„Es gibt eh keine Alternative“

Oberösterreich ist das Land der Fensterhersteller. Bei einem Besuch bei der Nummer zwei am österreichischen Fenstermarkt, dem Fenster- und Türenhersteller Josko im Innviertel, erfahren wir, warum die Branche im Bereich Industrie 4.0 nicht mehr viel zu tun hat und das Privatleben schon viel stärker als große Unternehmen digitalisiert ist. Ein Gespräch mit CSO Stefan Wagner und Digitalisierungs-Projektleiter Stefan Hafner über Gewohnheitstiere, ein Josko-internes Facebook und fehlende Alternativen.

Die Anreise nach Kopfing zum Fenster- und Türenhersteller Josko gelingt nicht gleich im ersten Anlauf. Das Navi fällt zwischendurch aus und es gibt eine kleine Extrarunde im schönen Innviertel. Die letzten paar Kilometer geht es überwiegend durch den Wald und es kommen Zweifel auf, ob hier wirklich eine Produktion mit rund 450 Mitarbeitern angesiedelt ist. Beim Ausstieg aus dem Auto vor dem Firmengebäude mit einer kleinen Verspätung läutet das Handy, man erkundigt sich freundlich, ob man vielleicht beim Weg weiterhelfen könnte, denn man sei es gewöhnt, dass die Anfahrt beim ersten Mal nicht immer reibungslos klappt. Die Mitarbeitersuche müsste dagegen ja eigentlich ganz gut funktionieren, Konkurrenz gibt es ja rundherum keine, geht es einem gleichzeitig beim Betreten des Firmengebäudes durch den Kopf – später werden wir diesbezüglich noch nachfragen. Beginnen wir aber zunächst mit dem Thema, wegen dem die weite Anreise gemacht wurde. Wir wollen uns mit Stefan Wagner, Chief Sales Officer und Mitglied der Geschäftsführung, sowie Stefan Hafner, Projektleiter für Digitalisierung, darüber unterhalten, was das Thema Digitalisierung und Industrie 4.0 für die Nummer zwei am österreichischen Gesamtfenstermarkt und gleichzeitige Nummer eins im Holz-/ Alubereich bedeutet.

Wagner beginnt: „Das Thema Digitalisierung ist zwar allgegenwärtig – aber meistens nur als Schlagwort.“ Bei Josko ging es im Zuge des generellen Strategieprozesses 2017/18 „hin zu wirklichen Inhalten“. Dabei habe man fixiert, dass der Bereich wichtig für das Unternehmen sei und man die Potentiale, die sich dadurch ergeben, nutzen wolle. Im Anschluss wurde eine eigene Digitalisierungsstrategie erarbeitet und zwei Projektleiterpositionen, die als Stabstelle der Geschäftsführung agieren und sich fast Vollzeit mit der Digitalisierung beschäftigen, wurden geschaffen. „Damit stellen wir sicher, dass auch wirklich etwas passiert und unsere Pläne kein Lippenbekenntnis bleiben.“ Aber ist das nicht alles ein wenig spät? Den Vorwurf lässt Wagner nicht gelten: „Ich bin mir nicht sicher, wie viele Unternehmen heute tatsächlich eine Strategie haben.“ Josko habe auch zuvor schon vieles in dem Bereich gemacht, aber auf Einzelprojektbasis: „Wenn man gesehen hat, dass etwas mühsam und ineffizient war, hat man sich ein entsprechendes Werkzeug dafür gesucht – jetzt haben wir ein Konzept, das auch mit der Gesamtunternehmensstrategie zusammenpasst, und sind stolz darauf, sagen zu können: Es gibt Sachen, die haben wir schon erledigt, es gibt mehr Sachen, an denen wir gerade arbeiten, und es gibt noch viel mehr Sachen, bei denen wir Ideen haben.“

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