AUFGEBEN IST KEINE OPTION
Sansibar. Eine Juristin. Eine Ruine ohne Strom und Wasser. Und ein Geschäftspartner, der vierzehn Tage vor dem Start eine WhatsApp-Nachricht schickt: „Sorry, ich bin raus.“ Was Nina Ofenloch daraus gemacht hat, ist mehr als eine Geschichte über Mut. Es ist eine Lektion über das, was entsteht, wenn man weitermacht.
Backstage im Linzer Musiktheater. Kurz vor dem großen Auftritt beim Event „Land der Möglichkeiten“, zu dem Landeshauptmann Th omas Stelzer geladen hat. Nina Ofenloch sitzt uns gegenüber. Kein Lampenfieber, kein Nervenflattern – zumindest keines, das sie sich anmerken ließe. „Ich sehe Adrenalin als Energiebooster, den ich dann mit auf die Bühne nehmen kann“, sagt sie und lächelt. Man glaubt ihr sofort. Denn diese Frau hat schon weit nervenaufreibendere Momente überstanden.
Nina Ofenloch ist Bestsellerautorin, Mentorin, Expertin für mentale Stärke und Leadership, Keynote-Speakerin und bekannt aus der Fernsehserie „Goodbye Deutschland“. Sie pendelt zwischen Deutschland und Afrika (heute mal mit Zwischenstopp in Österreich) und hilft Unternehmern dabei, mutig in die Umsetzung zu kommen. Ihr Schwerpunkt liegt auf Führung unter Druck, Team-Transformationen und Executive Sparrings für Konzerne und mittelständische Unternehmen. Aber bevor sie anderen das Handwerk des Mutes beibrachte, musste sie es selbst lernen. In einer Ruine am Indischen Ozean. Kein Strom. Kein Wasser. Fünf Monate Zeit, um daraus ein Gästehaus zu bauen. Und eine Frau, die von Bauplanung ungefähr so viel versteht wie der hiesige Elektriker von Elektrik – nämlich gar nichts. Der ist schließlich eigentlich Fischer.
WENN DIE SONNE RUFT
Es fing eigentlich ganz harmlos an. Der Winter nahte, Nina wurde kalt – also zog es sie dorthin, wo es das ganze Jahr über warm ist: nach Afrika, die Ostküste entlang, bis nach Sansibar. Dort, bei zwei Gläsern Wein, machte sie einem Hotelinhaber gegenüber eine beiläufi ge Bemerkung: Sie hätte Interesse an Immobilienprojekten. Der nahm sie beim Wort. Zweite Reihe vom Strand, eine Ruine, kein Strom, kein Wasser. „Bau doch daraus ein Gästehaus.“ Nina, die Juristin: „Ich dachte, ich mache das mit dem zusammen – der weiß ja, wie man ein Hotel baut.“ Und dann stirbt der Plan. Der Geschäftspartner ist in Frankreich. Seine WhatsApp-Nachricht: „Sorry, ich bin raus.“ Nina hatte zu dem Zeitpunkt bereits alles unterschrieben. In vierzehn Tagen war die Übergabe. In fünf Monaten begann die Hochsaison.
BAUEN OHNE PLAN
„Ich war geschockt. Sehr geschockt.“ Sie sagt das ruhig, fast nüchtern. „Aber dann habe ich mir gedacht: Ich habe alles unterschrieben. Also müssen wir das halt alleine hinkriegen.“ Was folgte, war eine Lektion in pragmatischem Chaosmanagement. Aufgeben war keine Option. Was Nina auf dieser Baustelle lernte, lehrt sie heute in Seminaren. Führungsprinzipien aus einer Welt, die keine Managementbücher kennt. Ihr Vorbild: die Maasai-Häuptlinge. „Die sind in jeder Lebenslage ruhig. Geduldig. Entspannt. Respektvoll.“ Sie beobachtete sie, kopierte ihren Stil. Weil es gar keine Alternative gab. Wer auf einer Baustelle in Sansibar eskaliert, verliert den Respekt. Und damit alles. „Handeln, obwohl man Angst hat.“ Das ist für Nina die Definition von Mut. Keine Heldenpose, kein Motivationsgeschrei – sondern die nüchterne Entscheidung, trotzdem weiterzumachen. Weil die Verantwortung größer ist als die Angst. Fünf Monate später war das Gästehaus fertig. Rechtzeitig zur Hochsaison._
Redaktion
- Susanna Winkelhofer
Fotos
Johann Wiesinger