Aufgeladen und aufgetankt
Strom smarter nutzen, Snacks gesünder genießen: Das oberösterreichische Startup Energy+ optimiert mit seiner eigenen Software den Einsatz erneuerbarer Energie für Unternehmen, Landwirte und Privathaushalte. Hinuts wiederum bringt handgemachte Frischnussriegel in die Kühlregale. Zwei völlig unterschiedliche Produkte, ein gemeinsamer Antrieb: Echte Probleme lösen. Mit voller Überzeugung.
Die Energie-Optimierer
#Wer Michael Schneiderbauer bringt jahrzehntelange Erfahrung in der Energiebranche mit. 2022 gründete er Energy+, zunächst mit einem ambitionierten Gründerteam aus dreizehn Personen. Was folgte, war eine Lektion in Sachen Fokussierung: Innerhalb eines halben Jahres merkten die Gründer, dass zu viele Köpfe in zu viele Richtungen ziehen. Nach einem Dreivierteljahr hatte sich das Team auf drei Kernpersonen eingependelt. Heute zählt das Unternehmen zehn Mitarbeitende.
#Was Erneuerbare Energie ist da, aber wird sie auch intelligent genutzt? Genau hier setzt Energy+ an. Das Unternehmen entwickelt Energiemanagementsoftware für Betriebe, Landwirtschaften und Privathaushalte, die Solaranlagen, Batteriespeicher und Wechselrichter im Einsatz haben. Das Kernprodukt heißt „R.E.S.I.“ – kurz für „Renewable Energy smart & intelligent“. Es sorgt dafür, dass die verfügbare Energie zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und zum optimalen Preis eingesetzt wird.
#Wie Die Software sammelt alle verfügbaren Daten eines Betriebs oder Haushalts – Verbrauch, Speicherstatus, Einspeiseleistung – und überträgt sie in eine Cloud-Lösung. Dort fließen externe Informationen ein: Wetterprognosen, aktuelle Strompreise, Daten aus E-Auto-Apps oder Energiegemeinschaften. Daraus errechnet R.E.S.I. täglich einen individuellen Fahrplan für die nächsten 24 Stunden, und zwar vollautomatisch. Das Ergebnis: Der Betrieb läuft kostenoptimiert, netzdienlich und mit garantierter Notstromreserve, wenn gewünscht.
#Wann Gegründet wurde Energy+ am 1. Oktober 2022. Es war der Tag, an dem das Team das Büro im 2kanter bezog, einem Co-Working-Space, von dem es von Anfang an begeistert war. Das Unternehmen hat die tech2b-Programme Ideate, Activate und Incubate durchlaufen. Der offizielle Marktstart von R.E.S.I. war der 15. April 2026. Kein zufälliges Datum, sondern gleichzeitig Schneiderbauers Geburtstag.
#Wo Der Firmensitz ist in Engerwitzdorf. Der Fokus liegt zunächst auf Oberösterreich und Österreich. Erst wenn man hier gut aufgestellt ist, soll der DACH-Raum folgen, perspektivisch ganz Europa. Das klingt nach klassischer Startup-Vision, bei Energy+ steckt dahinter jedoch ein klarer Pragmatismus: „Wenn wir etwas machen, muss es auch wirklich funktionieren“, sagt Schneiderbauer.
#Warum Für Schneiderbauer ist die Energiewende keine abstrakte Idee, sondern eine Aufgabe, die endlich jemand anpacken muss. Er hat miterlebt, wie Menschen durch erneuerbare Energie umzudenken beginnen – Elektroautos kaufen, Solaranlagen installieren, Energiegemeinschaften gründen. Sein Produkt soll dafür sorgen, dass diese Energie nicht verpufft, sondern intelligent genutzt wird.
Dieses Startup wird von tech2b, dem oberösterreichischen Startup-Inkubator, unterstützt. Alle Infos rund um die Programme von tech2b findet man unter tech2b.at.
Die Nuss-Visionäre
#Wer Stefan Luegmayr ist kein typischer Gründer im Food-Bereich. Er ist studierter Wirtschaftsingenieur, zwölf Jahre lang in Führungspositionen eines internationalen Lebensmittelkonzerns tätig und hat Produkte für weltbekannte Marken mitentwickelt. Doch er war überlastet und dauergestresst. Dann verordnete ihm seine Frau eine Ayurveda-Kur. Was folgte, war eine fundamentale Neuausrichtung: Er macht sich selbstständig und gründet das Food-Startup Hinuts. Heute beschäftigt er zehn Mitarbeitende.
#Was Hinuts produziert handgemachte Frischnussriegel ohne künstliche Aromen, Stabilisatoren oder gesättigte Fette. Das Besondere: Sie werden gekühlt verkauft. Die Idee kam Luegmayr durch ein Bild aus einem US-amerikanischen Supermarkt. Ein Nussriegel im Kühlregal? Zuerst irritierend, dann eine Offenbarung. Luegmayr erkannte: Gesunde, ungesättigte Fette aus Nussmus können ohne Palmfett in eine feste Form gebracht werden, sofern man weiß wie.
#Wie Die Produktion läuft auf einer Brotmaschine aus den 1960er Jahren – ursprünglich für Roggenbrot gebaut, heute das Herzstück der Hinuts-Fabrik. Dazu kommt eine eigens entwickelte Formmaschine. Aktuell verlassen rund 6.000 Riegel täglich die Produktion, jeder davon noch manuell verpackt. Mit weiterer Automatisierung peilt Luegmayr 500.000 Riegel pro Monat an. Die Zielgruppe: aktive Menschen, die beim Snacken nicht auf Qualität verzichten wollen. Vertrieben wird über den eigenen Onlineshop und den Handel.
#Wann Bereits 2019 entschied Luegmayr nach seiner Ayurveda-Kur, dass er sich selbstständig machen will, wusste aber noch nicht, womit. Als die Idee für das Produkt da war, reiste er zwei Jahre lang durch Europa, suchte die besten Zutaten und entwickelte Rezepturen. Die offizielle Gründung erfolgte 2024. Dann kam der Aufbau der ersten Produktion in Bad Leonfelden, zunächst mit nur einem gelernten Bäcker. Innerhalb eines Jahres erzeugte das Team 55.000 Riegel pro Monat – per Hand. Im November 2025 zog die Produktion nach Lichtenberg um.
#Wo Produziert wird im Mühlviertel, vertrieben österreichweit. Über 95 Prozent des Umsatzes macht Hinuts in Österreich. Deutschland ist der nächste große Schritt: Ein Lager ist bereits aufgebaut, die ersten Reformhäuser in Bayern sind an Bord. Luegmayrs Blick reicht weiter: Wer den deutschen Markt beherrscht, hat 50 Prozent des europäischen Food-Markts in der Hand. Frankreich, UK, Italien und Polen folgen vielleicht als Nächstes.
#Warum Gesunde Ernährung ist für Luegmayr kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zu einem energievollen, selbstbestimmten Leben. Und das ist auch die Botschaft hinter Hinuts als Marke. Was ihn antreibt, ist der Glaube an ein Produkt, das echte Probleme löst: Es schmeckt, es ist gesund und der Körper nimmt es gut auf. Er verzichtet bewusst auf Umsatzziele und Expansionspläne. Stattdessen lautet sein Credo: jeden Tag das Beste geben._
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Energy+: Markus Schneeberger; Hinuts: Stefan Wolfsteiner