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 Was ist dein Warum?
Header Menschen Unternehmen

Was ist dein Warum?

24. Juni 2026

Wer ein Familienunternehmen in der elften Generation führt, könnte sich auf dem Erreichten ausruhen. Thomas Welser tut das Gegenteil. Aber was treibt jemanden an, der nie wählen musste, wer er werden will? Ein Gespräch über das Warum hinter 360 Jahren Unternehmensgeschichte.

Manche Menschen werden in einen Beruf hineingeboren. Thomas Welser wurde buchstäblich daneben geboren. 50 Meter neben der Produktionsanlage. Als Kind war es „die Marianne aus der Vermittlung“, die auf ihn geschaut hat, wenn seine Mutter unterwegs war. Mittendrin im Betrieb hat er seine Hausaufgaben gemacht. Dort hat er gespielt. Und irgendwann dann angefangen, mitzugestalten. Für ihn war nie eine andere Welt denkbar. „Ich habe mir nie die Frage gestellt, was ich einmal machen will“, sagt der heutige CEO von Welser Profile, „das war für mich immer klar.“

Seit 2018 leitet er das niederösterreichische Familienunternehmen – eines der ältesten im Land, mittlerweile in der elften Generation und seit über 360 Jahren in Familienhand. Doch was ihn von einem klassischen Erben unterscheidet, ist die Art, wie er diese Verantwortung versteht: nicht als Fortführung von Tradition, sondern als aktive Co-Kreation einer gemeinsamen Zukunft.

Wenn ich merke, dass ich mit dem Team irgendetwas weitergebracht habe – das ist das Größte.
Thomas Welser
CEO, Welser Profile

Der Auslöser

Den entscheidenden Impuls für die Transformation des Unternehmens lieferte ausgerechnet eine Feier. Bei der 350-Jahre-Feier von Welser Profile (denn ja, die Wurzeln des Unternehmens findet man bereits im Jahr 1664) bereiteten über 300 Mitarbeitende als Überraschung einen Showact vor. 100 Menschen gleichzeitig auf einer 40 Meter langen Bühne, die die Unternehmensgeschichte nachspielten. „Das waren keine Standing Ovations“, erinnert sich Thomas Welser, „das war ein Staunen und Erstarren vor Begeisterung.“ Dieser Moment hat ihm einmal mehr gezeigt, welches Potenzial in den Menschen einer Organisation steckt. Und was möglich wird, wenn man es entfaltet.

Kurz darauf begann eine Transformation, die nicht von oben verordnet, sondern gemeinsam erarbeitet wurde. Über 600 Mitarbeitende haben sich freiwillig gemeldet, dabei zu sein, mehr als 70 Generationenlandkarten entstanden, ein gemeinsames Zukunftsbild wurde entwickelt. Der Purpose, den sie dabei herausarbeiteten: „Begeisterte Menschen formen Möglichkeiten für Generationen.“ 

Was Welser Profile von vielen anderen Betrieben unterscheidet, ist der konsequente Aufbau einer Vertrauenskultur. „Ich kann relativ schnell sagen: ‚Ich vertraue dir.‘ Die Frage ist, was wirklich dahintersteckt“, sagt Thomas Welser. Für ihn bedeutet Vertrauen in der Führung, ein System zu bauen, das es wahrscheinlicher macht, dass Menschen ihr Potenzial entfalten. Das ist kein Lippenbekenntnis, sondern zeigt sich strukturell: indem Autonomie und Zusammenarbeit gefördert werden, indem die Autorität der Könnerschaft folgt, indem offen und ehrlich kommuniziert wird. Selbst am Shopfloor setzt Welser mit New Work neue Maßstäbe. Gemeinsam mit den Produktionsmitarbeitenden werden neue Arbeitsumgebungen gestaltet. 

Das Warum

„Wenn ich merke, dass ich mit dem Team irgendetwas weitergebracht, verändert, erreicht habe: Das treibt mich an“, erklärt uns Thomas Welser. Positiver Impact sei sein „Warum“. „Und das ist fast wie eine Sucht“, sagt er lachend. Im Eingangsbereich des Unternehmens hängen drei Worte: Inspired by Generations. Inspiriert durch die lange Unternehmensgeschichte führt der CEO das Unternehmen in eine vielversprechende Zukunft. _

Was liest du so, Thomas?

„Trotzdem Ja zum Leben sagen“ von Viktor Frankl. Für Thomas Welser ein Buch, das er immer wieder zur Hand nimmt.
„Haben oder Sein“ von Erich Fromm. Ein Plädoyer dafür, dass es im Leben ums Sein geht, nicht ums Haben. Für ihn eine wichtige Reflexion darüber, wohin sich unsere Gesellschaft bewegt.

Redaktion

  • Zofia Wegrzecka

Fotos

Welser Profile

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