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 Die Kunst der Pause
Lifestyle

Die Kunst der Pause

25. August 2026

Das Meeting wartet schon. Die To-do-Liste quillt über. Und die Mittagspause? Die wird kurzerhand vor dem Laptop absolviert. Sandwich in der einen, Maus in der anderen Hand. Was absurd klingt, ist für viele Realität im Arbeitsalltag. Dabei wäre die Lösung für mehr Kreativität, Konzentration und Motivation verblüffend einfach: einfach mal Pause machen.

Die Wissenschaft ist eindeutig: Unser Gehirn schafft maximal 90 Minuten konzentrierte Arbeit am Stück. Danach steigt der Stresspegel, Fehler häufen sich, die Leistung bricht ein. Wer Aufgaben erledigt, kurz inne hält, sich erholt und dann erst zur nächsten Aufgabe übergeht, bleibt leistungsfähig und feiert nebenbei kleine Erfolge. Wer hingegen eine nach der anderen abarbeitet, ohne je aufzutanken, dessen Energiereserven schwinden kontinuierlich und man brennt immer mehr aus. Karin Brandstetter, Arbeitspsychologin bei IBG in Wien, erlebt das täglich in ihrer Beratungspraxis. „Es erstaunt mich jedes Mal, wie selten Pausen gemacht werden“, sagt sie.

Es erstaunt mich jedes Mal, wie selten im Arbeitsalltag Pausen gemacht werden.
Karin Brandstetter
Arbeitspsychologin, IBG

Doch was macht eine Pause zur guten Pause? Vor allem eines: Sie muss das Gegenteil der vorangegangenen Tätigkeit sein. Wer geistig gearbeitet hat, sollte nicht zum Smartphone greifen. Das ist zwar Ablenkung, aber auch neuer Input für ein bereits erschöpftes Gehirn. Besser: aufstehen und sich bewegen. Ideal wäre dabei die Kombination von Bewegung und Natur, da das laut Forschung den stärksten Erholungseffekt hat. Aber sogar der Blick aus dem Fenster kann nachweislich erholsam wirken. Bei den sogenannten Kurzpausen genügen schon fünf Minuten, um den größten Teil der Erholung zu erzielen. Ergänzt man diese durch zwei- bis dreiminütige Mikropausen zwischendurch, ist dies wertvoller, als viele glauben. Und sie aktivieren etwas Bemerkenswertes: das Default Mode Network des Gehirns. Dieses „Ruhezustand-Netzwerk“ springt an, wenn wir nichts Konkretes tun, und beginnt zu ordnen, sortieren, assoziieren. Kein Wunder also, dass die besten Ideen oft unter der Dusche kommen.

Wer sich beim Pausieren schuldig fühlt, stößt laut Brandstetter auf innere Antreiber: tief verwurzelte Glaubenssätze wie „Sei perfekt“ oder „Streng dich an“. Der Schlüssel liege darin, diese Muster zu erkennen und sich bewusst Erlaubnisse zu erteilen: nicht überall 100 Prozent zu geben, Qualität durch Erholung zu sichern statt trotz Erschöpfung zu erzwingen. Auf Unternehmensebene ist Pausenkultur vor allem Führungsaufgabe. Was Chefs nicht vorleben, wird auch von Teams nicht gelebt. Die Vision der Expertin: Betriebe, in denen man es den Menschen ansieht, dass sie regelmäßige Pausen machen: entspannte Gesichter, weniger Konflikte, mehr Motivation. Und der erste Schritt? Einfach aufstehen. Raus aus dem Kopf, rein in den Körper._

Redaktion

  • Melanie Kashofer

Fotos

Gettyimages / xavierarnau; Brandstetter: IBG

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