Ich geh dann mal … Daten spenden?

Wie sieht die medizinische Versorgung von morgen aus? Ein kleiner Tipp: Sie wird präziser. Personalisierter. Technologie- und datengetriebener. Ambulanter. Und präventiver. Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe, erklärt drei große Trends im Gesundheitswesen.

#Trend 1 Spezialisierung_

„Wir haben unsere Krankenhäuser in den letzten Jahren massiv spezialisiert“, sagt Heinisch. Krankenhäuser brauchen Organzentren oder medizinische Schwerpunkte mit hoher Expertise und apparativer Ausstattung, um an den ausgebauten Spitalsstandorten die höchstmögliche Versorgungsqualität gewährleisten zu können. In Oberösterreich befinden sich an drei Standorten Gesundheits- und Sozialeinrichtungen der Vinzenz Gruppe, darunter das Ordensklinikum Linz, das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Ried im Innkreis und die HerzReha Bad Ischl. „In Linz haben wir unter anderem den Schwerpunkt Onkologie am Standort der Barmherzigen Schwestern. Bei den Elisabethinen wurde unter anderem der Schwerpunkt Niere, Blase und Prostata verankert. Im Ordensklinikum Linz und im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried profitieren onkologische Patienten enorm von der Vernetzung der Experten beider Häuser“, so Heinisch. Medizinische Spezialisierung bedeute auch, dass Mindestfallzahlen eine wichtige Rolle spielen und nur jene Ärzte mit viel Erfahrung komplexe Eingriffe und Operationen durchführen dürfen.

#Trend 2 Gesundheitsparks_

„Ein Krankenhaus muss in ein Ökosystem eingebettet werden: in ein Netzwerk aus niedergelassenen Fachärzten, Allgemeinmedizinern, Therapeuten mit ambulanten Rehabilitations- und Pflegeangeboten und weiteren gesundheitsorientierten Dienstleistern“, sagt Heinisch. Die Vinzenz Gruppe errichtet daher um ihre Krankenhausstandorte „Gesundheitsparks“ mit dem Ziel, die Lücke zwischen der stationären und der ambulanten Versorgung zu schließen. Der Gesundheitspark am Standort Linz gelte als Leuchtturmprojekt. Zahlreiche Gesundheitsexperten und rund 40 niedergelassene Ärzte bieten im Rahmen des Gesundheitsparks Ordensklinikum Linz ihre Leistungen an. „Auf einer Gesamtfläche von 8.200 Quadratmetern treffen insgesamt 48 verschiedene Gesundheitsberufe aufeinander. Es geht im Gesundheitswesen der Zukunft nicht nur mehr darum, gesund zu werden, sondern um Prävention, Ernährung, Bewegung und Weiterbildung. Es geht um Gesundheitskompetenz“, so Heinisch.

#Trend 3 Digitalisierung des Gesundheitswesens_

Wie in allen Branchen gilt die Coronakrise auch im Gesundheitsbereich als digitaler Beschleuniger. „Wir haben die „Ambulanz online“ in unseren Häusern eingeführt, wo unsere Experten per Videochat zu den Patienten nach Hause kommen können. Das ist für geschwächte Menschen oder Patienten mit Vorerkrankungen eine Erleichterung“, erklärt Heinisch. Weitere digitale Behandlungsmöglichkeiten werden in der Vinzenz Gruppe in Form von virtuellen psychotherapeutischen Sitzungen, Ernährungsschulungen oder telemedizinischen Versorgungen für Patienten mit Hautproblemen angeboten. Am Ordensklinikum Linz werden für onkologische Patienten und ihre Angehörigen Livewebinare abgehalten. Wohin aber führen die nächsten digitalen Schritte? „Durch digitale Check-ins, digitale Symptomchecks, Sensoren und ‚Wearables‘ bis hin zum persönlichen ‚medical Profile‘ und noch vieles mehr werden Patienten künftig noch autonomer und können präziser behandelt werden“, so Heinisch. Welche Chancen und Risiken sieht Heinisch in der Digitalisierung von Gesundheitsdaten? „Was uns beschäftigen wird, sind die Millionen von Patientendaten, die zusammenfließen und mit denen man sorgsam umgehen muss. Statt Blut zu spenden, wird man in Zukunft Daten spenden können, weil diese Daten hochrelevant für die Forschung sind und ganz neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten entstehen lassen.“_

Über die Vinzenz Gruppe

Die Vinzenz Gruppe ist einer der größten privaten Träger von gemeinnützigen Gesundheitseinrichtungen in Österreich. Sie umfasst sieben Krankenhäuser, mehrere Pflegeeinrichtungen sowie stationäre und ambulante Rehabilitationszentren. Gemeinsam mit ihren rund 8.500 Mitarbeitenden machte die Vinzenz Gruppe 2020 einen Umsatz von 855 Millionen Euro. Ihr Versorgungsanteil lag in Wien bei 17 Prozent und in Oberösterreich bei 23 Prozent.

Gesundheitsdaten sind hochrelevant für die Forschung und ermöglichen neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten.

Michael Heinisch Geschäftsführer, Vinzenz Gruppe

# Gedanken

von Michael Heinisch

Mein Morgenritual, um in den Tag zu starten_ sind meine Wirbelsäulenübungen seit meinem Bandscheibenvorfall.

Am meisten liebe ich an meinem Beruf_ die Arbeit mit Menschen und die Unternehmenswerte, die durch die Zusammenarbeit mit den Ordensschwestern unsere Arbeit prägen.

Schlechte Laune vertreibe ich mit_ meinem Lieblingssport, dem Laufen.

Energie und Kraft tanke ich durch_ meine Familie, Laufen, meine Freunde, Musik und durch das gemeinsame Genießen von gutem Essen.

Wäre ich nicht Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe, wäre ich_ strategischer Unternehmensberater.

Schwierige Aufgaben löse ich_ indem ich mir andere Meinungen einhole und nicht ad hoc emotional entscheide.

Das sind meine persönlichen Learnings aus der Coronakrise_ Dass wir in unserer Gesellschaft aufeinander achten müssen, um diese gesund zu halten. Corona hat uns gezeigt, wie wichtig Zusammenhalt und Solidarität für eine Gesellschaft sind und dass Egoismus kein Erfolgsrezept für ein funktionierendes Miteinander ist.

Besonders beeindruckt hat mich_ wie unendlich flexibel unsere Mitarbeiter in den intensiven Phasen der Coronakrise waren. Ich möchte diese Flexibilitätskompetenz auch in Zukunft fördern.

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