Das Ökosystem Natur funktioniert seit Millionen Jahren perfekt – keine Konkurrenz, kein Müll, kein gegenseitiges Vernichten, kein besser und schlechter, keine Gier. In der Technik haben wir uns von der Natur viel abgeschaut: Haifisch-Haut für Schiffe, die Form der Flugzeugtragflächen, wasserabweisende Oberflächen für Regenjacken und vieles mehr.
Was wäre, wenn wir unser Wirtschaftssystem auf die Grundlagen dieses funktionierenden Ökosystems aufbauen würden? Die Grundpfeiler wären dann Vertrauen, Verbundenheit, Kooperation, Vielfalt, zyklisches Wachstum und Reichtum für alle. Der Wald ist ein intelligent verwobenes Sozialsystem. Dies ist übrigens unser Körper auch. Beide beruhen darauf, das Leben zu fördern.
Kein lineares und unendliches Wachstum: Bäume wachsen nicht permanent und unendlich in den Himmel. Leben ist immer zyklisch mit den Phasen Erwachen und Beginn des Lebens – Wachstum und Entfaltung – Reife und Blüte – Rückzug, loslassen und Ernte.
Geben und Nehmen sind in Balance: Es gibt keine Quartalsberichte und Größenmaximierung einzelner. Vielmehr geht es darum gesund und organisch zu wachsen und alle zu versorgen. Der Wald erhält bzw. verbessert die Lebensgrundlagen für sich, alle anderen und auch für die Nachkommen. Wenn ein Baum ausgewachsen ist, dann kümmert er sich um die Nachkommen.
Langfristigkeit vor Kurzfristigkeit: Der Wald funktioniert über lange Zeiträume. In der Wirtschaft sollten wir auch fragen, ob die Entscheidung für sieben folgenden Generationen auch noch gut ist.
Nutze vorhandene Ressourcen und denke in Kreisläufen: Dann würden Wegwerfprodukte, geplanter Verschleiß und Einwegprodukte schnell ein Ende haben.
Kooperation anstelle von Konkurrenz: Der Wald kennt keine Hierarchie und Konkurrenz, es geht um Unterstützung und Zusammenarbeit. Wenn ein Baum um seine Existenz ringt, dann zieht er möglichst viele Nähstoffe aus dem Boden, die anderen Bäume stehen ihm zur Seite. Sobald er wieder gesund ist, stellt dieser die Nähstoffe den anderen wieder zur Verfügung.
Wenn man dies auf den persönlichen Bereich umlegt, dann würden wir mit unserer Ernährung, der Zeiteinteilung und unserem Konsumverhalten anders umgehen. Das Schulsystem würde keine braven Konsumenten und willenlose social Medianutzer hervorbringen, sondern wache und bewusste Menschen, die ihre Potentiale friedlich und würdevoll leben.
Derzeit ja! Aber, wenn wir zukunftsmutig an diesen Bildern arbeiten, dann können schon unsere Enkel eine andere Gesellschaft und Wirtschaft erleben.
Sind Sie dabei?
Hannelore Kirchner; privat
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