„Empathie wirkt“

Zwischen glücklichen Patienten, zufriedenen Mitarbeitern und Wirtschaftlichkeit: Robert Schütz, Geschäftsführer der Kliniken Diakonissen Linz, Salzburg und Schladming, über die Herausforderungen des Managements eines Krankenhauses und seinen persönlichen Führungsstil.

Robert Schütz ist Doktor an drei Kliniken. Untersucht, diagnostiziert oder operiert hat er aber noch nie. „Ich bin promovierter Wirtschaftswissenschafter und seit zehn Jahren als Geschäftsführer der Kliniken Diakonissen tätig“, sagt Schütz. 250 Mitarbeiter sind alleine am Standort Linz angestellt. Mit 20.000 Patienten pro Jahr werden etwa 22 Millionen Euro umgesetzt. Gemeinsam mit Primar Josef F. Macher bildet Schütz die Geschäftsführung der Linzer Privatklinik, die sich auf die Fachgebiete Bewegungsapparat inklusive Wirbelsäule, ästhetische Chirurgie und Varizen, Augenchirurgie und Vorsorgemedizin spezialisiert hat. Die Gesundheitsbranche kennt Schütz aus früheren Tätigkeiten so gut wie seine Westentasche. Er ist überzeugt: „Der autoritäre Führungsstil hat ausgedient. In manchen Krankenhäusern sind strenge Hierarchien vor allem unter älteren Ärzten noch zu finden, aber bei uns an den Kliniken waren solche Muster nie so stark ausgeprägt.“ Was einerseits daran liege, dass es sich in Linz und Salzburg um Privatkliniken ohne Abteilungen handle. Andererseits: am Geist der Häuser, der von den lokalen Schlüsselpersonen und dem regionalen Umfeld geprägt sei. „In Schladming ist der Umgang miteinander direkter und lauter als im urbanen Bereich. Dort sind alle per Du. Aber auch die Standorte Linz und Salzburg unterscheiden sich voneinander, man spürt die regionalen Einflüsse der Mitarbeiter und Patienten, die Geschichte der Städte“, erklärt Schütz.

Führen heute, aber wie?

Die Aufgabenbereiche des reisenden Klinikchefs sind vielfältig: Strategische Entwicklung und Kommunikation mit den Eigentümern und dem lokalen Management, Organisations- und Führungskräfteentwicklung der Kliniken sowie Mitarbeiterförderung gehören zum Alltag zwischen Auto, Zug und Krankenhaus. Doch wie wird man all diesen Aufgaben gerecht? „Die Tage sind lang und intensiv, im Auto telefoniere ich viel. Bei den Besuchen vor Ort herrscht ein straffer Terminplan. Ich habe aber viel Zeit und Energie investiert, die richtigen Mitstreiter auszuwählen und aufzubauen. Und damit gelingt es uns gemeinsam gut, diese Fülle von Aufgaben zu bewältigen“, erklärt Schütz. Alle drei Kliniken würden auf dieselben Grundwerte bauen: Empathie und Authentizität, geprägt vom historischen Wirken der Träger der Häuser, den Diakonissen. Und das nicht nur in der Patientenpflege. Auch unter den Führungskräften und im Umgang mit den Mitarbeitern sollen diese Werte (vor)gelebt werden. Also Gefühlskram statt klarer Ansagen? „Nein, ich würde meinen Führungsstil eher als partnerschaftlich-kooperativ bezeichnen. Wenn ich Interesse zeige und meine Mitarbeiter gezielt fördern möchte, ist das im Sinne des empathischen Ansatzes. Und das wirkt.“ Was für Schütz bedeutet: Mit den Mitarbeitern Ziele zu definieren, den Weg dorthin jedoch frei gestaltbar zu lassen. „Ich bin jederzeit Gesprächspartner, wenn am Weg Fragen auftauchen oder meine Unterstützung gebraucht wird“, sagt Schütz. Gemeinsam mit den lokalen Führungskräften werde jährlich ein Mitarbeitergespräch als ‚Meilenstein“ der Entwicklung geführt. „Die Mitarbeiter sollen das Gefühl haben, dass wir uns dafür interessieren, wie sie ihren Weg beschreiten und wie es ihnen dabei geht. Es soll kein Kontrollieren sein, denn ein Leitsatz lautet: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.“

Empathie, grenzenlos?

„Klar stoße ich auch manchmal an meine Grenzen als Führungskraft“, meint Schütz. Vor allem dann, wenn sich Mitarbeiter nicht fördern lassen wollen: „Da wäre Strenge und Autorität notwendig, das ist aber nicht das, was ich verfolgen möchte.“ Er bemühe sich in diesen Situationen, bestimmter zu führen, und greife auf einen situationsbezogen strengeren Führungsstil zurück. Denn die Dosis mache auch hier das Gift: Die einzelnen Mitarbeiter sollten durch anspruchsvolle Aufgaben ausgelastet, aber nicht über- oder unterfordert werden. „Wo ich dann aber Strenge mit ständiger Kontrolle verbinden müsste, bin ich eindeutig der falsche Vorgesetzte“, erklärt Schütz. Damit es nicht so weit komme, werde bereits bei Neueinstellungen großer Wert auf die Persönlichkeit und das Engagement der Kandidaten gelegt: „Wir sind bei Bewerbungsgesprächen meistens zu dritt und schauen neben der Ausbildung sehr auf die persönliche Entwicklung und die Sozialisierung des Bewerbers. Daraus können wir auch meistens ableiten, ob es Empathiegrundlagen gibt und wieviel Einsatzbereitschaft vorhanden ist.“

Motivation? Mit dem Spiegel!

Lob. Wertschätzung. Ermutigende Gespräche. Motivation hat viele Facetten. Doch wie vermittelt man als Führungskraft am besten neues Denken und Handeln? „Ich ermutige meine Mitarbeiter am liebsten mit Gestaltungsoptionen und spannenden Zielbildern, die positiv besetzt sind“, erklärt Schütz. Erfolge motivieren und Führungskräfte sollen Mitarbeitern diese Erfolge ermöglichen und Wertschätzung zeigen. Und das gelinge am besten mit einer positiven inneren Haltung der Führungskräfte. Und durch Ehrlichkeit: „Man kann viel zu einer positiven Grundstimmung beitragen, wenn man authentisch ist und es ehrlich meint. Natürlich kann ich mich über manches ärgern oder über vieles lachen, und das zeige ich dann auch. Vielleicht manchmal etwas zu viel, als es für meine Funktion passend wäre. Aber Emotionen zu zeigen und auch zuzulassen, ist ein Zeichen von Authentizität.“ Und das verlange gerade die Generation Y, die Bedürfnisse direkt anspreche, mehr Interesse, Mitgefühl und Feedback einfordere als vorherige Generationen. „Jüngere Ärzte sind offener und verlangen einen offeneren Führungsstil. Diese Botschaft wird langsam, aber sicher, in allen Krankenhäusern ankommen.“

gedanken von Robert Schütz

Entspannen kann ich am besten_ beim Sport (Tennis).

Großen Einfluss hat auf mich_ meine Frau.

Am liebsten verbringe ich meine Freizeit mit_ der Familie.

Mein Leitsatz ist_ Schaffe Spielräume, damit sich Mitarbeiter

entfalten können.

Meine Ansprüche …

… an mich_ Wertschätzung zu leben.

… an meine Mitarbeiter_ Ehrlichkeit.

… an die Kliniken_ einen wichtigen Beitrag in der lokalen und … der regionalen Versorgung zu leisten.

… an den Geist des Hauses_ hohe Wertschätzung und Empathie

… gegenüber Mitarbeitern und Kunden, Ehrlichkeit und Authentizität.

Der autoritäre Führungsstil
hat ausgedient.

Robert Schütz Geschäftsführer, Kliniken Diakonissen

#Ähnliche Artikel

Patientenpflege: „Es geht ums Spüren“

Emotional. Belastend. Fordernd. Keine Frage - ein Krankenhausaufenthalt ist immer eine besondere Lebenssituation für Patient und Angehörige. Susanne Gringinger, neue Pflegedienstleiterin der Klinik Diakonissen, über die Herausforderungen an das Pflegepersonal für eine ganzheitliche Patientenbetreuung.

Einmal das Beste, und bitte sofort!

Selbstbestimmt, aufgeklärt und bestens informiert. Der Patient von heute möchte am besten alles medizinisch Mögliche, was Dr. Google so ausspukt. Und das natürlich sofort. Oder? Robert Schütz, Leiter der Kliniken Diakonissen, Andrea Voraberger, Pflegedirektorin am Klinikum Wels, und Maria Schweighofer, Studiengangsleiterin für allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege an der Fachhochschule Wiener Neustadt, über die Ansprüche der Patienten von heute. Und was ein guter Arzt oder eine gute Pflegekraft im digitalen Zeitalter im Gepäck haben sollte.

„Gesundheit im Unternehmen ist Chefsache“

Seit über 25 Jahren begleitet die OÖ Gebietskrankenkasse Unternehmen mit Projekten zur betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF). Heute nutzen über 400 Betriebe des Landes das Angebot, 288 davon sind Träger des BGF-Gütesiegels. Albert Maringer, Obmann der OÖGKK, über Gesundheitsförderung in Unternehmen im digitalen Zeitalter.

PR

Gemüse aus dem städtischen Umfeld

Immer mehr Menschen zieht es in die Städte – die Versorgung der wachsenden Bevölkerung mit Agrarprodukten ist eine große Herausforderung. Daher sind neue Agrarsysteme notwendig. Der Lehrstuhl für Verfahrenstechnik des industriellen Umweltschutzes der Montanuniversität Leoben ist an einem entsprechenden deutschen Forschungsprojekt beteiligt.

Die bessere Hälfte - Tina Hawel

Gleich mal vorweg: Nein, Frauen sind nicht die bessere Hälfte. Sie sind aber auch nicht die schlechtere. Darin sind sich all unsere sieben Interviewpartnerinnen einig. Sieben deshalb, weil ihre unterschiedlichen Geschichten zeigen: Weiblichkeit hat nicht die eine Rolle. Und auch nicht das eine Gesicht. Ob geschminkt oder ungeschminkt, im Rock oder in der Hose, Mutter oder Nichtmutter, stark oder schwach (oder beides), im Chefsessel oder hinterm Herd (oder beides) – Frauen sind auch nur Menschen. Ja, eben. Menschen. Wie Männer. Also warum reden wir eigentlich noch darüber? Reden wir darüber.

„Gemeinsam den Gipfel erreichen“

Begeisterter Bergsteiger, erfahrener Chirurg und profunder Kenner des heimischen Gesundheitswesens: Franz Harnoncourt hat im Juni die Führung der neu gegründeten Oberösterreichischen Gesundheitsholding (OÖG) übernommen. Was diese Aufgabe mit einer Bergtour verbindet, was er aus seiner Vergangenheit als Arzt mitnimmt und wo die Zukunft des heimischen Gesundheitswesens liegt.

Wer geht schon gern ins Krankenhaus? Naja, also …

Josef F. Macher ist leidenschaftlich gerne Gastgeber. Privat wie beruflich. Vielleicht ist das der Grund, warum es ihm gelingt, eine Klinik zu führen, die mehr an ein Hotel als an ein Krankenhaus erinnert. „Private Expertenklinik mit Wohlfühlcharakter“, beschreibt er selbst die Klinik Diakonissen in Linz. Wir werfen einen Blick hinein.

PR

Sportliche „Weltreise“

Oberösterreichs Betriebe sind topfit: Das zeigt „Die große Weltreise“ – ein onlinegestütztes Sportturnier der OÖ Gebietskrankenkasse (OÖGKK).

Zehn Schritte zum garantierten Burnout!

Wer für seinen Job brennt, der darf nicht davor zurückscheuen, sich die Finger zu verbrennen – oder die Seele. Wir verraten Ihnen zehn Tipps, die Sie mit Vollgas ins Burnout führen.

PR

Der erste Eindruck ist kein Zufall

Der erste Eindruck ist vielmehr die Spur, die man im Gedächtnis des Gegenübers hinterlässt. Wie gut, wie einprägsam, wie außergewöhnlich diese Spur ist, das haben wir selbst in der Hand. Oder geben es in die Hände eines Profis. Wie Style-Coach Julia Maria Moser. Die Inhaberin des Kosmetikinstituts „Prachtwerk“ weiß, wie man beim Vorstellungsgespräch und bei Business-Terminen andere beeindruckt – und auch sich selbst.

Abgefahren abheben

Mit dem Lufttaxi zum Flughafen oder eine Expresslieferung per Drohne: Mit Jahreswechsel startet in der Steiermark das Projekt AIRlabs, das mehrere Teststrecken für autonome Fluggeräte bereitstellt. Vernetzt durch den Mobilitätscluster ACstyria, tüfteln 300 Unternehmen, wie wir in Zukunft unterwegs sein werden – auf der Straße, auf Schienen und in der Luft.

Bevor das Fass überläuft

Die Zeit läuft immer schneller. Und wir laufen mit. Hetzen von einem Termin zum nächsten, wollen alles, und zwar bitte sofort. Wir vergleichen uns, wir wollen höher, weiter, schneller, besser sein. Und dann zwickt es plötzlich. Im Rücken, im Bauch, im Kopf, wo auch immer. Okay, weg damit, weg mit dem Schmerz. Und weitermachen. Leisten, immer schön leisten. Stellt sich also die Frage: Kann man, wenn schon nicht die Weisheit, die Gesundheit mit dem Löffel fressen? Und was braucht es, um dem steigenden Leistungsdruck auch gesundheitlich standhalten zu können?

Wie kann der Sozialstaat in Zukunft finanziert werden?

Demografischer Wandel, medizinischer Fortschritt, wachsende Ungleichheiten – wie kann man zukünftige Herausforderungen meistern, um soziale Absicherung zu garantieren? Thomas Stelzer, Landeshauptmann von Oberösterreich, Birgit Gerstorfer, oberösterreichische Soziallandesrätin, Erhard Prugger, Abteilungsleiter Sozialpolitik Wirtschaftskammer Oberösterreich, und Axel Greiner, Präsident der Industriellenvereinigung Oberösterreich, geben Antworten auf aktuelle Fragen über das Sozialsystem der Zukunft.

Verlieben Sie sich!

Ein Blick. Ein Lächeln. Vielleicht einfach nur so ein Bauchgefühl. Wie wir jemand Besonderen finden, lässt sich nicht mit dem Verstand vorhersagen. Es ist nicht der Kopf, der die großen Entscheidungen trifft – weder bei der Suche nach dem Partner fürs Leben, nach einem Geschäftspartner noch bei der Mitarbeitersuche und auch nicht bei der Suche nach einem Investor. Warum sich (jetzt) alles um Gefühle dreht. Auch in der Wirtschaft. Wir fragten nach – in so ziemlich allen Bereichen des Lebens – wie man sich findet.

Von Apps und Medikamenten

Wie eine App Schlaganfallpatienten dabei unterstützt, ihren Leidensdruck zu mindern, und eine Software helfen kann, neue Medikamente für die Krebsforschung herzustellen – wir haben wieder die spannendsten Start-ups unter die Lupe genommen.

„Zentralisierung ist der falsche Weg“

Bis 1.1.2020 sollen die bislang 21 Sozialversicherungen auf fünf Träger zusammengelegt werden. Die 170 Seiten starke Mega-Reform der türkis-blauen Regierung sorgt für ordentlichen Zündstoff. Ende Oktober wurde sie trotz Protesten in der Begutachtung fast unverändert Richtung Parlament geschickt. Die Eckpunkte der Reform im Überblick und Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer Oberösterreich, darüber, warum Oberösterreich als Verlierer aus der Reform rausgehen wird.

Hau(p)tsache nicht oberflächlich!

In einer gesunden Haut fühlt man sich wohl. In einem gesunden Unternehmen auch. Tamara Möstl, Geschäftsführerin von Fachinstitut für Hautgesundheit, kümmert sich um beides. Und setzt dabei auf Tiefgang und Ganzheitlichkeit. Und liebt Wandel.

Musterschüler Oberösterreich?

In welchen Bereichen ist der oberösterreichische Wirtschaftsstandort Klassenprimus, wo braucht er noch Förderunterricht? Das haben wir Produktionsunternehmen in ganz Oberösterreich gefragt. Landeshauptmann Thomas Stelzer und Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Strugl nehmen zu den Kritikpunkten von Unternehmen und Interessensvertretungen Stellung, zeigen Stärken und Schwächen des Standortes auf und argumentieren die Notwendigkeit des potentiellen Standortentwicklungsgesetzes.