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 Wo Mitarbeiter (wie) Gäste sind …
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Wo Mitarbeiter (wie) Gäste sind …

29. Juni 2026

… klagt man nicht über den Fachkräftemangel in der Hotellerie und Gastronomie – man löst ihn. Und zwar mit Kommunikation, die wirklich auf Augenhöhe stattfindet. Mit Investitionen, die sich in vielen Fällen erst auf den zweiten Blick rechnen. Kurzum: „Mit einem Konzept, das die eigenen Mitarbeiter genauso gut behandelt wie die Hotelgäste“, sagt Julia Reingruber, Director of Talent & Culture der Familux Resorts. Wir haben „eingecheckt“, um genau das „auszuchecken“.

„Willkommen im Urlaub, wen darf ich denn begrüßen?“, ertönt eine freundliche Stimme aus der Gegensprechanlage bei der Einfahrt des Dachsteinkönig Familux Resorts in Gosau. Eigentlich für ein Interview – also Arbeit – angereist, ertappen wir uns automatisch bei dem Gedanken, Laptop und Aufnahmegerät am liebsten gegen Zimmerkarte und Bademantel eintauschen zu wollen. Kleiner Satz, große Wirkung. Auch für unsere Interviewpartnerin Julia Reingruber, Director of Talent & Culture der Familux Resorts, gab es diesen einen Moment, in dem sie wusste: „Hier bin ich richtig!“ Nämlich als sie nach verschiedenen beruflichen Stationen in die Hotellerie und Gastronomie zurückkehrte – jene Branche, die sie in und nach der Tourismusschule Bad Ischl von der Pike auf kennengelernt hat.

Der lange Weg zurück nach Hause

Anderthalb Jahre arbeitete sie in einem kleinen Lokal in Gmunden. Ein Jahr in der Automobilbranche. Dann folgte ein Abstecher in den elterlichen Handelsbetrieb, schließlich ein Studium: Tourismus, Innovation und Management an der FH Salzburg. Berufsbegleitend natürlich, weil Praxis für Julia immer das A und O war. „Rezeption, Service, Küche, Employer Branding –
ich habe alles durchprobiert.“ Als sie schließlich im Onlinemarketing beim Dachsteinkönig einstieg, erlebte sie ein Gefühl, das sie vorher lange vermisst hatte: „Endlich wieder ich selbst sein zu können.“ In der Automobilbranche, wo flache Hierarchien kommuniziert, aber selten gelebt wurden, hatte sie sich fremd gefühlt. Im Büro esse man nicht selten allein vor einem Bildschirm, „in der Gastro sitzt man zusammen“. Heute ist sie keine HR-Managerin im klassischen Sinn. „Ich bin eine von vielen Markenbotschafterinnen bei uns.“ Für eine Branche, die sie wieder zu dem machen will, was sie eigentlich ist.

Ihre Wortwahl verrät vieles über ihre Philosophie und über die Unternehmenskultur. Bei den Familux Resorts heißt die entsprechende Stelle nicht „Human Resources“, sondern „Talent & Culture“. Kein Zufall. „Unsere Mitarbeiter sind keine Ressourcen. Sie sind Talente.“ Die bis zu 190 Menschen, die im Dachsteinkönig arbeiten, werden dementsprechend behandelt. Da wären zunächst die Räumlichkeiten: Wohnzimmeratmosphäre im Mitarbeiterbereich, bewusst gestaltet für ein Team, das in schönen, aber abgelegenen Orten wie Gosau arbeitet und lebt. „Es ist nicht nur arbeiten, schlafen, arbeiten, schlafen …“, sagt Julia, „die Leute sollen auch gern bei uns verweilen.“ Und dann die Kleidung: Statt Polo-Shirts mit ausgefranstem Kragen gibt es seit letztem Jahr ein durchdachtes Outfitkonzept für alle Abteilungen – von der Rezeption bis zum Spa, vom Kids Club bis zum Housekeeping. Drei Jahre Prozess, riesige LKW-Ladungen. Die alte Kleidung? Nicht weggeworfen, sondern ins Recycling gegeben. „Das war uns wichtig.“

Unsere Mitarbeiter sind keine Ressourcen, sie sind Talente.
Julia Reingruber
Director of Talent & Culture, Familux Resorts

Der (nicht so) kleine, aber feine Unterschied

Bei den Hausführungen gibt es einen Moment, den Julia besonders liebt, wie sie uns verrät. Sind es die neu gebauten Luxus-Chalets? Das Live-Cooking am offenen Feuer? Oder der alpine Charme der Architektur? „Es ist der Mitarbeitereingang. Hier hängen wir unsere ganzen Top-Arbeitgeber-Awards auf.“ Denn wer stolz auf sein Unternehmen ist, spricht positiv darüber, kommt wieder – und bringt andere mit. Die Freundlichkeit der Mitarbeiter tauche in den Gästebewertungen unzählige Male auf. „Das macht mich glücklich, weil die Gäste es spüren.“ Und sie kommen deswegen zurück. „Weil sie den Kellner wiedererkennen, weil die Rezeptionistin noch da ist.“ Weil Kontinuität in der Gastro keine Selbstverständlichkeit mehr ist, „bei uns aber gelebt wird“. Mit einem einfachen Hebel: Wer in Mitarbeiter investiert, bekommt mehr zurück. „Beim Wareneinsatz merkt man das sofort. Bei Personalkosten meist nicht von heute auf morgen. Aber du siehst es in den Rezensionen und in der Auslastung.“

Eine dieser Investitionen ist die hauseigene Familux-Academy, die sich in vier Bereiche untergliedert: eine allgemeine Akademie für alle Mitarbeiter – IT, KI, Basisschulungen. Eine Management Academy für Abteilungsleiter – Führungskräftetraining, Beschwerdemanagement, Arbeitsrecht. Eine Learning Academy für Lehrlinge, in der filetiert, flambiert und für Prüfungen gelernt wird. Und dann das Herzstück: die Talent Academy. Monatelange Weiterbildungen, Kosten von mehreren Tausend Euro pro Person, Top-Trainer, ÖHV-Zertifizierung. „Das sind unsere Nachwuchsführungskräfte von morgen. Natürlich investieren wir in sie“, sagt Julia voller Überzeugung. Entstanden sei die Akademie vor allem deshalb, weil die Nachfrage aus der Belegschaft kam. „Entsprechend groß ist die Nutzung.“

Fehler machen. Und darüber reden

„Klar gibt es Fehler, die sind unverzeihlich“, antwortet Julia auf die Frage, wie man eine gesunde Fehlerkultur nicht nur im Leitbild des Unternehmens verankert, sondern auch täglich lebt. „Aber die meisten Fehler sind doch solche, die eine zweite Chance verdient haben.“ Wichtig sei, über diese direkt und auf Augenhöhe zu sprechen. Auch unbequeme Gespräche werden geführt – im Abteilungsleitermeeting, beim gemeinsamen Mittagessen, in der Feedbackbox im Backoffice. Analog, wohlgemerkt. Die digitale Version wurde wieder abgebaut. „Da kam einfach weniger rein.“ Und wenn es knirscht – wenn ein Mitarbeiter ein Thema hat, privat oder beruflich –, dann ist jemand da. „Unsere Leute kommen bei der Wohnungsfindung zu uns, mit privaten Themen oder wenn ihr Pony krank geworden ist“, erzählt sie mit einem Lachen. „Das klingt banal, aber es ist so wichtig, Verständnis zu zeigen. Wir wollen einfach jedes Klischee widerlegen, das sich unsere Branche selbst eingebrockt hat. Wir können Führungskräfte ausbilden. Wir haben Aufstiegschancen, Zeitaufzeichnung auf die Sekunde und zahlen 35 Prozent Sonntagszuschlag – freiwillig, weil wir es wollen.“ Ob sie damit schon am Zenit sind? Kopfschütteln. „Es gibt immer Luft nach oben!“ Und dann lacht sie. „Allein in den letzten fünf Jahren hat sich so vieles verändert. Das hätte ich mir nie vorstellen können.“_

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