4 Lektionen in Proaktivität
Was macht ein Unternehmen, wenn Zölle, Klimawandel und Markteinbrüche gleichzeitig anklopfen? Greiner beschäftigt sich mit diesen Entwicklungen frühzeitig und leitet daraus konkrete Maßnahmen ab. Vier Lektionen in Proaktivität – aus einem Konzern, der vorausschauendes Handeln in den Mittelpunkt stellt.
„Wer reagiert, ist zu langsam.“ Saori Dubourg, CEO der Greiner Gruppe, bringt den Anspruch klar auf den Punkt. Ihre Vorstandskollegen Marcus Morawietz, COO, und Hannes Moser, CFO, links und rechts von ihr. Beide nicken. Der Satz stammt von Ex-Eishockeyprofi Wayne Gretzky. Aber Dubourg hat ihn sich zu eigen gemacht, um zu beschreiben, wie der Konzern tickt. Er reagiert nicht, sondern gestaltet. Hier, bei ihrer Jahrespressekonferenz, lösen die drei auf, wie das geht.
#1 Vorbereiten, bevor es brennt
Seit Januar 2025 spielt Greiner systematisch durch, was kommen könnte. Verschiedene Szenarien, verschiedene Krisentypen. Als die US-Zölle kamen, war man vorbereitet. Als der Iran-Konflikt die Logistikkosten auf bis zu 400 Prozent trieb, auch. Das Szenario lag bereits in der Schublade. Dass beschädigte Ölraffinerien fünf bis zehn Jahre brauchen, bis sie wieder laufen, hatte man bereits eingerechnet. Als die Zölle kamen, musste niemand improvisieren.
#2 Berichten, bevor es jemand verlangt
Dass Greiner das Thema Nachhaltigkeit ernst nimmt, ist nicht neu. Dass man dafür freiwillig einen Bericht nach CSRD-Standard (Corporate Sustainability Reporting Directive) veröffentlicht, einem EU-Regelwerk, das für Greiner noch gar nicht gilt, sehr wohl. Die Konsequenz ist konkret: Mehr als hundert Standorte hat Greiner vor einem Zwei- bis Drei-Grad-Szenario durchmodelliert und prüft seither bei Investitionsentscheidungen, wie sich beispielsweise die Wasserverfügbarkeit in den kommenden 10 bis 30 Jahren entwickeln könnte. „Das hört sich vielleicht ungewöhnlich an“, räumt Dubourg ein. „Aber aus unserer Sicht bedeutet das Steuerung der Zukunft.“ Das Nebenprodukt: Greiner weiß heute, wo die eigenen Schwachstellen liegen, bevor es jemand anderes herausfindet.
#3 Investieren, bevor es einfacher wird
Trotz leicht gesunkenem Umsatz traf Greiner 2025 bewusst die Entscheidung zu investieren. Oder gerade deshalb. Wer erst investiert, wenn es besser wird, investiert dann, wenn alle anderen es auch tun. In Produktionsstandorte, Digitalisierung, Automatisierung. Und in Menschen: In Österreich ist die Mitarbeiterzahl sogar gegen den Konzerntrend gestiegen. „Wir investieren trotz der aktuellen Unsicherheit konsequent in langfristige Zukunftswerte“, sagt Dubourg.
#4 Gestalten, bevor andere es tun
Greiner ist ein Unternehmen in Bewegung – und das soll so bleiben. Der Schaumstoffbereich schrumpft, weil der Markt es gerade nicht anders zulässt. Die Verpackungssparte wächst, weil man früh in die richtigen Kunden investiert hat. Und Mediscan, die Division von Greiner für die Sterilisation medizinischer Produkte, wird künftig eigenständig aufgestellt, um ihr Potenzial in einem stark wachsenden Markt gezielt weiterzuentwickeln. „Das Portfolio der Zukunft aber“, sagt Dubourg, „lassen wir nicht einfach geschehen. Wir gestalten es aktiv.“
Hinter all dem steckt ein Satz, der Dubourg persönlich wichtig ist. Der neue Purpose von Greiner lautet: Values create future. „Werte sind ökonomisches Kapital. Sie sind keine soziale Dekoration, sondern ein integraler Bestandteil der Infrastruktur von erfolgreichen Volkswirtschaften. Denn Werte spiegeln das Vertrauen in eine Ökonomie und wie stark dieses ausgeprägt ist, kann man jeden Tag auf den Finanzmärkten beobachten“, sagt sie. Wertschaffung sei nicht nur Profit. Es gehe auch darum, welchen sozialen Beitrag man leiste, und in welcher Form man Klimakosten verursache oder reduziere. In Märkte investieren, die in dreißig Jahren noch relevant sind. In Menschen, die das tragen können. Und das alles nicht dann, wenn es offensichtlich ist, sondern bevor es jemand verlangt. Proaktiv eben._
Redaktion
- Zofia Wegrzecka
Fotos
Andreas Pohlmann