Einmal das Beste, und bitte sofort!

Selbstbestimmt, aufgeklärt und bestens informiert. Der Patient von heute möchte am besten alles medizinisch Mögliche, was Dr. Google so ausspukt. Und das natürlich sofort. Oder? Robert Schütz, Leiter der Kliniken Diakonissen, Andrea Voraberger, Pflegedirektorin am Klinikum Wels, und Maria Schweighofer, Studiengangsleiterin für allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege an der Fachhochschule Wiener Neustadt, über die Ansprüche der Patienten von heute. Und was ein guter Arzt oder eine gute Pflegekraft im digitalen Zeitalter im Gepäck haben sollte.

Stefan ist 35 Jahre alt, schlank und sportlich. Seit seiner Beförderung steht er unter Druck: Nachts zählt er Schäfchen bis in den sechsstelligen Bereich. Den Vormittag verbringt er mit einer Kanne Kaffee, während ihm schweißgebadet der Blick immer wieder ins Leere entgleitet. Was tun? Alle zwei Minuten blickt er auf seinen Fitnesstracker. Wann pendelt sich der Puls denn endlich wieder ein? Er fragt Dr. Google. Die Selbstdiagnose ist eindeutig: Herzinfarkt.

#Generation Dr. Google

Knapp die Hälfte der Österreicher sucht laut einer aktuellen Imas-Umfrage im Internet Antworten zu ihren Symptomen. Klar, Dr. Google ist einfach zu kontaktieren. Jederzeit erreichbar. Und bietet Expertenwissen für Laien. Das klingt doch gut? „Der Patient von heute ist aufgeklärter und beschäftigt sich oft schon zu Hause mit seinem Krankheitsbild, sobald die ersten Symptome auftreten“, sagt Schütz. „Das kann die Kommunikation zwischen Arzt und Patienten erleichtern.“ Kann, muss es aber nicht. Denn eine intensive medizinische Onlinerecherche kann einen harmlosen Kopfschmerz gleich einmal zu einem Hirntumor werden lassen, Stresssymptome zu einem Herzinfarkt. „Das sind natürlich extreme Beispiele“, meint Voraberger dazu und ergänzt „Aber die vielen Informationen machen den Patienten wirklich oft Angst.“ Was dazu führt, dass das Urvertrauen zu Medizinern und Pflegepersonal ein Stück verloren geht. Schweighofer weiß: „Patienten, die sich online vorinformieren, fehlt oft das umfassende Wissen, um ihre gesamte Situation erfassen zu können. Medizinische Fachleute können vielfach besser beurteilen, was in den einzelnen Fällen sinnvoll ist oder nicht.“ Wissensmanagement sei hier gefragt. „Die Informationen sollen mit Experten besprochen und abgewogen werden. Patienten konfrontieren Fachpersonal oft mit Wissen aus unseriösen Quellen aus dem Internet. Gemeinsam wird dann die eigene Situation besprochen und über die optimale Versorgung informiert“, sagt Schütz. In der Pflegeausbildung spielt Wissensmanagement eine zunehmende Rolle: „Gesundheitssysteme, Therapien und Angebote sind vielfältig und komplex geworden. Vor allem in der Ausbildung für diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger wird wissenschaftliche Kompetenz intensiv vermittelt: Pflegekräfte müssen heute recherchieren, kritisch denken und aus unterschiedlichen Informationen für den Patienten das Optimale anbieten können“, erklärt Schweighofer.

Der Arzt gibt Entwarnung. Stefan möchte aber auf Nummer sicher gehen und ein EKG machen lassen. Und einen Bluttest, es könnte sich ja um einen unterdrückten viralen Infekt oder eine bakterielle Entzündung handeln. Oder steckt er schon mitten in einem Burnout? Der Arzt versucht, Stefan zu beruhigen. Doch dieser ist verwirrt. Um Gewissheit zu haben, wird ein medizinischer Von-Kopfbis-Fuß-Check-up-Termin vereinbart. So bald wie möglich.

Packliste Arzt

#Fachliche Kompetenz, die auch erlebbar wird: verbal und im Handel

#Soziale Kompetenz: Empathie und Achtsamkeit

#Gelassenheit und Zuversicht

#Teamfähigkeit, Organisation und Anschlussfähigkeit

#Zeitmanagement

#Generation Technologie und Zeitdruck

Neben dem Internet spielen Technologie und Zeitdruck eine große Rolle für Patienten. „Durch das Wissen über den technologischen Fortschritt in der Medizin werden bei Beschwerden heute etwa schneller bildgebende Verfahren gefordert“, erklärt Schütz. Das sei zwar noch nicht die Regel, aber Unruhe und Ungeduld hätten in den letzten Jahren zugenommen: „Das ist ein gesellschaftlicher Trend. Früher konnten die Leute länger warten und waren entspannter dabei. Heute sind viele Menschen sehr unter Zeitdruck. Als Privatklinik mit kurzen Wartezeiten profitieren wir davon.“ Der Entwicklung hin zur Gesundheitsgesellschaft durch die Zunahme von Check-ups und Self-Tracking blickt Schütz positiv entgegen: „Es wird von vielen die Gesundheit im Auge behalten. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, Fitnessapps und Pulsuhren machen hier erst den Anfang“, meint der Klinikleiter. Voraberger weiß: „Das Machbare steht heute im Vordergrund. Der Patient weiß über neue Entwicklungen in der Medizin bestens Bescheid. Grenzen werden hier manchmal nicht akzeptiert, vor allem wenn es um chronische Erkrankungen oder um das Thema Sterben geht.“ Aufklärungsarbeit, Unterstützung und Coaching durch medizinisches Fachpersonal sei hier besonders gefragt. „Natürlich kann heute der Computer die Diagnostik schneller übernehmen als ein Arzt, der sich das Bild ansieht. Aber was der Computer nicht kann: den Patienten in seiner eigenen Krankheitsbewältigung unterstützen und coachen“, erklärt die Pflegedirektorin. „Hier sind wir gefordert, die Selbstbestimmung und Handlungsfähigkeit im Krankheitsfall der Patienten bestmöglich zu erhalten. Spitzenmedizin braucht eben auch Spitzenpflege.“

Der Check-up im Krankenhaus zeigt: Stefan ist kerngesund. Erleichtert fährt er mit dem Aufzug zwei Stockwerke nach oben, um seine Großmutter zu besuchen, die ein neues Kniegelenk bekommen wird. Besorgt wendet sich Stefan an das Pflegepersonal. Welche Operationsmethode wird angewandt? Wer wird sich um seine Oma kümmern? Wie lange wird die Reha dauern?

Packliste Pflegekraft

#Hirn: Wissen und Professionalität

#Herz: sozial-kommunikative Kompetenzen, Gespür

#Hand: praktische Fertigkeiten

#Humor: positives Denken und ein Stück Resilienz

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