Bunt, laut, mutig
Wie gelingt Vereinbarkeit wirklich? Was braucht eine inklusive Arbeitswelt? Und was tun, wenn der Dauerleistungsmodus zur Erschöpfung führt? Drei Menschen, drei Perspektiven und ehrliche Antworten auf Fragen, die uns alle angehen.
Über manche Themen wird bereits viel gesprochen, doch es scheint sich nur langsam etwas zu verändern. Zum Beispiel über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Inklusion oder die stille Erschöpfung, die entsteht, wenn man zu lange zu viel trägt. Dieser Artikel lässt drei Frauen zu Wort kommen, die in diesen Themen nicht Theorie, sondern gelebte Realität sehen. Und alle drei haben Tipps mitgebracht: zum Hören, Feiern und Leben im Alltag.
>Vereinbarkeit ist kein Frauenprojekt
Ines Eschbacher führt valantic Austria mit rund 170 Mitarbeitenden und hat gleichzeitig zwei kleine Kinder. Dass das funktioniert, liegt nicht an Zauberei, sondern an einem System. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Jürgen hat sie sich bewusst entschieden, Elternschaft wirklich gleichberechtigt zu leben: mit klaren Absprachen, Back-up-Plänen für Krankheitstage und dem gezielten Einsatz von Geld für Entlastung – vom Haushalt bis zu Lieferdiensten. Zeit und Energie, sagt sie, seien die knappsten Ressourcen. Und so kauft man sich beides zurück.
AnSÄTZE für Menschen, die Familie und Beruf unter einen Hut bringen wollen – von Ines Eschbacher:
#1 Die Illusion loslassen. Hör auf, zu glauben, dass du alles gleichzeitig haben kannst. Weniger Freizeit, weniger Zeit mit Freunden und bewusste berufliche Pausen gehören dazu – als Entscheidung, nicht als Niederlage.
#2 Als Paar strategisch planen. Wer gibt wann Gas? Wer hält wann den Rücken frei? Das klingt unromantisch, rettet aber oft Beziehungen, Karrieren und die mentale Gesundheit.
#3 Hilfe holen ohne schlechtes Gewissen. Viele Familien versuchen, zwei Vollzeitkarrieren, Kinder und Haushalt allein zu stemmen. Das funktioniert langfristig oft nicht. Kauf dir also deine Zeit zurück.
Was sie trotzdem am meisten herausfordert? Zu akzeptieren, dass es Phasen gibt, in denen sie beruflich bewusst zurückschaltet. Das fühle sich nicht immer gut an, gibt sie offen zu. Heute sieht sie es als strategische Entscheidung – für eine Lebensphase, in der die Kinder noch klein sind und sie noch gerne um sich haben. Und dafür ist sie dankbar. Genau über solche Widersprüche spricht sie im Podcast „Vereinbarkeit Next“, den sie gemeinsam mit ihrer Co-Hosterin Susanne führt, die als alleinerziehende Gründerin eine ganz andere Realität lebt. Keine Hochglanzratschläge, sondern zwei Frauen, die diese Realität gerade selbst durchleben – ehrlich, unbequem und ohne Filter.
Wenn Funktionieren zur Erschöpfung wird
Sie organisieren, leisten, kontrollieren, entscheiden, im Business wie privat. Immer mehr Frauen leben dauerhaft im Modus des Funktionierens. Alexandra Soucek, diplomierte Mental-, Intuitions- und Bewusstseinstrainerin, beobachtet dieses Phänomen täglich in ihrer Beratungsarbeit: Viele Frauen verlieren dabei den Zugang zu ihrer weiblichen Kraft und ihrem inneren Kind. Die Folge sind innere Leere, emotionale Überforderung, fehlende Leidenschaft und das Gefühl, sich selbst nicht mehr wirklich zu spüren.
Soucek hat sich mit ihrem Unternehmen „Grande Mentale“ zur Mission gemacht, diese Negativspirale zu durchbrechen, und zwar nicht mit Motivation, sondern mit nachhaltiger innerer Arbeit. Denn Reden allein verändert nichts. Es braucht die unterbewusste Ebene. In ihrer Arbeit geht es darum, alle drei inneren Anteile – den inneren Mann, die innere Frau, das innere Kind – wieder in Balance zu bringen. Erst dann entsteht echte mentale Stärke, die hält.
Mentale Übungen für Frauen im Businessalltag – von Alexandra Soucek:
#1 Wirkungsvolles Atmen. Denke an das Gefühl, das du in dein Leben holen möchtest, etwa Gelassenheit. Atme dieses Wort bewusst ein. Öffne beim Ausatmen den Mund weit und lasse gegensätzliche Gefühle wie Angst oder Stress bewusst los.
#2 In eine andere Energie gehen. Wenn du dich schlecht fühlst, verändere bewusst deine Energie. Gehe ein paar Schritte weiter oder verlasse kurz den Raum und stelle dir vor, dort wartet bereits ein neues Gefühl auf dich.
#3 DIE INNERE REINIGUNG. Nutze deine nächste heiße Dusche, um bewusst loszulassen. Stelle dir vor, wie das Wasser alles mitnimmt – den Druck zu funktionieren, die Schwere des Tages und die Erwartungen anderer. Atme tief und sage dir: Ich darf loslassen. Es darf einfach sein. Tritt aus der Dusche als die Person, die du bist, wenn niemand etwas von dir braucht.
>Wenn Inklusion tanzt
Monika Haider ist Gründerin und Gesellschafterin des Kompetenzzentrums equalizent, Mitgründerin des Software-Unternehmens Sign Time und Ballmutter des Diversity Balls. Letzteres ist kein Ehrentitel, sondern ein Auftrag. Denn der Diversity Ball ist die einzige inklusive Großveranstaltung in Wien: Menschen mit und ohne Behinderung feiern gemeinsam, Gebärdensprache erhält sichtbare Bühne, barrierefreie Zugänge sind selbstverständlich und Eintrittskarten bewusst günstig, damit wirklich jede Person teilnehmen kann.
Für Haider ist der Ball mehr als ein Abend im Jahr. Er ist Symbol und Beweis zugleich: dass Inklusion keine Utopie ist, sondern aktiv gestaltet werden kann. Der Diversity Ball ist ein Abend für alle Menschen – unabhängig davon, welcher Community sie angehören, welche Herkunft sie haben, wie sie leben oder welche Fähigkeiten sie mitbringen. Er schafft einen Raum, in dem Vielfalt sichtbar wird und Begegnung auf Augenhöhe möglich ist. Mehr als eine Million Menschen haben den Ball bisher im ORF verfolgt, über 380 Presseberichte haben darüber berichtet. Und doch bleibt die Finanzierungslücke real, weil gelebte Inklusion Zeit, Ressourcen und eine Haltung braucht, die sich nicht wegsparen lassen. Was sie sich für die Arbeitswelt wünscht, ist ähnlich konkret: keine Lippenbekenntnisse zu Diversity, sondern strukturelle Veränderungen. Inklusion entsteht dort, wo Prozesse fair gestaltet werden, Führungskräfte bewusst handeln und Vielfalt in Entscheidungen tatsächlich sichtbar wird. Nur so wird aus dem Anspruch auf Chancengleichheit gelebte Realität._
Hebel für eine inklusivere Arbeitswelt – nach Monika Haider:
#1 Klare Strukturen schaffen Vertrauen und Fairness. Inklusive Stellenanzeigen, einheitliche Interviewleitfäden, transparente Karrierewege – Verlässlichkeit und Chancengleichheit beginnen bei fairen Prozessen.
#2 Führung gestaltet Zugehörigkeit. In Meetings bewusst ruhigere Stimmen einzuholen, Feedback zu ermöglichen, unterschiedliche Perspektiven zu fördern: Inklusion zeigt sich im täglichen Miteinander.
#3 Vielfalt mit Verantwortung verbinden. Diversität in Führungspositionen und Projektverantwortung ist kein Nice-to-have. Unterschiedliche Hintergründe verbessern die Qualität von Entscheidungen nachweislich.
Sei dabei am Diversity Ball!
Wann? 5. September 2026
Wo? Rathaus Wien
Tickets und Infos: diversityball.at/tickets
>>> WAS DIESE DREI PERSPEKTIVEN VERBINDET?
Die Überzeugung, dass Veränderung möglich ist.
Wenn man aufhört, sie als Idealzustand zu beschreiben, und anfängt, sie konkret zu gestalten.
Im Podcast. Im Ballsaal. Im eigenen Inneren._
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Eschbacher; valantic Austria / Constantin Seuss; Soucek: StudioDLight; Haider: Diversity Ball