Wie man das Feuer in Teams entfacht
Nicht jede Flamme braucht einen Blasebalg. So manche lässt sich retten, bevor sie erlischt. Und nicht jeder Funke lässt sich zu einem großen Feuer entfachen. Daniel Ipser, Geschäftsführer von Weber-Stephen Österreich, über die Kunst, eine Wohlfühlatmosphäre mit Leistungsbereitschaft zu verbinden und Verantwortung abzugeben – ohne sich die Finger zu verbrennen.
„Ich brauche etwas, das emotionalisiert“, sagt Daniel Ipser mit einem Funkeln in den Augen, das uns keine Sekunde an dieser Aussage zweifeln lässt. „Ohne Leidenschaft bringst du nicht die Extrameile.“ Wer für eine Marke arbeitet, muss sie mit Überzeugung vertreten. Das ist sein Grundsatz – und der Grund, warum er auf seinem Werdegang bisher immer direkt die Branchen wechselte statt nur den Arbeitgeber. Sony Ericsson. Dann Dyson. Jetzt Weber. Seit 2023 führt er die österreichischen Geschäfte des amerikanischen Grillgiganten, der seinen Ursprung in einer Schiffsboje aus einer Schweißerei in Illinois hat. „Viele fragen mich bis heute, ob Weber aus Deutschland oder Österreich kommt“, verrät Daniel bei unserem Besuch. Weder noch. Und doch haben die Grills hierzulande zahlreiche Gärten und Herzen erobert.
Typen statt Profis
Das eine sind die Produkte, das andere sind die Menschen dahinter. „Ich brauche Typen in meinem Team. Jene mit dem gewissen Etwas, du spürst, wenn sie einen Raum betreten – keine klassischen Professionisten.“ SAP könne man lernen, Excel auch. „Aber die Person ist die Person. Und wenn du keinen guten Team-Spirit hast, schaffst du die Tiefs nicht“, sagt er. Was er nicht mag: Menschen, die über frühere Arbeitgeber schimpfen. Ein Zeichen von Charakter, das ihm mehr sagt als jeder Lebenslauf. Was er hingegen liebt: „Edginess“. Menschen, die ihm nicht nur nach dem Mund reden, sondern fragen: „Daniel, bist du sicher, dass das die richtige Entscheidung ist?“ Leute, die eigene Ideen einbringen und Entscheidungen auch ohne sein Zutun im Sinne des Unternehmens treffen. „Beides ist so, so wertvoll.“
„Attitude over Performance“, so sein Credo. Was er dabei nie außer Acht lässt, sind unterschiedliche Stärken und Fähigkeiten innerhalb des Teams, die einander ergänzen. Und es ist das Umfeld, das er als Führungskraft dafür schaffen muss. „Ohne Empathie geht’s nicht. Hast du sie nicht, bist du ein Manager und kein Leader.“ Erfahrene Grillmeister wissen: Wer das Steak zu oft wendet, bekommt kein gutes Ergebnis. „Ich bin kein Micro-Manager. Wenn ich von heute auf morgen ausfalle, muss das Team funktionieren. Wenn es das nicht kann, habe ich etwas falsch gemacht“, sagt er und muss plötzlich lachen. „Außerdem, wie soll ich sonst jemals Urlaub machen?“
5 Werte-„Zutaten“
für Daniel Ipsers Leadership-Erfolgsrezept
#1 Vertrauen
#2 Empathie
#3 Ehrlichkeit
#4 Integrität
#5 Transparenz
Bevor das Feuer erlischt
Zum richtigen „Environment“, wie er es nennt, kann und muss aber auch jeder im Team beitragen. „Egal ob Führungsrolle oder nicht – ich glaube, jeder sollte den Anspruch haben, an einer guten Kultur zu arbeiten.“ Zu viel Lebenszeit fließe in die Arbeit, als dass man sich unwohl fühlen oder Zeit in einem toxischen Umfeld verbringen sollte. Sein Test: der Sonntagabend. „Wenn du dann mit (k)einem guten Gefühl in den Montag schaust, hast du die Antwort schon.“ Damit es gar nicht erst so weit kommt, stellt Daniel gerne früh die richtigen Fragen. „Das kann etwas ganz Banales sein.“ Ein einfaches, aber ehrliches „Wie geht’s dir?“ etwa. „Nur musst du dann auch bereit sein, mit der Antwort entsprechend umzugehen.“
Denn der Grund kann alles sein: privat, beruflich oder beides. „Ein Tier gestorben, eine Scheidung, ein Todesfall“, zählt er auf. „Das beeinflusst die Leistung und das ist menschlich“, weshalb er gerne den Blick auf den Menschen hinter der Kennzahl werfe. „Gleichzeitig gilt aber: Wenn jemand nie dort ankommt, wo man ihn erwartet hat, muss man das ansprechen. Und manchmal auch handeln. Am Ende des Tages ist es trotzdem ein Unternehmen.“ Und Entscheidungen, die nicht allen gefallen? Die gibt es. „Die wird es immer geben. Und man kann nicht nur geliebt werden“, sagt er abschließend. „Aber man kann erklären, Kontext liefern, Verständnis schaffen – und dann akzeptieren, dass nicht jeder einverstanden sein muss.“_
Redaktion
- David Bauer
Fotos
Philipp Lipiarski