„Man kann ja auch nicht sagen, man liebt ein Kind mehr als das andere“

Anfang des Jahres hat der langjährige Vorstandsvorsitzende der Brau Union Österreich, Markus Liebl, das Zepter an den 46-jährigen Magne Setnes übergeben. Wie Setnes, der Manager mit norwegischen Wurzeln, dem Unternehmen zu weiterem Wachstum verhelfen will und was der ehemalige Vorsitzende Liebl in seiner Amtszeit gerne noch erledigt hätte, erzählen die beiden im Gespräch über die Übergabe, zukünftige Ziele und Trinkgewohnheiten.

106 Liter Bier (davon drei Liter alkoholfrei) trinkt jeder Österreicher laut Bierkulturbericht 2017 der Brau Union Österreich durchschnittlich im Jahr. Jede zweite im Supermarkt verkaufte Bierflasche wird von der Brau Union Österreich abgefüllt. Wann und wie oft trinken Sie beide am liebsten Bier?

LieblIch trinke zu verschiedenen Anlässen gerne Bier – schon mehr am Abend als tagsüber. Ich habe eigentlich schon immer gerne Bier getrunken, seit ich damals in meiner Schulzeit ein Praktikum in der Brauerei Zipf gemacht habe. Und auch später während des Studiums. Ich habe Gärungstechnologie studiert, da wäre es komisch gewesen, wenn man kein Bier getrunken hätte.

SetnesIch trinke am liebsten ein Feierabend-Bier. Es gibt aber schon so viele gute Biere ohne Alkohol, dass man auch tagsüber gut Bier trinken kann. Daher trinke ich jetzt immer öfter ein Glas, aber dafür nicht so viel auf einmal – beispielsweise ein alkoholfreies Bier zu Mittag oder in der Freizeit, etwa nach dem Sport.

Hat man als Vorstandsvorsitzender der Brau Union Österreich als eine Art ungeschriebenen Ehrenkodex sämtliche eigenen Sorten durchgekostet?

LieblIch bin sehr viel in unseren Brauereien und Standorten gewesen und habe mir dort immer vorgenommen, die Biere zu verkosten. Wir haben aber 100 verschiedene Biersorten, da kann man nicht alle durchkosten. Früher habe ich mich auch sehr viel durch die Konkurrenz gekostet.

Herr Liebl, Sie absolvierten Ihren ersten Ferialjob in einer Brauerei, waren seit 2007 Vorstandsvorsitzender der Brau Union Österreich. Sie übergaben Ihrem Nachfolger, Herrn Setnes, Anfang des Jahres ein Unternehmen mit rund 2.300 Mitarbeitern und über 700 Millionen Euro Umsatz. Wie würden Sie Ihre Amtszeit bilanzieren?

LieblWir konnten in den letzten Jahren den Umsatz steigern, Marktanteile und Angebotsvielfalt deutlich erhöhen. Daher kann man eine positive Bilanz ziehen. Die Frage, was man besser machen hätte können, kann man immer diskutieren. Wir hätten das eine oder andere schneller machen können. Manchmal ist Schnelligkeit gut, aber manchmal heißt es „speed kills“. Im Endeffekt kann man immer sagen, man könnte noch besser sein.

Gibt es etwas, das Sie in Ihrer Amtszeit gerne noch gemacht hätten?

LieblEin Frühstücksbier (lacht). Für jede Tages- und Nachtzeit gibt es ein alkoholisches oder alkoholfreies Bier, nur ein richtiges Frühstücksbier haben wir eben noch nicht. Ein fruchtiges, alkoholfreies Bier wäre schon denkbar.

Herr Setnes, haben Sie das jetzt schon auf der Agenda?

SetnesEs ist schon einige Jahre her, dass ich mit dem Braumeister der Brauerei Zipf, Günther Seeleitner, in seiner Küche probiert habe, ein Frühstücksbier herzustellen. Wir haben es auch zu internationalen Verkostungen innerhalb des Heineken-Konzerns mitgenommen. Aber so ganz erfolgreich war das noch nicht. Es müsste in die Richtung „Multivitamin-Biermischung“ gehen, aber es fehlt uns noch der letzte Schliff. Wenn wir es schaffen, guten Geschmack mit Ballaststoffen zu verbinden, dann wäre das ein Hit.

Was sind die wichtigsten Dinge, auf die es bei der Führung eines Unternehmens ankommt?

LieblWichtig ist, den Mitarbeitern Vertrauen zu schenken und darauf zu achten, dass man Kontakt und eine gute Zusammenarbeit mit ihnen zustande bringt. Wenn man abgehoben reagiert, bringt das nichts, sondern führt eher zu Misserfolg. Bei einem großen Unternehmen mit 2.300 Beschäftigten wird es nicht immer möglich sein, mit allen Mitarbeitern in Kontakt zu bleiben, aber man muss sich zumindest so verhalten, dass sie Wertschätzung spüren. Das habe ich im Laufe der letzten 30 Jahre immer versucht. Dieser Stil hat sich nicht in jedem Einzelfall als richtig herausgestellt, aber ich denke im Großen und Ganzen war es der richtige Führungsstil. Grundsätzlich gebe ich Magne aber keine großen Ratschläge. Ich kann sagen, wie ich es gemacht habe, ob er jedoch den gleichen Weg geht, muss er entscheiden.

SetnesEin Team kann nur gut funktionieren, wenn die Mitarbeiter selber Entscheidungen treffen können. Wenn sich beim Chef ein Entscheidungstrichter bildet und alles von ihm abhängt, dauert es zu lange. Zudem ist es wichtig, die richtigen Leute mit Rückgrat zu finden, da war Markus sehr erfolgreich. In den nächsten Jahren gehen viele Mitarbeiter in den Brauereien in Pension. Da müssen wir passenden Ersatz finden und brauchen eine Verjüngung der Mannschaft. Viele glauben, dass die Arbeit in einer Brauerei eine alte, verstaubte Sache ist. Das Gegenteil ist der Fall. Wir sind sehr dynamisch, sehr nahe am Kunden und haben tolle Marken. Das Schöne ist: In einer Brauerei hat man am Ende eines oft sehr anstrengenden Arbeitstages immer das Genussprodukt Bier – das stärkt natürlich.

Wie funktioniert die Übergabe?

LieblWir haben schon in vielen Bereichen länger zusammengearbeitet, das macht es einfacher. Wenn ein ganz fremder Manager aus einer anderen Branche käme, wäre die Übergabe sicher schwieriger. Aber Magne ist insgesamt seit mehr als 17 Jahren für den Mutterkonzern Heineken tätig. Zudem hat er bereits vier Jahre bei der Brau Union Österreich gearbeitet und 1.500 Mitarbeiter geführt. Er kennt fast alle Mitarbeiter, das Unternehmen, die Organisation sowie Stärken und Schwächen schon sehr gut.

SetnesFür mich ist es eine Traumübergabe. Ich kenne Markus schon lange, wir haben bereits vieles zusammen gemacht. In der kommenden Zeit kann ich noch immer zu ihm gehen und nach Unterstützung fragen. Wir haben bereits die letzten drei Monate sehr vieles intensiv zusammen gemacht, waren bei Kunden und Veranstaltungen. Es ist eine flüssige Übergabe.

LieblFür ein für österreichische Verhältnisse großes Unternehmen muss man eine Übergabe richtig vorbereiten und durchziehen. Es ist gescheit, es nicht auf den allerletzten Drücker zu machen. Wir wissen von vielen Fällen im Unternehmen und aus der Politik, dass man oft zu lange wartet.

Herr Liebl, Sie bleiben in der nicht operativ tätigen Brau Union-Holding und übernehmen den Aufsichtsratsvorsitz der Brau Union Österreich. Wird es für Sie schwierig werden, sich nicht von „außen“ in das operative Geschäft „einzumischen“?

LieblEs ist nicht leicht, das gebe ich ehrlich zu. Ich bin mit der Branche seit meinem Praktikum 1973 in der Brauerei Zipf verbunden. Das kann man nicht von heute auf morgen vergessen.

„Ich gebe ehrlich zu: Es ist nicht leicht nach so langer Zeit, sich nicht von außen in das operative Geschäft einzumischen.“

Markus Liebl ehemaliger Vorstandsvorsitzender, Brau Union Österreich

#Ähnliche Artikel

Lehre im Gep(b)äck

Ein Löffel voll Kreativität, ein Schuss Liebe zu Lebensmitteln mit einer Prise für technisches Verständnis, und schon ist die Zutatenliste für eine Bäcker- und Konditorlehre fertig. Wir haben uns bei Backaldrin in Asten umgesehen und dort einen Einblick in den Bäckeralltag erhalten.

PR

Erfolgreich isst gut!

Martin Podobri liebt Herausforderungen – und gutes Essen. KGG und UBG unterstützen ihn finanziell beim Aufbau seines Jausenservices „Die Jausenmacher“.

was wäre, wenn ...

Wussten Sie, dass es meistens nicht die Idee ist, an der Startups scheitern? Und wussten Sie, dass es in der oberösterreichischen Gründerszene ein 16-Uhr-Ritual gibt? Patric Stadlbauer, der mit seinem Smart Start Team von KPMG Österreich Startups unterstützt, hat sich unseren Was-wäre-wenn-Fragen gestellt. Und überrascht dabei mit der ein oder anderen Insiderinformation. Die Gedankenwelt eines Gründungsexperten …

PR

„Das Bierbrauen hat mich schon immer fasziniert“

Mit nur 39 Jahren leitet Klaus Schörghofer Österreichs größten Braukonzern, die Brau Union Österreich, seit mehr als 15 Jahren ist er im Unternehmen. Wir haben mit dem Vorstandsvorsitzenden darüber gesprochen, was ihn bewegt, wie sich die Bierkultur in Österreich verändert – und welche Biervorlieben er selbst hat.

Bewerbungstrends: mit den richtigen Tipps zum Traumberuf

Jobplattformen, Firmenwebsites, Social Media oder doch ganz oldschool per Post? Die Möglichkeiten sich zu bewerben sind vielfältiger denn je. Auch bei der Gestaltung der (digitalen) Bewerbungsmappe gibt es unterschiedlichste Ansätze. Aber welche Unterlagen lesen sich Personalisten tatsächlich durch? Und worauf achten sie besonders? Zwei Recruiter sprechen über aktuelle Trends im Bewerbungsprozess und Fähigkeiten, die der Arbeitsmarkt der Zukunft erfordern wird.

PR

...Wir# brauchen diese Talente!! Unternehmensprofil: Österreichische Post

Die Österreichische Post ist der landesweit führende Logistik- und Postdienstleister. So wie sich die österreichische Bevölkerung und Wirtschaft auf die flächendeckende und zuverlässige Versorgung mit Postdienstleistungen verlassen kann, so können das auch die Mitarbeiter. Selbst in schwierigen Zeiten wie der aktuellen Pandemie hält man hier zu seiner wichtigsten Ressource: den Menschen mit ihren Talenten.

Erfolgsfaktor Wertschätzung

Ja, genau, überall sollen Führungskräfte Wertschätzung zeigen, um Mitarbeiter zu halten und zu begeistern. Hier und da ein kleines Lob, gelegentlich eine Belohnung und alle Mitarbeiter sollen sich bitte mit Kusshand über die entgegengebrachte Wertschätzung freuen und selbstverständlich besser, lieber und länger arbeiten. Naja, nicht ganz. Was Wertschätzung tatsächlich bedeutet, erklärt „die Wertschätzerin“ Manuela Wenger. Und was bringt sie? Wir haben uns bei drei Unternehmen umgehört …

Talentfrei? Gibt es nicht!!

Was fällt Ihnen leicht? Bei welcher Tätigkeit vergeht für Sie die Zeit wie im Flug? Und bei welcher Sache, die Sie stundenlang ausführen, denken Sie sich: „Hey, ich habe mehr Energie als davor!“? Voilà, Sie haben soeben Ihr Talent entdeckt, meint Keynote-Speaker und Unternehmer Ali Mahlodji. In zwei Unternehmen – ÖAMTC und Aspöck Systems – haben wir uns umgesehen, wie dort Mitarbeiter ihre Talente einsetzen.

PR

...Wir# brauchen diese Talente!! Unternehmensprofil: Prachtwerk

Im Prachtwerk THE ONE in Gallneukirchen und im Prachtwerk ORIGIN in Linz geht es vor allem um eines: Menschen zum Strahlen zu bringen. Äußerlich mit der ganzen Bandbreite an Beauty-Behandlungen und innerlich, weil Julia Maria Moser hier zwei Orte geschaffen hat, wo man sich – als Kunde genauso wie als Mitarbeiter – wohlfühlt. 2020 hat sich die junge Gründerin ihren großen Lebenstraum erfüllt und in Gallneukirchen einen zweiten Standort aufgebaut.

PR

...Wir# brauchen diese Talente!! Unternehmensprofil: HABAU Group

Die Habau-Unternehmensgruppe mit Sitz in Perg ist ein jahrzehntelang erfolgreich gewachsenes Familienunternehmen und zählt zu den Top vier der österreichischen Bauindustrie – mit Tätigkeitsschwerpunkt auf Österreich und Deutschland. Worauf man hier baut: auf Empowerment. Mitarbeiter werden ständig gefördert und dazu ermutigt, sich weiterzuentwickeln und ihren Mut zu Innovation und Kreativität zu leben. Dazu setzt man auf gegenseitiges Vertrauen, Kooperation und offene Kommunikation.

Kinder und Karriere: ein Entweder-oder?

Oder ist beides möglich? „Ja!“, sagen Kati Bellowitsch, Mama zweier Jungs und Peter Huebauer, Papa von zwei Mädchen. Beide erzählen, wie sie alle(s) unter einen Hut bekommen. Wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt werden kann, zeigen die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und Maschinenbau Fill.

40 Fragen rund ums Bewerbungsgespräch

Die Einladung zum Vorstellungsgespräch ist eingetrudelt? Gratulation! Der Traumjob ist bereits ein großes Stück näher. Zum Feiern ist es aber noch zu früh – Vorbereitung ist jetzt angesagt. Nun gilt es noch einmal richtig zu punkten und Fettnäpfchen zu vermeiden. Mit diesen Fragen wird die Unterschrift am Dienstvertrag nur noch zur Formalität.

Neue Studiengänge im Überblick

Auch dieses Jahr gibt es seit dem Wintersemester wieder einige Neuerungen an Österreichs Universitäten und Fachhochschulen. Auffällig bei den neuen Studienrichtungen: Der Schwerpunkt liegt klar auf den Zukunftsthemen digitale Transformation und Informationstechnologie.

Hallo, ich bin WERNA!

Sie können mich aber auch beim ganzen Namen nennen: Gütesiegel für wertschätzende und nachhaltige Arbeitgeber. Ins Leben gerufen haben mich vier Personalexperten aus unterschiedlichen Branchen. Ihre Motivation dahinter: einen Beitrag zu leisten, dass sich die Arbeitswelt positiv weiterentwickelt.

PR

...Wir# brauchen diese Talente!! Unternehmensprofil: Hypo Oberösterreich

Menschlichkeit und Leistung, passt das zusammen? Bei der Hypo Oberösterreich passt das sogar sehr gut zusammen: Die Bank zählt nicht nur zu den erfolgreichsten Regionalbanken, sondern auch seit vielen Jahren zu den besten und beliebtesten Arbeitgebern Österreichs. 2007 war die Hypo etwa die erste Bank Oberösterreichs, die das staatliche Gütesiegel als familienfreundliches Unternehmen erhalten hat.

PR

...Wir# brauchen diese Talente!! Unternehmensprofil: Gesundheitszentrum Revital Aspach

Gesundheit schaffen und erhalten, ganzheitlich und mit fast 30-jähriger Erfahrung. Dafür steht das Revital Aspach – Zentrum für modernes Gesundheitsmanagement. Neben einer Klinik für orthopädische Rehabilitation und einem Ambulatorium für physikalische Medizin betreibt das Revital Aspach außerdem ein Gesundheitsrefugium (Villa Vitalis) für modernes, zeitgemäßes Stress- und Stoffwechselmanagement.

PR

...Wir# brauchen diese Talente!! Unternehmensprofil: FILL

„Wer die beste Lösung sucht, entwickelt gemeinsam mit Fill seine Zukunft.“ Das ist die Mission des international tätigen Maschinen- und Anlagenbauunternehmens in Gurten im Innviertel. Zur Umsetzung der innovativen Projekte sind unterschiedlichste Kompetenzen gefragt. Die Mitarbeiter genießen sehr viel Freiraum, bekommen aber auch die notwendige Unterstützung, um sich in der jeweiligen Disziplin fachlich und persönlich weiterzuentwickeln.

Endlich Stille?

Ein Gründer, der möglicherweise die Heilung für ein weltweit stark verbreitetes Krankheitssymptom gefunden hat, eine Brille, die das eigene Smartphone zum 3D-Display macht, und ein Weinenthusiast, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat: drei spannende Gründungsgeschichten im Überblick.