Mehr als Kapital
Die Invest AG ist der größte Private Equity Fonds Österreichs, der genau dann auftaucht, wenn Menschen eine Entscheidung treffen müssen, die ihr Lebenswerk betrifft. Wir begleiten Investment Director Florian Peter zu einem Besuch bei Scheinecker in Steinhaus bei Wels und Vorstand Christoph Hikes zu NGA Next Generation Analytics in Grieskirchen. Zwei Orte, zwei Geschichten, ein gemeinsamer Nenner: Vertrauen.
In der Produktionshalle von Scheinecker in Steinhaus bei Wels versteckt sich etwas, das man in Österreich immer seltener findet: Spezial-Know-how auf Weltklasseniveau. Hier werden Präzisionswerkzeuge gefertigt – um Bohrungen und Fräsungen in Leichtbaumaterialien mit einem Effizienzgrad, den selbst Konzerne mit tausend Mitarbeitenden nicht einfach replizieren können, durchzuführen. Komplexe Werkzeuge, für die ein Kunde morgens um zehn anruft, um sie bis vier Uhr nachmittags zu bekommen. Gezeichnet, entwickelt, getestet, produziert, ausgeliefert.
Christoph Graul, seit fünfzehn Jahren Geschäftsführer, erzählt das mit einer Ruhe, die zeigt: Er glaubt an das, was er tut. Und seine Mitarbeitenden sind ebenso begeistert wie er, von einem Bauteil, einem Auftrag, von der Präzision, die ihre Arbeit verlangt. Neben ihm sitzt Florian Peter, Investment Director der Invest AG. Genau das, sagt er, war auch das Erste, das ihn am Unternehmen überzeugt hatte. Die Menschen.
Nische als Stärke
2024 war Ulrike Scheinecker-Graul klar, dass sie das Unternehmen, das ihr Vater 1975 gegründet hatte und das sie selbst über Jahrzehnte geführt hatte, in andere Hände geben wollte. Die Begleitung durch KPMG war professionell, der Prozess sauber aufgesetzt und am Ende war die Invest AG die stimmigste Wahl. Es habe einfach gepasst, sagt Graul. Menschlich gepasst. Schon nach den ersten Gesprächen war die Entscheidung für ihn und seine Frau klar.
Die Invest AG tritt bei Scheinecker nicht allein auf, sondern als Konsortium aus drei Partnern. Was alle drei eint: kein Wille, Know-how ins Ausland zu verlagern. „Wir wollen keine Um- oder Restrukturierungen machen, sondern vor allem die Wertschöpfung in der Region behalten“, sagt Peter. Deswegen auf dem Plan: Vertrauen schaffen, Netzwerke öffnen, Investitionen ermöglichen. Die Betriebsversammlung, auf der die Mitarbeitenden von der Übergabe erfuhren, war emotional. Der Reflex ist verständlich: Ein Verkauf bedeutet in den Köpfen vieler Restrukturierung, Kündigung, Keule. Was stattdessen folgte, waren Einzelgespräche mit jedem einzelnen Mitarbeitenden und die Erkenntnis, dass niemand das Unternehmen verlässt. Im Gegenteil: Sogar Ehemalige kehrten zurück.
Wo soll Scheinecker in fünf Jahren stehen? Graul antwortet ohne Zögern: Systemlieferant für europäische Luftfahrthersteller im Bereich Leichtbauteile. Kein Massengeschäft, aber tiefes Spezial-Know-how, das europäischen Konzernen zur Verfügung steht, die erkennen, dass regionale Flexibilität ihren Preis hat und es wert ist. Wenn man die Fertigung nach Asien verlagere, sagt er, sei man kein wendiges Boot mehr. Florian Peter sieht das genauso: Gerade die Krisen der letzten Jahre haben gezeigt, wie anfällig lange Lieferketten sind und wie viel ein Betrieb wert ist, der in sechs Stunden liefern kann.
Von der Idee zur internationalen Gruppe
Von Steinhaus bei Wels fahren wir weiter nach Grieskirchen zu Next Generation Analytics. Die NGA Gruppe vereint Unternehmen aus den Bereichen Extrusionsmaschinenbau, Folienprüfsysteme und Recyclingtechnologien und ist längst kein regionales Phänomen mehr, sondern in 112 Ländern aktiv. Friedrich Kastner und Corné Verstraten empfangen uns. Beide haben das Unternehmen 2014 übernommen, damals noch gemeinsam mit Partnern der NGH Next Generation Holding. Nun haben sie auch die letzten 49 Prozent der Anteile erworben. Die Unternehmensgruppe gehört ihnen zu 100 Prozent. Finanziert wird die Transaktion von der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Raiffeisenbank Grieskirchen sowie von der Invest AG.
Was 2014 mit dem Kauf des traditionsreichen bayerischen Unternehmens Collin begann, hat sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt, die in der mittelständischen Branche ihresgleichen sucht. Der Umsatz hat sich seither verdreifacht, die Gruppe zählt heute rund 180 Mitarbeitende an Standorten in Österreich, Deutschland, den USA, Singapur und Indien, die Exportquote aus Deutschland beträgt 85 Prozent.
Die Zusammenarbeit mit der Invest AG hat eine lange Geschichte. Schon bei der ursprünglichen Akquisition 2014 war die Invest AG über Vorgängerstrukturen beteiligt. Als Josef Hochreiter, CEO der NGH, Kastner im November 2025 im Flieger kurz vor dem Touchdown anrief und fragte, ob er die restlichen 49 Prozent kaufen wolle, antwortete Kastner ohne Zögern. Keine Millisekunde habe es gedauert, sagt er. Vom Termsheet bis zum Signing: Rekordzeit.
Christoph Hikes, Vorstand der Invest AG, betont, was diesen Deal möglich machte: Man kennt einander seit Jahren, das Management ist stabil, das Vertrauen gewachsen. Wenn das Vertrauen zu Beginn nicht da sei, lasse man lieber die Finger davon, auch wenn es ein gutes Unternehmen sei. Ein Prinzip, das die Invest AG konsequent lebt: mit 20 Mitarbeitenden und 56 Beteiligungen, ohne operativ zu dirigieren, aber immer nah genug dran, um zu gestalten.
Scheinecker
Gründungsjahr: 1975
Mitarbeitende: knapp 30
Standort: Steinhaus bei Wels, Oberösterreich
Regionale Wertschöpfung: ca. 90 %
Kernkompetenz: Präzisionswerkzeuge für Leichtbaumaterialien, Luftfahrt & Automotive
Gesellschaftsstruktur: Invest-AG-Konsortium
Vertrauen als Währung, die zählt
Beide Geschichten – Scheinecker und NGA – führen am Ende zum selben Punkt. Nicht das Kapital allein entscheidet, ob eine Beteiligung gelingt. Es sind die Menschen dahinter. Die Motivation der Mitarbeitenden, die Glaubwürdigkeit des Managements, die Bereitschaft aller Beteiligten, langfristig zu denken, statt kurzfristig zu optimieren. Kastner betont: Kunden, Geschäftspartner, Mitarbeitende – alle hätten positiv auf die Vollübernahme reagiert. Weil Stabilität Sicherheit schafft. Und weil alle überzeugt sind, dass das Wissen im Unternehmen bleibt, das Know-how nicht ins Ausland wandert und die Mannschaft zusammenhält. Und auch Christoph Graul von Scheinecker bestätigt: Das Vertrauen aller Beteiligten war im gesamten Prozess das Allerwichtigste.
Was am Ende dieser zwei Besuche bleibt? Zwei Unternehmen, zwei Branchen, eine gemeinsame Investitionslogik. Die Invest AG sucht nicht die einfachsten Deals, sondern die richtigen Menschen. Und wenn sie sie findet, dann profitieren beide Seiten._
Next Generation Analytics
Übernahme durch Kastner & Verstraten: 2014
Mitarbeitende: ca. 180 (Gruppe)
Gruppenumsatz: ca. 40 Mio. Euro
Exportquote: ca. 85 % (aus Deutschland)
Standorte: Grieskirchen & Inzersdorf (AT), Maitenbeth & Hanau (DE), USA, Singapur, Indien
Marktpräsenz: 112 Länder
Eigentümerstruktur (seit Mai 2026): Dr. Kastner GmbH 70 %, Verstraten GmbH 30 %
Finanzierungspartner: Raiffeisenlandesbank OÖ, Raiffeisenbank Grieskirchen, Invest AG
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Sabine Kneidinger, Next Generation Analytics / Andreas Maringer