Geopolitische Beben, bürokratische Auflagen und unberechenbare Seewege: Der globale Handel ist zum Minenfeld geworden. Lohnt sich der Schritt über die Grenze heute überhaupt noch? Florian Zeppetzauer, Leiter des Export Center OÖ, erklärt, worauf es jetzt ankommt.
Vor Kurzem präsentierte die Statistik Austria die vorläufige Außenhandelsbilanz der Bundesländer für das Jahr 2025. „Oberösterreich ist als Industriebundesland von den internationalen wirtschaftlichen Entwicklungen besonders betroffen. Trotzdem konnte sich Oberösterreich einmal mehr als Exportland Nr. 1 behaupten.“ So lautete das Statement von Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner.
Auch Florian Zeppetzauer, Leiter des Export Center OÖ, sieht die größte Hürde für Unternehmen aktuell in der Nichtplanbarkeit. Dass der Gang ins Ausland nach wie vor der beste Wachstumsmotor bleibt, begründet der Exportexperte im Interview mit drei zentralen Säulen:
Hohe Energiekosten und administrative Auflagen belasten die Margen. Doch Oberösterreichs Betriebe punkten nicht über den Billigpreis, sondern über Spitzenleistung. „Wir haben unzählige Nischenplayer und Hidden Champions, die sich durch Know-how und höchste Qualität am Weltmarkt behaupten“, so Zeppetzauer. Wer Speziallösungen liefert, die global kaum ersetzbar sind, bleibt auch in stürmischen Zeiten gefragt.
Wer sich nur auf eine Region verlässt, gerät bei Krisen schnell ins Wanken. Die Lösung liegt in der richtigen Balance aus Stabilität und Wachstum: Rund 70 Prozent der Ausfuhren gehen in den EU-Raum, wo Märkte wie Italien (+2,8 %), Polen (+3,4 %) oder Ungarn (+4,9 %) verlässliche Zuwächse bringen. Parallel dazu bieten Märkte in Übersee wie Indien, China oder Südafrika enorme Dynamik. Zeppetzauer betont: „Kurzfristig sichert Europa unsere Stabilität, langfristig brauchen wir stark aufgestellte Partnerschaften auf den Weltmärkten.“ WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer ergänzt: „Neue Freihandelsabkommen – etwa mit Mercosur, Indien, Australien oder Indonesien –
eröffnen zusätzliche Perspektiven für die heimischen Betriebe.“
In Zeiten von Digitalisierung, KI und virtuellen Meetings unterschätzen viele den Faktor Mensch. Zeppetzauers klarer Rat für erfolgreiche Auslandsgeschäfte lautet daher: Ausdauer und physische Präsenz. „Gerade in Zeiten von KI und digitalen Tools werden der persönliche Händedruck und das Vertrauen vor Ort immer entscheidender.“ Wer in Überseemärkten Fuß fassen will, muss vor Ort Beziehungsarbeit leisten – Vertrauen lässt sich nicht per Algorithmus aufbauen. _
Ines Thomsen
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