Was man aus einem Hangover lernen kann

Für Julian Juen muss es der schlimmste Kater seines Lebens gewesen sein: 38 Millionen Flaschen seines aus der Kaktusfeige hergestellten Anti-Hangover-Drinks Kaahée soll er 2011 für einen großen österreichischen Getränkehersteller produzieren. Über Nacht wird der Vertrag plötzlich gekündigt. Frei nach dem Motto des ehemaligen britischen Premierministers Winston Churchill „If you go through hell, keep going“ lässt sich Juen aber nicht beirren: Sieben Jahre danach hat er nicht nur mit Kaahée den Durchbruch geschafft, sondern gibt seine Erfahrungen mit der Urban Food and Beverage GmbH nun auch an andere Marken weiter.

„Das Wichtigste ist, dass wir uns trotzdem im Getränkemarkt etablieren konnten und mittlerweile auf sicheren finanziellen Beinen stehen“, sagt der 40-jährige Linzer Unternehmer und Kaahée-Erfinder Julian Juen. 2018 wird man zum zweiten Mal in Folge mit einem Gewinn abschließen. Und das, obwohl der Getränkemarkt, der von drei großen Playern (Spar, Rewe und Hofer) geteilt wird, beinhart ist. „Die Aufnahme eines Produktes in das Sortiment hängt neben dessen Qualität und professionellen Verhandlungen von einer gehörigen Portion Glück ab“, so Juen. Meist wird jedes Produkt einzeln verhandelt, „manchmal stimmen die Konditionen, manchmal nicht. Wenn sie nicht stimmen, muss man auch einmal Nein sagen können.“ So wie es auch bei Kaahée mit einem der Big Player schon vorkam. Bei einem anderen wiederum hat es dann geklappt: Nach einer Testlistung und unzähligen Verkostungen schaffte man den Sprung in das Produktsortiment. „Hinter uns liegt eine harte Aufbauphase, bei der wir sämtliche Höhen und Tiefen mitgemacht haben.“ Mit Kaahée wolle man jetzt neue Exportmärkte erschließen, etwa die Niederlande, aber auch den österreichischen Markt weiter ausbauen.

Ganz schön Urban – von Kaahée bis Omi’s Apfelstrudel

Mit den Lehren, die man aus Kaahée gezogen hat, will man nun auch anderen Marken unter die Arme greifen. Vor eineinhalb Jahren wurde daher die Urban Food and Beverage GmbH gegründet, eine Plattform für Innovationen in der Getränkebranche. Diese soll als Spin-Off von Kaahée Marken servicisieren und mit Fachberatung dazu antreiben, schneller in Zielmärkten Fuß zu fassen – Brand Accelerator nennt man das in der Fachsprache. „Wir wollten neben Kaahée ein zweites Geschäftsfeld aufstellen. Wenn man nicht nur eine Marke hat, hat man mehr Know-how, und die Erfahrungen, die wir bereits gemacht haben, können wir auch für andere Marken nutzen“, sagt Juen. Urban unterstützt Start-up-Marken sowie internationale Marken, die den österreichischen Markt erschließen wollen, in drei Bereichen: Vertrieb, Marketing und Finanzierung. „Der Vertrieb ist die Kernkompetenz der Urban. Nur wenn es gelingt, eine starke Vertriebsstruktur aufzubauen und nicht nur in ein paar wenigen Geschäften zu verkaufen, wird ein erfolgreicher Markenauftritt funktionieren. Zudem muss man eine Markenpower entwickeln, damit diese bekannt wird und ein positives Image aufbauen kann. Und ohne entsprechende Finanzierung kann man keine Märkte erschließen.“ Urban hilft den Marken, sich bestmöglich aufzustellen und damit Ab- sowie Umsätze zu steigern. „In diesen Bereichen haben wir mit Kaahée viel Know-how gesammelt. Mit Urban geben wir dieses weiter und haben daraus ein Geschäftsmodell entwickelt. Nur wenn diese drei Felder zusammenspielen, kann etwas Vernünftiges rauskommen.“ Mittlerweile vertreibt man vierzehn Marken aus neun verschiedenen Ländern exklusiv in Österreich als Generalimporteur. Darunter finden sich etwa Kaahée (der Feel-Better-Drink mit der Kaktusfeige), Skiwater (Limonade aus Bio-Himbeersaft mit Wasser aus den Alpen) und Omi’s Apfelstrudel (Naturtrübes Getränk mit Apfelstrudelgeschmack) aus Österreich, Glam Cola (koscheres, veganes, weißes Cola) und Seicha Matcha (kaltgebrauter Matcha Tee) aus Deutschland, Franklin and Sons (Softdrink) aus Großbritannien oder My Smoothie aus Dänemark. Zwölf der insgesamt vierzehn Marken sind bereits gelistet und werden in mehr als 2.000 Geschäften wie Supermärkten, Tankstellen oder in der Gastronomie in Österreich vertrieben.

Auf die Crowd kommt es an

Urban funktioniert dabei wie ein Investment-Fonds. „Wir investieren beispielsweise in zehn Firmen. Davon wollen wir einen absoluten Highflyer, drei, die sehr gut performen, drei, die mittelmäßig sind. Der Rest wird es vermutlich nicht schaffen. Wir wissen, dass es immer wieder auch Marken geben wird, die nicht funktionieren, das ist einfach so.“ Bei der Vermarktung komme es darauf an, wie bekannt eine Marke bereits ist. Startet man bei null, „muss man den Vertrieb auch von null aufbauen, versuchen, Listungen in den Sortimenten zu erzielen und die Produkte in den Handel einzuführen“. Die Basis sei, den Einkäufer vom Produkt zu überzeugen, dann kommt die Preisverhandlung, meist ein Gesamtpaket mit Listungsgebühren und Marketingaktivitäten. „Ist eine Marke bereits total etabliert, kann sich der Spieß auch umdrehen. Bei Red Bull oder Coca Cola jammern die Einkäufer über die Konditionen. Die sind aber eher unter die Kategorie ‚One in a Million’ einzuordnen.“ Um das Potential der Marken im Urban-Portfolio abzuschätzen, stützt man sich auf vorab eingeholte Informationen und verkostet mit potentiellen Konsumenten und Einkäufern. Ebenso wird die Performance der Produkte auf anderen Märkten herangezogen. „Das ist zwar kein Garant für Erfolg, aber ein Indikator, wie es gehen könnte.“ Um den Accelerator weiter auf- und die Vertriebsstrukturen auszubauen, will man weiter investieren. Helfen soll eine Primecrowd-Finanzierung. Dabei wird nicht wie bei einer gängigen Crowd-Investmentplattform mit kleinen Investitionen gearbeitet, sondern mit größeren Investments ab 20.000 bis 50.000 Euro und mehr. „Wir könnten rein organisch weiterwachsen, wollen aber auch wirklich große, starke Marken an Land ziehen. Darum ist es jetzt sinnvoll, weiter zu investieren. Mit der Primecrowd bieten wir den Anlegern die Möglichkeit, in größerem Maßstab zu investieren.“ Gestartet wurde die Kampagne im November, bis Februar respektive März soll sie laufen. Ziel sind 500.000 Euro Kapital._

Wir wollen mit Urban große, starke Marken an Land ziehen. Daher ist es sinnvoll, jetzt weiter zu investieren.

Julian Juen Gründer, Kaahée und Urban Food and Beverage

#Ähnliche Artikel

Der Start-up-Rückblick

Was wurde aus den Start-ups, die wir in vergangenen Ausgaben vorgestellt haben? Während manche mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, konnten andere ihren Platz am Markt nicht nur behaupten, sondern auch ausbauen.

Legale Magie aus dem Anden-Gebirge

Im hart umkämpften Getränkemarkt hat nur jemand eine Chance, der ein völlig neues Segment besetzt, ist sich Julian Juen sicher. Mit seinem Anti-Hangover-Drink KAAHÉE will der 35-jährige Linzer zuerst die österreichischen Clubs, dann den Handel und später den Weltmarkt erobern. Verrückte Zufälle, seltsame Begegnungen und herbe Rückschläge: Die junge Unternehmensgeschichte ist reich an ungewöhnlichen Ereignissen.

„Jetzt ist eine gute Zeit zum Gründen“

Zehn Jahre war Florian Gschwandtner das Gesicht des oberösterreichischen Vorzeige-Start-up Runtastic – mit Ende des Jahres verlässt er das Unternehmen. Mit uns spricht er über sein neues Buch „So läuft Start-up“, die Gründungszeit von Runtastic und wohin er nun laufen wird.

Und ab!

Ein Hippie im Geiste, der mit Ende 40 Brillen designt, eine Oberösterreicherin, die das It-Starlet Kim Kardashian und die Oscar-Prominenz mit falschen Wimpern versorgt und zwei junge Architekturstudenten, die einen mit Virtual Reality durch das zukünftige Zuhause führen. Wir haben wieder spannende Start-ups unter die Lupe genommen.

Genussland pur

„Den echten Geschmack einer Region zu erkosten und zu genießen, wird immer mehr zu einem Leitmotiv im Tourismus“, sagt Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger. Auch Oberösterreich soll sich deshalb durch ein Zusammenwirken der regionalen Betriebe mit dem heimischen Tourismus eine Sonderstellung bei Genusstouristen erarbeiten. Die Voraussetzungen dafür wären jedenfalls gut.

Oberösterreich aufgetischt

Linzer Torte, Selchfleisch und Knödel – die Dreifaltigkeit der oberösterreichischen Küche. Richtig interessant wird es aber erst abseits dieser Klassiker. Denn im Land ob der Enns ist man äußerst emsig, wenn es um ungewöhnliche Lebensmittel geht.

PR

Erfolgreich isst gut!

Martin Podobri liebt Herausforderungen – und gutes Essen. KGG und UBG unterstützen ihn finanziell beim Aufbau seines Jausenservices „Die Jausenmacher“.

Karriere mit Qualität(ssicherung)

Die Generation Y hat den Ruf, willig ihre Arbeitgeber zu wechseln. Barbara Aumayr ist das ziemlich egal. Zwar gehört sie mit ihren 30 Jahren zu eben dieser Generation, den Arbeitgeber hat sie aber seit ihrem Praktikum nicht mehr gewechselt. Sie arbeitet in der Qualitätssicherung des Backgrundstoffherstellers Backaldrin und vertritt seit einem Jahr die Laborleitung. „Wozu wechseln?“, fragt sie. „Ich fühle mich hier rundum wohl und man gibt mir Perspektiven.“

Zum Unternehmer geboren?

Manche Gründer scheinen wie zum Entrepreneur geboren. Neue Studien weisen darauf hin, dass es scheinbar tatsächlich eine genetische Prädisposition gibt – manchen wird das Unternehmertum schon in die Wiege gelegt. Wie ist das möglich und was bedeutet das? Nikolaus Franke, Leiter des Instituts für Entrepreneurship & Innovation an der WU und akademischer Direktor des Professional MBA Entrepreneurship & Innovation der WU Executive Academiy, im Interview.

Yeah! Ich hab eine gute Idee. Und jetzt?

Aller Anfang ist schwer. Wie starte ich meine Karriere als Unternehmer? Gründungsmythen, To-dos, wichtige Anlaufstellen und Tipps im Überblick. Gründer müssen nicht alles wissen, sondern nur, wo sie sich Hilfe holen können.

Wie man (sich) abhebt.

Das zeigen vier Persönlichkeiten, die allesamt in neuen Führungspositionen vor großen Herausforderungen stehen. Und diese auf ihre eigene, oft unkonventionelle Art und Weise bewältigen wollen – denn sie haben sich vor allem aus einem Grund gegen andere Kandidaten durchgesetzt: Weil sie anders sind.

Mehr als nur ein Arbeitsplatz

In Co-Working-Spaces können Jungunternehmer auf vorhandene Infrastruktur zurückgreifen, netzwerken, arbeiten – und fühlen sich im Gegensatz zum Home-Office beim Kaffeetrinken nicht alleine. Weltweit ist das Konzept auf dem Vormarsch. Aber wie arbeitet es sich eigentlich in solchen Büros? Wir haben den „Workspace“ in Wels getestet – der eigentlich kein klassischer Co-Working-Space ist.

44 Unternehmen mit ausgezeichnetem Erfolg

Der Zweite ist immer der erste Verlierer? Falsch. Es kann auch mehrere Gewinner geben. Im Falle von „Österreichs Beste Arbeitgeber“, ausgezeichnet vom Forschungs- und Beratungsnetzwerk „Great Place to Work“, sind es heuer sogar 44. Es sind Unternehmen, die sich nicht selbst als solche bezeichnen, sondern denen ihre eigenen Mitarbeiter so ein gutes Zeugnis ausstellen.

Die Biene, das Role-Model

Fleißig ist sie, gewiss. Diese Eigenschaft ist allseits bekannt. Doch das nützliche Insekt bietet mehr. Besser gesagt: Sie bieten mehr. Denn für Roland Fabris, Standortleiter von Takeda Linz, dient der gesamte Bienenschwarm als Vorbild für sein Unternehmen.

PR

...Wir# brauchen diese Talente!! Unternehmensprofil: HABAU Group

Die Habau-Unternehmensgruppe mit Sitz in Perg ist ein jahrzehntelang erfolgreich gewachsenes Familienunternehmen und zählt zu den Top vier der österreichischen Bauindustrie – mit Tätigkeitsschwerpunkt auf Österreich und Deutschland. Worauf man hier baut: auf Empowerment. Mitarbeiter werden ständig gefördert und dazu ermutigt, sich weiterzuentwickeln und ihren Mut zu Innovation und Kreativität zu leben. Dazu setzt man auf gegenseitiges Vertrauen, Kooperation und offene Kommunikation.

Endlich Stille?

Ein Gründer, der möglicherweise die Heilung für ein weltweit stark verbreitetes Krankheitssymptom gefunden hat, eine Brille, die das eigene Smartphone zum 3D-Display macht, und ein Weinenthusiast, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat: drei spannende Gründungsgeschichten im Überblick.

Neue Studiengänge im Überblick

Auch dieses Jahr gibt es seit dem Wintersemester wieder einige Neuerungen an Österreichs Universitäten und Fachhochschulen. Auffällig bei den neuen Studienrichtungen: Der Schwerpunkt liegt klar auf den Zukunftsthemen digitale Transformation und Informationstechnologie.

Lehre im Gep(b)äck

Ein Löffel voll Kreativität, ein Schuss Liebe zu Lebensmitteln mit einer Prise für technisches Verständnis, und schon ist die Zutatenliste für eine Bäcker- und Konditorlehre fertig. Wir haben uns bei Backaldrin in Asten umgesehen und dort einen Einblick in den Bäckeralltag erhalten.