und der Fachkräftemangel sind mittlerweile Alltag in Krisenzeiten. Mittendrin: die Industrie. Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich, spricht mit uns über die Zukunft seiner Branche und die Digitalisierung als großen Hoffnungsträger.

Wie sieht Beratung in Zukunft aus?

War gefühlt noch gestern von der Arbeitswelt 4.0 die Rede, befinden wir uns heute dank der digitalen Transformation bereits auf dem nächsten Level. Die Arbeitswelt 5.0 ist noch smarter, vernetzter und erweist sich spätestens seit der Coronakrise als notwendiger Schritt in die Zukunft. Auf dem Weg dorthin leisten Nikolaus Schmidt und sein Consultingunternehmen Klaiton Unterstützung.

Wie leicht geht Digitalisierung?

Mit ihren simplen und smarten Lösungen bietet die in Graz ansässige Marke [Digital2Go](https://digital-2-go.com/) Digitalisierungsschritte für KMU. Im Portfolio finden sich Produkte, die auch Unternehmen wie Zalando und L’Oréal ihren Prozessen täglich unterstützen. Das Motto dabei: „Weil Digitalisierung auch einfach geht.“ Oliver Lehner, Vice President BU Partner & Products, spricht im Interview über entscheidende Skills im digitalen Zeitalter, spannende Innovationen und den Mehrwert smarter Lösungen.

Brücken statt Mauern

„Willkommen in der Zukunft!“, sagt Andreas Fill, als wir gemeinsam den Fill Future Tube betreten. Was wie eine moderne Version der Kommandobrücke des Raumschiffs Enterprise wirkt, ist der neue Verbindungstunnel in seinem Unternehmen. Von Picard bis Spock sind alle dabei: Wir waren dort, wo Produktionshallen und Kräne nach Star-Trek-Commandern benannt werden – und das mitten in Oberösterreich. Ein Blick hinter die Kulissen. Und in die Zukunft.

Die Lichtmacher

Es begann Ende der 70er Jahre in einer Kellerwerkstätte am Rande von Peuerbach. Felix Aspöck hatte sich vorgenommen, die Beleuchtung von Fahrzeugen zu revolutionieren. Der Rest ist Geschichte. Wie es einem Tüftler gelungen ist, aus einer Vision einen Weltkonzern aufzubauen, der heute Autos, Lastwagen, Motorräder und Anhänger in ganz Europa zum Leuchten bringt.

Revolution am Energiemarkt

Mit Gridpulse eine nachhaltige Sensorentechnik zur Marktreife zu bringen, so lautete das Ziel und die Aufgabe von BDO Austria und der Knill Gruppe. Wie es ihnen gelungen ist? Durch eine Partnerschaft auf Augenhöhe, den Mut, nahe am Markt zu arbeiten, und nicht zuletzt Dank eines ebenso kompetenten wie neugierigen Teams.

„Die digitale Zukunft wird vor allem intelligent“

Einfach nur Digitalisierung war gestern. Am Software Competence Center Hagenberg zählt die Arbeit am nächsten Level der digitalen Transformation zu den täglichen Aufgaben. CEO Markus Manz und Lukas Fischer, Research Manager Data Science, nehmen uns mit auf eine Reise in die digitale Zukunft Österreichs.

Was muss man in der Digitalisierung können?

Die Welt wird intelligenter, fortschrittlicher und vor allem digitaler. Von der Hyperautomation über Cloudlösungen und Big Data bis hin zur Künstlichen Intelligenz: Die Liste der transformativen Gewalt der Digitalisierung ist lang. Dabei ist der Megatrend Ursache und zugleich Symptom des ständigen Wandels. Beschleunigt durch die großen Krisen unserer Zeit und irgendwo zwischen Fluch und Segen.

Durchblick im Kryptodschungel

Da beim Geld bekanntlich die Freundschaft aufhört, empfiehlt es sich oftmals, Außenstehende zu konsultieren. Doch an wen wendet man sich beim Thema Kryptowährungen? Partner Oliver Völkel und Rechtsanwältin Leyla Farahmandnia von STADLER VÖLKEL Rechtsanwälte erklären, worauf bei Bitcoin und Co. zu achten ist.

PR

Ein Sudkessel, zwei Generationen

Als „jung und noch jünger“ bezeichnen sich Josef Wasner und Felix Schiffner von der Vorarlberger Brauerei Fohrenburg. Die beiden sympathischen Braumeister befinden sich zurzeit inmitten eines Generationenwechsels – im Sommer 2022 übernimmt Schiffner das Ruder, während sich sein Vorgänger bereits auf den wohlverdienten Ruhestand freut. Ein Gespräch mit zwei Generationen, die seit jeher ihr Handwerk lieben.