So sensibel wie eine Operation am offenen Herzen

Mit seiner ERP-Software unterstützt Ramsauer & Stürmer Unternehmen bei der Optimierung der Geschäftsprozesse und der Steuerung der Organisation. Das vor mehr als 35 Jahren gegründete Unternehmen zählt mittlerweile zu den führenden Anbietern in Österreich – Grund dafür ist der stetige Ausbau des eigenen Produkts bei gleichzeitigem Fokus auf die Nachhaltigkeit. Mit dem neuen Eigentümer Aptean will man weitere Marktanteile gewinnen.

Markus Neumayr vergleicht den Austausch eines Enterprise-Resource-Planning(ERP)-Systemsin einem Unternehmen gerne mit einer Operation am offenen Herzen. „ERP-Systeme sind die Steuerungsarchitektur für Unternehmen, wenn ich sie austausche, muss die gesamte Organisation mitgedreht und Personen in neue Prozesse eingearbeitet werden“, erklärt der Geschäftsführer des Unternehmens Ramsauer & Stürmer, das seinen Firmenhauptsitz im Bundesland Salzburg hat.

So ein Austausch könne nicht einfach von heute auf morgen stattfinden – genauso wie für ein großes Frachtschiff eine spontane 180-Grad-Drehung mit einem völlig neuen Kurs unmöglich sei. Angesichts dieses Hintergrunds ist auch die Strategie verständlich, die Ramsauer & Stürmer bei der Entwicklung neuer Produkte verwendet und die das Unternehmen so erfolgreich gemacht hat: „Wir surfen nicht auf jeder Technologiewelle, sondern durchleuchten genau, welche Innovationen wir für unsere betriebswirtschaftliche Architektur langlebig integrieren können“, erklärt Neumayr. „ERP-Systeme werden eben nicht alle zwei Jahre ausgetauscht, darum brauchen wir einen hohen Grad an Nachhaltigkeit.“ Und: Bei jedem neuen größeren Update sei es wichtig, alle Kunden mitnehmen zu können.

„Wir gehen nach einem Stufenplan vor, durch Erweiterungen wird das alte System Schritt für Schritt ausgebaut“, sagt der Geschäftsführer. Etwa 10 Millionen Zeilen Sourcecode umfasst eine ERP-Software – hier das Rad alle paar Monate neu zu erfinden, sei unmöglich. Auch Windows erfindet keine neuen Betriebssysteme, sondern erweitert alte Schritt für Schritt. Neumayr: „Wir haben seit 1991 Kunden, die wir von Release zu Release mitgenommen haben.“ Durch den intensiven Kontakt und den direkten Marktumsetzungsprozess mit vielen Kunden würde es schon früh gelingen zu erkennen, welche Digitalisierungstrends langfristig für das ERP-System wichtig werden – und welche vernachlässigt werden können.

Erfolg durch Standardsoftware statt Auftragsarbeit

Durch diese Herangehensweise ist es Ramsauer & Stürmer gelungen, sich in den 90er Jahren gegen damals viel größere Softwarehäuser durchzusetzen, die nicht auf diesen Transferprozess gesetzt hatten. Das Unternehmen wurde 1984 von Helmut Ramsauer mit dem Ziel gegründet, betriebswirtschaftliche Systeme für mittelständische Unternehmen zu entwickeln. In der Anfangsphase wurden den Kunden nach Analyseprozessen nur die notwendigen Werkzeuge in Form von Konzepten dafür mitgegeben, später entschied man sich, die Softwareprodukte selbst und mit eigenem Personal umzusetzen. Mit einem großen Unterschied zu heute: „Wir haben für unterschiedliche Datenbanken unterschiedliche Programme und Technologien entwickelt“, erinnert sich Neumayr. Doch dann kommt das Unternehmen zu einem Wendepunkt. „Wir haben beschlossen, dass wir nicht zum xten Mal unterschiedliche Tools für die Auftragserfassung programmieren wollen, sondern haben begonnen, eine Standardsoftware zu schreiben“, sagt der Geschäftsführer. 1995 kommt mit rs1 die erste Version auf den Markt, zwei Jahre später wird der Nachfolger mit dem Markennamen rs2 präsentiert, der bis heute Bestand hat. Integriert sind umfassende Module für die Bereiche Rechnungswesen, Warenwirtschaft, Produktion, Workflows und Customer Relationship Management.

Zu wenig IT-Personal in Europa

Neumayr entwickelte diese Programme federführend mit, 1999 stieg er in die Geschäftsführung auf und bekam erste Gesellschaftsanteile. Seit 2019 ist er alleiniger Geschäftsführer von Ramsauer & Stürmer – damals setzte sich Gründer Helmut Ramsauer zur Ruhe und übertrug ihm auch seine Firmenanteile. Seit 2021 ist das Softwareunternehmen Aptean neuer Eigentümer. „Der Grund für unsere Zusammenarbeit ist, dass IT-getriebene Unternehmen in Zukunft sehr stark von Rechenzentrumsbetrieben und Cloudarchitektur abhängig sein werden“, sagt Neumayr. Die dafür nötigen IT-Kapazitäten und Personalinfrastuktur gebe es in Österreich und Europa schlichtweg nicht mehr. Derzeit arbeiten 150 Mitarbeiter für Ramsauer & Stürmer, 25 neue würden gebraucht, um alle nötigen Ressourcen abzudecken. „Durch den Fachkräftemangel ist es aber momentan unmöglich, alle Stellen abzudecken“, sagt Neumayr.

Weltweites Entwicklernetzwerk durch neuen Eigentümer

Aptean könne ein weltweites Entwicklernetzwerk zur Verfügung stellen, das bei der Umsetzung der Entwicklungsschritte helfen kann. Neumayr: „Sie haben selbst kein globales ERP-Produkt, sondern unterstützten als Tech-Investoren andere Unternehmen, ihre lokalen Produkte als technologische Nummer eins zu positionieren.“ Derzeit ist Ramsauer & Stürmer nach eigenen Angaben der drittstärkste ERP-Anbieter in Österreich – durch den neuen Partner will man noch stärker werden._

Wir durchleuchten genau, welche Innovationen wir für unsere betriebswirtschaftliche Architektur langlebig integrieren können.

Markus Neumayr Geschäftsführer, Ramsauer & Stürmer

#Ähnliche Artikel

„Gerade jetzt wollen wir den Innovationsgeist fördern“

Gleich zwei Wettbewerbe will Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer dieses Jahr bestreiten. Erstens möchte er besser und schneller durch die Krise kommen als andere. Zweitens steht im Herbst die Landtagswahl an. Wir fragen ihn, ob der Termin dafür nun gut oder schlecht ist, wie er die Digitalisierung vorantreiben möchte und welche Rolle Kreativität in seiner Kindheit gespielt hat (und warum die beim Bewältigen von Krisenzeiten nicht unwesentlich ist).

PR

ICH MACH DIR DEN CHEFREDAKTEUR !

Hey, ich bin’s. Newsabot. Ich arbeite vor allem im Hintergrund, aber ich denke ich bin trotzdem der wichtigste Mitarbeiter im Newsadoo-Team. Immerhin, ohne mich läuft hier gar nichts, und ich arbeite rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Sehen kannst du mich selten. Manchmal spreche ich dich kurz an, wenn du [Newsadoo](https://newsadoo.com/de) verwendest, geb dir einen Tipp oder helfe dir bei Einstellungen. Die Ergebnisse meiner Arbeit siehst du aber permanent. Personalisierte, digitale News sind mein Ding. Deins auch?

Ehrlich ist nicht entbehrlich

„Unsere Branche kann viel zum Umweltschutz beitragen, aber die Themen sind eben nicht immer so sexy wie Elektromobilität oder Photovoltaik“, kritisiert Josko-Geschäftsführer Johann Scheuringer. „Die Diskussion über Nachhaltigkeit wird viel zu oft von scheinheiligen Marketingmaßnahmen getrieben und blendet dabei realitätsbezogene Ehrlichkeit aus.“ Beim Besuch am Firmenstandort in Andorf hat der Firmenchef und Fensterspezialist einiges zu dem Thema zu sagen.

5G-Roboter unterstützt im Seniorenzentrum

Seit Juni hat das Seniorenzentrum Spallerhof in Linz einen neuen Mitarbeiter. Was daran besonders sein soll? Er ist nicht menschlich: „Dieser Gesundheitsroboter ist die erste Echt-Anwendung von 5G in Österreich“, verkündet Erich Haider, Generaldirektor der [Linz AG](https://www.linzag.at/). Dass ausgerechnet Senioren zum „First Mover“ bei der 5G-Technologie werden, haben wohl die wenigsten erwartet.

Wenn es läuft, dann läuft es

Stark angefangen, stark weitergemacht – so lassen sich die vergangenen drei Jahre von Franz Tretter zusammenfassen. Sein Start-up Hello Again geht seit der Gründung 2017 durch die Decke – dank einem Produkt, das den Nerv der Zeit getroffen hat, guter Vernetzung und einem soliden Team.

Newsadoo investiert in internationales KI-Forschungsprojekt

Rund eine Million Euro stellt das Linzer Medien-Start-up Newsadoo neben dem Tagesgeschäft auf, um die Technologieführerschaft in der automatisierten Analyse und im Matching von Nachrichtenartikeln zu festigen. Am Forschungsprojekt sind neben dem NewsadooEntwicklerteam auch die KI-Experten vom SCCH (Software Competence Center Hagenberg) und RISC beteiligt. Gemeinsam soll das Projekt „TIDE“ (Gezeit) den Newsadoo-Algorithmus „zur innovativsten Newsplattform der Welt“ machen.

Willkommen am virtuellen Parkett

Corona samt Begleiterscheinungen hat den digitalen Wandel massiv vorangetrieben und viele zum Nachrüsten, Umdenken und Handeln bewegt. Von digital naiv zum Digital Native. Noch ist nichts verloren, um auf den digitalen Bühnen zu glänzen. Die Experten Karin Schmid (SEO), Daniel Friesenecker (Social Media und Onlinemarketing), Wolfgang Lehner (Smartphonefilm und -fotografie) und Iris Zeppezauer (Rhetorik) wissen, was es braucht, um einen gekonnten digitalen Auftritt hinzulegen.

PR

Digitale Vernetzung

Künstliche Intelligenz, Industrie 4.0, Digitalisierung, Internet der Dinge, Data Science – diese Begriffe prägen derzeit unseren beruflichen und privaten Alltag. Die Montanuniversität Leoben forciert in diesen Bereichen ihre Forschungsaktivitäten.

Weg mit dem Magazinrundlauf

Wer kennt ihn nicht, den Stapel an Fachzeitschriften und Zeitungen am Schreibtisch? Die nächsten am Rundlaufzettel machen schon Druck. Nur die Zeit fehlt. Dann ganz schnell durchblättern. Vielleicht besser gleich weitergeben. Aber was, wenn so ein wichtiger Fachartikel übersehen wird, oder News von einem großen Kunden? Lässt sich wohl nicht vermeiden. Oder ...? Was, wenn alle Artikel digital wären?

„Wir stemmen das gemeinsam“

Das Familienunternehmen Herbsthofer blickt auf eine 150 Jahre lange Firmengeschichte zurück. Diese handelt von beständigen Werten, großartigen Projekten und tollen Möglichkeiten für Mitarbeiter. Das Kapitel Fachkräftemangel wollen die Brüder Herbsthofer nun neu schreiben.

Mario Kart im Anzug

In der Linzer Holzstraße hat der Entwickler und Produzent von Antriebssystemen BRP-Rotax die erste interaktive E-Kart-Strecke der Welt eröffnet. Rennsport verbindet sich mit Gamification zu einem neuen Unterhaltungskonzept. In der Halle befindet sich ein Seminarraum, nach oder vor den Meetings können Teilnehmer sich direkt auf der Rennstrecke messen.

Intranet? War gestern!

Noch nie war Kommunikation so komplex und schnell wie heute. Viele Unternehmen haben längst erkannt, dass ein wertschätzender Umgang innerhalb des Betriebes mit allen Stakeholdern wesentlich zum Unternehmenserfolg beiträgt. Andreas Fill und Michaela Keim, Geschäftsführer von Core Smartwork, und Konrad Breit, Change Consultant und Geschäftsführer von More than Checks, über den Erfolgsfaktor interne Kommunikation.

Künstliche Intelligenz als Friedensprojekt?

Roboter übernehmen die Weltherrschaft. Künstliche Intelligenz treibt sie zu Höchstleistungen. Sie lernen und lernen und lernen – bis sie uns Menschen irgendwann unterwerfen. Wir verlieren die Kontrolle. Die Maschinen erlangen die Oberhand. Das Chaos ist perfekt. So oder zumindest so ähnlich behandelt Hollywood das Thema Künstliche Intelligenz. Aber wie sieht das eigentlich ein IT-Spezialist?

Mensch, hilf mir doch mal!

Künstliche Intelligenz ist auch in der Forschung ein heißes Thema. Gerade in Sachen breiter Akzeptanz gibt es noch viel Luft nach oben. Dabei geht es vor allem um ethische Grundsätze – und das fehlende Vertrauen in ihre Einhaltung. Das Projekt AI@Work hat es sich zum Ziel gesetzt, Sicherheitsstandards für die Mensch-Maschine-Interaktion voranzutreiben. Bernhard Moser, Initiator und Koordinator des Projekts, über Teamfähigkeit von Maschinen, Angst vor der menschlichen Bedeutungslosigkeit und Medienkritik.

Mut kann man nicht kaufen

Was haben eine Sportlermum, ein ehemaliger Ausbildungskommandant und ein OnlinegameInteressierter gemeinsam? Viel Mut, denn diese drei Unternehmer haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen und haben sich in das Abenteuer Start-up gestürzt.

Der Blick über den Tellerrand

Digitalisierung als Chance statt Bedrohung: Warum die Wirtschaftskammer Oberösterreich Betriebe an die Hand nimmt und der Breitbandausbau so wichtig für die Wirtschaft ist, erklären Spartengeschäftsführer Heinrich Mayr und Spartenobmann Michael Pecherstorfer im Interview.

„Für uns war klar, dass wir in Linz bleiben“

Berlin, Tel Aviv, das Silicon Valley – einige Städte oder Regionen haben auf Start-ups eine besonders starke Anziehungskraft. Für den Erfolg mit digitalen Produkten ist ein Abwandern aber nicht notwendig, sind sich erfolgreiche heimische Gründer einig. Auch Linz bietet alles, was nötig ist. Auch wenn man als österreichisches IT-Start-up anfangs schon mal belächelt wird – nicht im Ausland, sondern in der Heimat.