Weshalb es sich lohnt, in Zukunftstalente zu investieren …

… lebt Fronius International seit jeher vor. Fachkräftemangel? Leider dennoch. Aber das oberösterreichische Familienunternehmen bleibt weiter aktiv und beschäftigt so viele Lehrlinge wie nie zuvor und konnte trotz Coronakrise beständig weiterwachsen. Wie das geht und welche Rolle der Zusammenhalt in einer so großen „Familie“ spielt, verraten Andreas Edlinger, Bereichsleitung HR-Generalisten und Bettina Huemer, Leiterin der Lehrlingsausbildung im Interview.

Über 6.200 Mitarbeiter weltweit, davon mehr als 4.100 im Heimatland Österreich, beschäftigt das traditionelle Familienunternehmen Fronius derzeit. Allein am Standort Sattledt bei Wels arbeiten rund 1.800 Nachwuchs- und Fachkräfte. Wie man es schafft, eine derart große Familie sicher durch die Krise zu führen? Mit Zusammenhalt. „Während den ersten Coronaphasen hat man ganz klar gemerkt, wie Führungskräfte und Mitarbeiter noch näher zusammengerückt sind und wie sehr alle gemeinsam hinter dem Unternehmen stehen“, beschreibt Edlinger das vergangene Jahr. Ziel sei es stets gewesen, so lange wie möglich zu produzieren, um sowohl in Österreich als auch international Arbeitsplätze zu sichern. „Diesen Spirit trägt unsere Unternehmenskultur generell, die trotz unserer Größe eine sehr familiäre ist. Das liegt sicher auch daran, dass wir viele Mitarbeiter haben, die schon lange Zeit bei Fronius sind.“

Wie lange genau? Dafür ist Edlinger selbst das beste Beispiel: 1994 hat er seine Lehre als Elektromechaniker bei Fronius begonnen, im Laufe der Zeit ist er zunehmend in den HR-Bereich hineingewachsen – heute leitet er einen großen Bereich davon. Intern ausgeschriebene Karrieremöglichkeiten sind dabei keine Seltenheit. „Viele, die bei uns eine Lehre beginnen, steigen über verschiedenste Wege innerhalb des Unternehmens auf. In einigen Fällen sogar bis in Führungspositionen“, so Edlinger. Kein Wunder also, dass Fronius seine Lehrlinge von Beginn an als „Future Talents“ bezeichnet.

Zukunftstalente im Fokus

Allein zum diesjährigen Lehrstart konnte der oberösterreichische Betrieb 51 Lehrlinge für sich gewinnen. Somit erreicht man mit 160 beschäftigten Lehrlingen 2021 einen neuen Höchststand. Und das in 16 vielfältigen Lehrberufen – von der Elektronik und Elektrotechnik über kaufmännische Berufsbilder bis hin zur Mechatronik und Metalltechnik. „Es ist für alle etwas dabei. Jedem jungen Menschen liegt etwas anderes mehr. Daher gibt es keinen Bildungsweg, der per se falsch ist, wenn man talentiert ist“, erklärt Huemer die offene Willkommenskultur. Während anderswo der Fachkräftemangel akuter denn je ist, trägt die Tradition dieses Denkens bei Fronius Früchte. „Schon kurz nach der Gründung haben wir begonnen, junge Menschen intensiv auszubilden. Über Jahrzehnte hinweg hat sich so eine Kultur entwickelt, die unseren Nachwuchskräften Türen öffnet“, so Huemer. Für sie ist klar, dass mit dem Ende der Lehrzeit die gemeinsame Zusammenarbeit nicht ausläuft. Im Gegenteil. Weiterbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen sind hier gang und gäbe. Für die Fachkräfte von morgen besonders interessant: Auch im Bereich der Lehre erwies sich Fronius als krisensicher. „Neue Mitarbeiter haben wir mit kreativen Lösungen eingelernt. Unsere Schulungsleiter haben mithilfe einer GoPro ihre Arbeitsschritte aufgezeichnet oder live zur Schau gestellt, sodass unsere Lehrlinge in sicherem Abstand via Tablets eingeschult werden konnten“, beschreibt Edlinger eine der zahlreichen innovativen Sicherheitsmaßnahmen.

 

Heute schon an morgen denken

„Was uns auszeichnet, ist unser ganzheitliches Konzept“, so Edlinger. Für ihn ist es das Rüstzeug für die Zukunft. Diese will man bei Fronius attraktiv und nachhaltig mitgestalten. Originelle, kreative und technologische Lösungen bilden hierfür das Fundament. „Unsere Produktvielfalt, Innovationskraft und der stetige Nachhaltigkeitsgedanke spiegeln den Puls der Zeit wider und sind das Herz von Fronius. Das spüren unsere Kunden und insbesondere junge Menschen“, erklärt Edlinger. Umso wichtiger sei es, engagierte Menschen mit Herz, Hirn und Hausverstand auszubilden, pflichtet ihm Huemer bei. „Genau wie das Unternehmen selbst sollen unsere Fachkräfte aus eigener Kraft über sich selbst hinauswachsen können.“

Oh, und übrigens: Welche Lehre unsere Interviewpartner wohl beginnen würden, wenn sie selbst nochmal bei null anfangen müssten? „Damals war es der Beruf des Elektromechanikers für Schwachstrom. Für diesen würde ich mich wieder entscheiden, weil ich die Beherrschung von Energie und von Strom auch heute noch spannend finde“, meint Edlinger. Wenn seine Kollegin noch einmal von vorne beginnen müsste, würde sie gewiss in die technische Richtung gehen. „In meiner Generation waren Mädels in der Technik Außenseiter. Deshalb finde ich es super, dass junge Damen heute diese Möglichkeit haben.“ Und geradeweil sie es jeden Tag aufs Neue live miterlebt, ist sie sich sicher: Heutzutage hätte auch sie den Mut, diese Entscheidung zu treffen._

Trotz unserer Größe leben wir aktiv eine sehr familiäre Unternehmenskultur.

Andreas Edlinger Bereichsleitung HR Generalisten, Fronius International

Wir bilden engagierte Menschen mit Herz, Hirn und Hausverstand aus.

Bettina Huemer Leiterin der Lehrlingsausbildung, Fronius International

#Ähnliche Artikel

Lehre im Gep(b)äck

Ein Löffel voll Kreativität, ein Schuss Liebe zu Lebensmitteln mit einer Prise für technisches Verständnis, und schon ist die Zutatenliste für eine Bäcker- und Konditorlehre fertig. Wir haben uns bei Backaldrin in Asten umgesehen und dort einen Einblick in den Bäckeralltag erhalten.

„Der letzte seiner Art“

Europäische Schirmhersteller haben längst geschlossen oder sind nach Asien abgewandert – bis auf einen. In der Doppler-Manufaktur in Ranshofen werden seit 1946 Regenschirme gefertigt und repariert. Jeder einzelne davon ist ein Unikat und entsteht in 70 Arbeitsschritten. Wie das funktioniert, haben wir uns einen Arbeitstag lang angesehen.

Gedanken.Sprung mit Felix Schober

Wer bei ihm zuhause putzt, wie Putzfrauen gesellschaftliche Missstände zu Tage fördern und wofür er gerne viel Geld ausgibt, das hat uns Felix Schober, Geschäftsführer des Reinigungs- und Grünlandpflegeunternehmens Schober, in einem persönlichen Interview verraten.

„Macht das nicht!“

Familienunternehmen sind das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft. Es wird aber nicht einfacher für sie. Warum und wie man sich gegen die zunehmenden Herausforderungen stemmt, berichten vier Mitglieder und ein Experte für Familienunternehmen. Eine Gesprächsrunde mit Berater Christian Fuchs, Bauunternehmer Karl Hasenöhrl, Elisabeth Forstenlechner vom gleichnamigen Perger Installationsbetrieb, Clemens Malina-Altzinger von den Reform-Werken Wels sowie Gunther Herbsthofer vom gleichnamigen Linzer Installationsbetrieb.

Und es geht doch anders.

Billiger geht immer. Unter diesem Motto produzieren viele Textilfirmen und wandern seit Jahren weiter ab – nach China und Indonesien geht es nun weiter Richtung Afrika. Dass es auch anders geht, beweist der Innviertler Sportmodehersteller Löffler seit über 40 Jahren. Wie, das erzählt Geschäftsführer Otto Leodolter bei einem Besuch am Firmensitz und Produktionsstandort in Ried im Innkreis.

Die richtige Würze

F. Peter Mitterbauer lenkt als Vorstandsvorsitzender die Geschicke der weltweit tätigen Technologie-Gruppe Miba mit Sitz in Laakirchen. Katrin Zorn ist für den Aufbau eines neuen Technologiekompetenzzentrums für die Gleitlager- und Beschichtungsaktivitäten der Miba verantwortlich. In der Küche des Einrichtungshauses BAM.wohnen in Vorchdorf erfahren wir von den zwei Machern am Herd, was die richtige Würze für das Industrieunternehmen ist und wobei man sich schon mal die Finger verbrennen kann.

"Wir haben das Feuer weitergegeben"

Wie ticken die verschiedenen Generationen und Geschlechter in der Arbeitswelt? Die Suche nach einer Antwort führte unter anderem nach Schwanenstadt zu Familie Hütthaler. Diese verarbeitet seit mittlerweile 120 Jahren in vierter Generation Fleisch im gleichnamigen Betrieb. Wo sonst bei gutem Essen und einem Gläschen Wein neue Ideen gesponnen werden, treffen wir uns zu einem Gespräch mit der dritten Generation, Herbert und Claudia, sowie ihrem Sohn Florian und seiner Frau Dagmar über die magische Familienzahl und die notwendige Wertschätzung: bei ihnen zu Hause.

"Früher war es am Arbeitsplatz todernst"

Über fünf Millionen Ergebnisse spuckt Google beim Suchbegriff „Führung im Wandel der Zeit“ aus. Wir wollen es von erfahrenen Führungskräften aus der Praxis wissen und haben unterschiedliche Generationen und Geschlechter an einen Tisch geladen: Die 62-jährige Unternehmerin Christine Hödlmayr-Gammer, den 59-jährigen Trodat-Trotec-CEO Norbert Schrüfer, die 27-jährige Sabrina Aistleitner, Global Brand Ambassador bei Sonnentor, sowie den 36-jährigen eMagnetix-Geschäftsführer Klaus Hochreiter.

"Wir schaffen nicht mehr als drei Prozent Wirtschaftswachstum"

Sie sind wertmäßig Marktführer bei Holz/Alu-Fenster und Nummer Zwei auf dem Gesamtfenstermarkt. Josko Fenster und Türen mit Standorten in Kopfing und Andorf hat die zwei besten Jahre seiner Unternehmensgeschichte hinter sich. Doch der starke konjunkturelle Rückenwind birgt auch seine Tücken. CEO Johann Scheuringer junior in vier Statements darüber, wie er den Fachkräftemangel sieht, welche Bedeutung Employer Branding für Josko hat und warum man überrascht war, im Trend-Ranking zu den Top-Arbeitgebern Österreichs zu zählen.

"Verkaufen kam nicht in Frage"

Vor rund zweieinhalb Jahren hat Georgia Rohrhofer-Meinhart, die Nichte von Firmengründer Walter Meinhart, die Geschäfte beim österreichischen Marktführer für Kabeln und Leitungen, Meinhart Kabel aus St. Florian, übernommen. Gemeinsam erzählen Onkel und Nichte, warum man immer in Oberösterreich geblieben ist, wie man als studierte Romanistin und Journalistin Geschäftsführerin in der Kabelbranche wird und wie die Übergabe ablief.

„Unser USP sind unsere Unternehmenswerte“

Die Umfahrungsstraße Zwettl, der Austria Campus in Wien oder das G3 Shopping-Resort in Gerasdorf: Es sind nur drei der zahlreichen Projekte, die das Traditionsbauunternehmen Leyrer + Graf mit Sitz im niederösterreichischen Gmünd in den vergangenen Jahren realisierte. Was die vielseitige Unternehmensgruppe mit familiären Werten ausmacht, wie herausfordernd die Baubranche wirklich ist und warum die Lehrlingsausbildung eine Herzensangelegenheit ist? Ein Einblick in eine bewegte Firmengeschichte, die vor über 90 Jahren ihren Anfang nahm.

Die Suche nach dem Unternehmens-Ich

Ein österreichischer Kinderbuchklassiker aus dem Jahr 1972, bei dem ein kleines, nicht näher bestimmbares buntes Tier – das kleine Ich-bin-Ich – auf der Suche nach seiner Identität ist, kann stellvertretend für die Suche nach dem Kern der Unternehmensidentität herhalten, dem Employer Branding. Ein Prozess, dem sich auch Unternehmen zusehends unterziehen müssen, um potenzielle Arbeitnehmer anzusprechen.

Zusammen-Schweißen

1945 gründete Günter Fronius in einer Garage im oberösterreichischen Pettenbach ein kleines Unternehmen. Aus der Reparaturwerkstätte für Elektrogeräte wurde der weltweit tätige Technologiekonzern, der Batterieladegeräte, Solarelektronik und Schweißgeräte herstellt. Schweißtechnik-Spartenleiter Harald Scherleitner über die aktuellen Veränderungen durch Industrie 4.0 und was im Familienunternehmen selbst zusammenschweißen soll.

Arbeiten? Ja, klar. Aber anders!

Schon mal etwas von atmenden Lebensläufen gehört? Oder darüber nachgedacht, warum wir uns immer mehr Selbstbestimmung in unserem Job wünschen? Das und vieles mehr erklären zwei Sozialforscher:innen.

Ist der Kunde (noch) König? Eine Frage des Mindsets!

Bei der Kundenorientierung herrscht in österreichischen Betrieben noch viel Luft nach oben. Schwarz auf weiß belegt das eine neue Studie des IMAS International. Dabei verfolgen doch viele Unternehmen den Leitgedanken, ihre Kund:innen in den Mittelpunkt zu stellen? Zumindest offiziell. Nicht ohne Grund sagt man seit jeher: „Der Kunde ist König!“ – aber stimmt das (noch)?

Die Lichtmacher

Es begann Ende der 70er Jahre in einer Kellerwerkstätte am Rande von Peuerbach. Felix Aspöck hatte sich vorgenommen, die Beleuchtung von Fahrzeugen zu revolutionieren. Der Rest ist Geschichte. Wie es einem Tüftler gelungen ist, aus einer Vision einen Weltkonzern aufzubauen, der heute Autos, Lastwagen, Motorräder und Anhänger in ganz Europa zum Leuchten bringt.

Brücken statt Mauern

„Willkommen in der Zukunft!“, sagt Andreas Fill, als wir gemeinsam den Fill Future Tube betreten. Was wie eine moderne Version der Kommandobrücke des Raumschiffs Enterprise wirkt, ist der neue Verbindungstunnel in seinem Unternehmen. Von Picard bis Spock sind alle dabei: Wir waren dort, wo Produktionshallen und Kräne nach Star-Trek-Commandern benannt werden – und das mitten in Oberösterreich. Ein Blick hinter die Kulissen. Und in die Zukunft.