08/16

Jus oder Musik? Den sicheren Job als Redakteurin einer renommierten Tageszeitung behalten oder die Welt entdecken? Events wie Helene Fischer-Konzerte veranstalten oder eine Erholungsoase für schwerkranke Kinder managen? Die Firma wie gehabt leiten oder die ganze Familie einpacken und für ein halbes Jahr nach Neuseeland auswandern? Wer keinen 08/15-Weg wählt, der trifft irgendwann im Leben eine verdammt mutige Entscheidung.

Name / Bernhard Riegler

Berufung / Halte es spannend, überrasche die anderen.

Alter / 40

Geburtsort / Linz

Wahlheimat / Im Moment Neuseeland

„Studier’ doch Maschinenbau und übernimm mein Zivilingenieurbüro.“ Als Bernhard Riegler mit 18 Jahren diesen Vorschlag von seinem Vater hörte, entschied er sich. Und zwar dazu, genau das Gegenteil zu machen. Er begann Landschaftsplanung an der Boku in Wien zu studieren. Einige Jahre später, mit 24, dann die Einsicht: Vielleicht wäre Vaters Vorschlag doch gar nicht so schlecht gewesen. „Ich habe dann ein Maschinenbaukolleg absolviert und mit Uni-Abschluss an einer HTL maturiert“, erinnert sich Riegler. Als Maschinenbautechniker fand er schnell einen Job und landete letztendlich als Sachverständiger für Schadensbewertungen in einem eigenen Zivilingenieurbüro für Aufzüge in Linz. „Auch wenn es für mich logisch schien, diesen Beruf zu ergreifen, führte mich der Weg doch über mehrere Umwege“, sagt Riegler. So einen Umweg beschreitet er auch im Moment: Um aus der Routine auszubrechen, zog er im Herbst diesen Jahres kurzerhand mit seiner Frau und den beiden Kindern nach New Plymouth, Neuseeland – wo er bis Frühling 2019 bleiben wird. „Eine Motivation war auch, dem Nachwuchs die außergewöhnliche Gelegenheit zu bieten, in einem englischsprachigen Land die Sprache zu lernen“, sagt er. Statt Schnee stehen Surfen und Strandspaziergänge am Programm. Und das Unternehmen? Die wichtigsten Termine übernimmt ein guter Freund, ansonsten werden die 20.000 Kilometer Distanz mit WhatsApp überbrückt. Riegler: „Ich habe das Gefühl, dass das Bewusstsein und Verständnis für derartige Abenteuer mittlerweile vorhanden sind – in unserer Elterngeneration war das noch ein Ding der Unmöglichkeit.“

Ich bin_untypisch normal.

Mein USP_ If you don’t go, you don‘t know: Nimm das Risiko und werde belohnt dafür. Verlasse ausgetretene Pfade, sprenge Gewohnheiten und nütze neben deinem Verstand vor allem auch deine Emotionen, um andere zu überzeugen. Never take the easy road: Am Highway unseres Lebenslaufes gibt es zu viele Baustellen, Menschen, die einen überholen wollen und (Lärmschutz-)Wände, die einem die Sicht verstellen. Nimm die Nebenstraße, sie ist voller Überraschungen.

Die Zeit vergesse ich_ sowohl beim Musikhören als auch beim Musikschreiben für meine Band „Glimmer“. Musik ist Freiheit, Religion und Emotion fernab von Technik.

Meinem jüngeren Selbst würde ich sagen_ Lass dich an der Hand von Älteren und Erfahrenen leiten. Nimm die Hand fest, aber nicht, um von ihnen geführt zu werden, sondern um selbst die Richtung vorgeben zu können. Weisheit mag Leichtsinn schlagen, aber jugendlicher Übermut, Neugier und Tatendrang sind die wertvollsten Schätze, die man am Anfang seiner Karriere besitzt.

In fünf Jahren_ werde ich an eine wunderbare Auszeit mit meiner Familie in Neuseeland im heurigen Winter zurückdenken. Womöglich werde ich das nächste „Abenteuer“ planen.

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