Newsadoo investiert in internationales KI-Forschungsprojekt

Rund eine Million Euro stellt das Linzer Medien-Start-up Newsadoo neben dem Tagesgeschäft auf, um die Technologieführerschaft in der automatisierten Analyse und im Matching von Nachrichtenartikeln zu festigen. Am Forschungsprojekt sind neben dem NewsadooEntwicklerteam auch die KI-Experten vom SCCH (Software Competence Center Hagenberg) und RISC beteiligt. Gemeinsam soll das Projekt „TIDE“ (Gezeit) den Newsadoo-Algorithmus „zur innovativsten Newsplattform der Welt“ machen.

Im Open Innovation Center (OIC) des LIT an der Johannes Kepler Universität (JKU) brüten die Mathematiker und Data Scientists vor mit Zahlen und Funktionen vollgeschriebenen Wänden. Den Projektlead hat Nora Engleitner von Newsadoo. Die Doktorin der Mathematik und langjährige Forscherin an der JKU hat sich bei Newsadoo auf den Bereich „Natural Language Processing“ fokussiert und verantwortet alles, was bei Newsadoo unter dem Sammelbegriff „Künstliche Intelligenz“ entwickelt wird. Es wird viel diskutiert – anscheinend geht es um Knowledgegraphen und Artikelvektoren. Ich darf zuhören, muss mich aber ruhig verhalten. Wahrscheinlich in dieser Situation auch das Beste. Endlich ist eine Pause.

„Wir sind in unserem Forschungsbereich in Europa ganz vorne dabei, aber trotzdem hat man immer wieder das Gefühl, man stehe noch am Beginn. Es liegt so viel Potential im Detail und in der Perfektion. Wir werden mit dem internationalen Forscherteam, das wir nun aufgestellt haben, vom Standort Linz aus erstaunliche Fortschritte erzielen – da bin ich sicher.“ Nora Engleitner kann ihre Begeisterung für das, was sie soeben ausführlich diskutiert hat, kaum verbergen. Der Projekttitel TIDE steht für Transparent, Intelligent, Divers, European News-Recommendation Algorithm. Das Software Competence Center Hagenberg hat genauso wie das RISC einen hervorragenden internationalen Ruf als Forschungszentrum im Bereich Data Science. Um gemeinsam mit Newsadoo dieses Projekt im Wettbewerb mit Google News, Microsoft News oder Apple News stemmen zu können und den amerikanischen Konzernen eine europäische Lösung entgegenzusetzen, bündeln die beiden Forschungszentren im Bereich Natural Language Processing ihre Kompetenzen und bauen einen eigenen Forschungsschwerpunkt auf. Mit Cloudflight arbeitet außerdem einer der international renommiertesten Softwaredienstleister am Projekt mit. An mittlerweile 17 Standorten weltweit arbeiten mehr als 400 Entwickler – gegründet wurde Cloudflight (vormals Catalysts) in Linz vom EY Entrepreneur of the Year 2019 Christoph Steindl, der auch an Newsadoo beteiligt ist.

Spotify für News

Was ist die Faszination am Thema Nachrichten, dass sich führende Forscher nun so intensiv damit auseinandersetzen? Newsadoo-Gründer David Böhm glaubt den Grund zu kennen: „Dass amerikanische Social-Media Plattformen in manchen Bevölkerungsgruppen die wichtigste Nachrichtenquelle der heutigen Zeit sind, ist alarmierend. Immer mehr Zeitungsverlage müssen schrumpfen oder stellen langjährig erfolgreiche Titel ein. In einer Demokratie brauchen wir eine Medienvielfalt, wir brauchen ein funktionierendes, digitales Geschäftsmodell für die Verlage, die Reichweiten, Aufmerksamkeitszeiten der Leser und die Monetarisierung dazu. Zusammengefasst braucht Europa einen digitalen Service für das Verfolgen von Nachrichten, der besser ist als jener der amerikanischen Konzerne. Wir nennen es gerne auch ein Spotify für News.“ Was heute noch immer hochgegriffen scheint, war vor drei Jahren scheinbar unmöglich. Trotzdem hat sich Newsadoo durchgekämpft und ist mittlerweile in Europa als führendes Medien-Start-up etabliert. Die Berliner Tageszeitung TAZ hat über Newsadoo berichtet, dass es „international als das nächste große Ding gehandelt wird“. Jetzt folgen die nächsten Wachstumsschritte. „Wir sind ein Technologieunternehmen, und wir lösen im Sinn der europäischen Verlage das Problem, das Verlage alleine nicht lösen können.“

Die Finanzierung des Start-ups sei schrittweise erfolgt, die Gründer selbst haben bereits eine siebenstellige Summe in Newsadoo investiert, potente Investoren wie die Raiffeisen Innovation Invest sind jetzt aktive Wachstumstreiber. „Ganz wichtig bei einem Technologieprojekt sind auch die öffentlichen Förderungen, sonst sind ambitionierte Projekte in Österreich nur schwer umsetzbar. Die FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) hat uns bereits in den Anfängen bei einem Projekt unterstützt, nun bei TIDE ermöglicht sie wiederum durch einen Zuschuss, dass wir das Projekt gemeinsam mit den Forschungseinrichtungen SCCH und RISC so eng angebunden an die Universität in dieser Dimension umsetzen können.“

START-UP HOTSPOT OBERÖSTERREICH

Für den Standort Oberösterreich sind solche Projekte, die sowohl einen Impact in der Forschung, aber auch langfristig Arbeitsplätze schaffen, sehr wichtig. Die Biz-up (Business Upper Austria) begleitet als Standortagentur innovative Unternehmen proaktiv bei Förderprojekten. „Ohne die Unterstützung von Roland Nöbauer, der als Fördermanager den gesamten Prozess begleitet hat hätten wir uns bei der Einreichung und dem Reviewprozess noch deutlich schwerer getan. Oberösterreich ist hier beeindruckend organisiert und hilft damit den ansässigen Betrieben aktiv, sich weiterentwickeln und wachsen zu können.“

Die Pause ist vorbei. Das Gespräch dreht sich wieder hin zu den harten Daten, Fakten und Algorithmen. Meine Gedanken schweifen ab. Hin zu Google und Facebook, zu jenen übermächtigen Unternehmen, die es den europäischen Verlagen so schwer machen, ihr langjähriges Geschäftsmodell fortzuführen. Ich frage mich, ob ein Start-up aus Linz wirklich die Möglichkeiten hat, eine Lösung für die europäischen Verlage aufzubauen, und in diesem konkreten Bereich in Europa besser werden kann als Projekte aus China oder Amerika.

Um noch einen besseren Eindruck zu bekommen, lade ich mir die aktuelle Version der Newsadoo-App herunter. Ein paar Klicks und ich bin drin. Meine vertrauten Quellen ausgewählt, und rein in die News-Timeline. Hmmm. Woran forschen die hier eigentlich, das funktioniert doch schon richtig gut? Umso zuversichtlicher packe ich meine Sachen zusammen und schleiche mich leise aus dem Meetingraum. Das Open Innovation Center der JKU, ein Ort, der bei mir einen großen Eindruck hinterlassen hat. Und der mich fast ein wenig stolz macht. Natürlich können wir in Linz international führende Technologien entwickeln. Dass ich daran kurz gezweifelt hatte, ist mir jetzt fast unangenehm.

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