Revival des Grätzl

Die Menschen drängen in die Städte, deren Einwohnerzahlen wachsen. In Linz wurde im vergangenen Jahr die 200.000er-Marke erreicht. Seit Anfang 2006 gab es ein Plus von sieben Prozent. In Zukunft wird dieser Trend schwächer werden. Die Dörfer werden attraktiver. Das Klischee von den modernen Städten und den altmodischen Dörfern treffe immer weniger zu, so Christiane Varga vom Zukunftsinstitut.

Ein eigenes Häuschen mit Garten. Davon träumen immer weniger. „Die Leute wechseln je nach Lebensphase öfters ihren Wohnort“, sagt Christiane Varga vom Zukunftsinstitut über aktuelle Trends beim Wohnen. In der Phase der Familiengründung mit rund 30 Jahren suchen die jungen Erwachsenen nach einem Wohnraum in einer ländlichen Gegend. Die Digitalisierung ermöglicht ein ortsunabhängigeres Arbeiten. Wenn die Kinder erwachsen sind und die Pension näher rückt, wollen die Menschen wieder in die Stadt retour. „Die klassischen Einfamilienhäuser können nicht mehr so stark an die nächste Generation vererbt werden, da diese oft in einer ganz anderen Gegend lebt“, so Varga.

Gleichzeitig werden die Unterschiede zwischen Stadt und Land geringer. Die Strukturen vermischen sich immer mehr, so Varga: „In den Städten kann man schon dorfähnliche Strukturen beobachten, es gibt ein Revival des Grätzl.“ In ländlichen Gebieten gebe es immer mehr Freizeitangebote. Kleine Dörfer würden sich dafür auch zusammentun und Veranstaltungen und Events gemeinsam veranstalten. „Da findet man das Vernetzungsprinzip aus der digitalen Welt im analogen wieder“, so Varga und nennt als ein Musterbeispiel die Plattform zukunftsorte.at.

Kreative Lösung

Co-Housing und Gemeinschafts-Wohnprojekte nennt Varga als kreative Lösung für mehr leistbare Wohnfläche in urbanen Räumen. Dabei wohnen Leute gemeinsam in einem Gebäude, jeder hat Privaträume und es gibt Gemeinschaftsflächen. „Alles, was man nicht täglich braucht, wird ausgelagert und geteilt – etwa eine größere Küche, auf die man ausweicht, wenn Besuch kommt“, so Varga. Weiters könne man sich gegenseitig helfen: „Die eigene Kernfamilie ist immer mehr verstreut, da ist es sehr angenehm, wenn einmal die Wahloma auf das Nachbarskind aufpasst und im Gegenzug der Nachbar der älteren Dame die schweren Einkäufe nach Hause bringt.“ Die Menschen bräuchten immer einen Kontrapunkt zur digitalisierten Welt. „Je individueller die Gesellschaft wird, desto mehr Sehnsucht nach Gemeinschaft entsteht“, erklärt Varga den Zukunftstrend zu neuen Formen des Zusammenlebens.

"Die Strukturen von Stadt und Land vermischen sich immer mehr."

Christiane VargaZukunftsinstitut

Leistbar Wohnen?

Die Nachfrage nach günstigem Wohnraum ist hoch – besonders in den Ballungsräumen. Egal bei welchen Wohnbauträgern man nachfragt, die Wartelisten für Wohnungen sind im Vergleich zu den vergangenen Jahren wieder länger geworden, erklärt Andreas Bernögger von der Mietervereinigung Oberösterreich. Dementsprechend würden die Mietpreise steigen. Jährlich um rund fünf Prozent. Von 2010 bis 2016 stiegen die Mietpreise in Oberösterreich um 21 Prozent und damit deutlich stärker als die allgemeine Teuerung. Das Wohnbeihilfen-Budget sei aber gleichzeitig um 23 Prozent gekürzt worden, spricht SPÖ-OÖ Klubchef Christian Makor von der „Armutsfalle Wohnen“ und kritisiert die Arbeit von Landeshauptmann-Stellvertreter und FPÖ-Wohnbau-Landesrat Manfred Haimbuchner.

Makor und Bernögger fordern als eine dringende Maßnahme auf Landesebene die Anhebung der Obergrenze von sieben Euro bei der Wohnbeihilfe. Aktuell erhalten Leute in nicht-geförderten Wohnungen keine Wohnbeihilfe, wenn sie monatlich mehr als sieben Euro pro Quadratmeter bezahlen. „Am privaten Wohnungsmarkt in den Städten gibt es aber fast keine Wohnungen mehr unter dieser Grenze“, so Bernögger.

Haimbuchner lässt die Kritik nicht gelten: „In Oberösterreich funktioniert die Wohnbaupolitik gut, das rede ich mir nicht ein, dazu gibt es auch entsprechende Erhebungen.“ Die Wohnkosten seien im Verhältnis zu anderen Bundesländern geringer, liegen unter dem Richtwert. Der Nettomietpreis liege in Oberösterreich bei 4,90 Euro, der Richtwertmietzins bei 5,84 Euro. „Ich sage nicht, dass Wohnen billig ist, aber die Zahlen können nicht lügen.“ Die Wohnbeihilfe sei in Bezug auf die Ausgleichszulage immer angepasst worden. Eine Anhebung der sieben Euro-Obergrenze würde nur die Mieten im privaten Bereich in die Höhe treiben. „Nach der letzten Erhöhung auf die sieben Euro haben nicht mehr Leute eine Wohnbeihilfe bekommen.“ Im Armutsbericht des Sozialministeriums sei Oberösterreich grundsätzlich positiv aufgezählt worden und Linz im Unterschied zu anderen Landeshauptstädten in Bezug auf die Armutsbetroffenen nicht einmal erwähnt worden.

Es genüge nicht, einfach beliebig mehr Wohnungen zu errichten. „Alle neu gebauten Wohnungen müssen leistbar und bedarfsorientiert, den Lebenssituationen angepasst sowie ökonomisch konzipiert werden“, so Haimbuchner zur Forderung nach möglichst viel günstigem Wohnraum. Co-Housing bezeichnet Haimbuchner als „Schlagwort aus dem Wiener Raum, das in der Praxis keine Rolle spielt“. Es habe bereits einmal ein Projekt Oberösterreich gegeben, das aus mangelndem Interesse nicht in die Realität umgesetzt worden sei.

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