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 Die stille Revolution
Menschen Unternehmen

Die stille Revolution

18. März 2026

Was, wenn Mitarbeitende an Produktionslinien, in Logistikzentren und Behörden ihre Systeme selbst programmieren könnten? Auch wenn sie keine IT-Ausbildung haben. Denn sie kennen ihre Aufgaben besser als jeder Softwareentwickler. Am Software Competence Center Hagenberg entstehen die Werk-zeuge für diese neue Arbeitswelt. Das Schlüsselwort heißt No-Code/Low-Code und die Software dahinter ist maßgeschneidert, intuitiv und menschenzentriert.

Stellt euch vor, eine Maschinenbedienerin programmiert selbst Roboterabläufe, ohne auf die IT zu warten. Ein Logistikmitarbeiter zeichnet sein Förderband auf dem Bildschirm nach, der dafür benötigte Code schreibt sich von selbst. Was nach Zukunft klingt, ist am Software Competence Center Hagenberg Realität. „Programmieren ohne Programmierkenntnisse“, beschreibt Bernhard Schenkenfelder, Research Team Lead für Human-Centered System Design am SCCH, das Konzept. Menschen, die ihre Aufgaben und Tätigkeiten kennen, sollen die dafür nötigen IT-Systeme auch selbst programmieren können, und zwar ganz ohne Informatikstudium.

Das Geheimnis liegt im mentalen Modell. Für einen Innenarchitekten ist ein Lichtschalter ein Designelement, für einen Elektriker ein Schaltplan. Beide haben recht, sie denken nur anders. Das Team des SCCH erfasst mit wissenschaftlichen Methoden diese unterschiedlichen Sichtweisen auf die Welt und entwickelt Benutzeroberflächen, die sich wie eine natürliche Erweiterung des eigenen Denkens anfühlen. Früher brauchten Mitarbeitende bei jeder Änderung der Software die IT-Abteilung. Heute gestalten sie die Software zur Unterstützung ihrer Tätigkeiten selbst.

Je stärker die Benutzeroberfläche an der Domäne angelehnt ist, desto intuitiver ist sie.
Bernhard Schenkenfelder
Research Team Lead Human-Centered System Design, SCCH

Fachkräftemangel als Chance

Der wichtigste Grund für Projektanfragen? Der Fachkräftemangel. Doch No-Code/Low-Code eröffnet auch ganz neue Wege. Mehr Menschen können mit komplexen Systemen arbeiten, während Entwicklerinnen und Entwickler sich noch kniffligeren Herausforderungen widmen. Die Einsatzbereiche reichen von Schweißrobotern über Behördenterminals bis hin zu Datenbanksystemen, wo Analyseanfragen in Echtzeit und vor allem übersichtlich erfolgen. Das siebenköpfige Team arbeitet darüber hinaus mit KI, um die Plattform-
erstellung zu gewissen Teilen zu automatisieren.

Was die Arbeit des SCCH von globalen Playern unterscheidet? Während Standardlösungen Einheitsoberflächen der Software für verschiedenste Benutzerinnen und Benutzer und Anwendungsfälle bieten, werden hier maßgeschneiderte Werkzeuge entwickelt. Die Systeme fühlen sich an wie ein digitaler Spiegel der eigenen Arbeitswelt. Schenkenfelders Tipp an Unternehmen, die überlegen, eine solche Plattform selbst einzusetzen? „Am besten beginnt man mit den mentalen Modellen der Mitarbeitenden. Denn je stärker die Benutzeroberfläche daran und damit an der Domäne angelehnt ist, desto intuitiver ist sie.“ Die Vision geht über die Industrie hinaus, zum Beispiel könnten auch Banken und Versicherungen profitieren. Am Ende geht es um mehr als Effizienz: Es geht darum, Menschen zu befähigen, ihre eigene Arbeit zu gestalten._

Redaktion

  • Melanie Kashofer

Fotos

 WKÖ/Nadine Studeny

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