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 The GOOD, the BAD & the UGLY
Menschen Unternehmen

The GOOD, the BAD & the UGLY

5. Juni 2026

Die Kamera schwenkt über einen staubigen Friedhof. Dank Ennio Morricones Musik stockt einem der Atem. Drei Männer starren sich an – sie alle wissen, gleich wird geschossen. Sergio Leones Klassiker „Zwei glorreiche Halunken“ hat nicht umsonst Filmgeschichte geschrieben. Für unser Interview mit IV-OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch entleihen wir den Originaltitel. Denn selten passte ein Filmtitel besser zur aktuellen Lage der europäischen und speziell der (ober-)österreichischen Industrie: Zwischen EU-Indien-Deal, Industriestrategie und bürokratischer Realität zeigt sich ein ebenso angespanntes wie ambivalentes Bild.

# the GOOD

Das Gute lässt sich schnell verorten: „40 Prozent der österreichischen Exporte nach Indien kommen aus Oberösterreich“, erklärt Haindl-Grutsch, der den neuen Abkommenspartner erst kürzlich bei einer Standortreise vor Ort erleben durfte. Indien sei ein Wachstumsmarkt. Kein einfacher, zugegeben. „Man steigt nicht ein und macht am nächsten Tag sofort große Geschäfte.“ Aber wer den Markt versteht, könne dort langfristig erfolgreich sein. Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien ist für ihn deshalb eine willkommene Überraschung zum Jahresauftakt. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch geopolitisch. „Man stuft Europa als verlässlichen Partner auf Augenhöhe ein – vorausgesetzt, wir ziehen endlich den moralischen Zeigefinger wieder ein.“ 

Auch Oberösterreich selbst gehört für ihn zur Kategorie „Good“. Finanzpolitisch habe das Bundesland nie über seine Verhältnisse gelebt: Budgetüberschüsse statt Schuldenberge. Investitionen in Infrastruktur, Fachhochschulen, Qualifizierung. „Wenn ich mir etwas wünschen darf, dann ist es mehr Tempo, weil sich die Welt rasch weiterdreht.“ Beim Blick auf die österreichische Industriestrategie unterstreicht er das. „Grundsätzlich sind wir dankbar, dass es diese gibt.“ Allein das Signal sei Gold wert. 

Wir sind wieder an der Wasseroberfläche angekommen – aber von Abheben ist keine Rede.
Joachim Haindl-Grutsch
Geschäftsführer, IV OÖ

# the BAD

Und doch: „Vieles kommt nicht sofort. Der Industriestrompreis etwa erst 2027. Wenn Deutschland ihn ab 2026 rückwirkend einführt, ist das schon wieder ein Jahr Nachteil für Österreich.“ Außerdem sei die Industriestrategie zwar die Antwort auf Zukunftsfragen. „Doch auf Bundesebene wurden finanzpolitische Versäumnisse aus der Vergangenheit nicht aufgearbeitet. Auch größere Strukturreformen lassen weiter auf sich warten.“ Das zarte Wachstum? Ist für Haindl-Grutsch kein Grund zum Aufatmen. „Wir sind wieder an der Wasseroberfläche angekommen – aber von Abheben ist keine Rede.“ Europa hinkt im weltweiten Vergleich beim Wirtschaftswachstum hinterher. „Und Österreich ist der Nachzügler in Europa.“

# the UGLY

Und schon kommen wir zu dem, was den IV-OÖ-Geschäftsführer deshalb zum Kopfschütteln bringt. Zum einen zeige das „Mercosur-Drama“ – wie er es nennt –, wie sehr sich Österreich selbst im Weg steht. „Dass man sich bei der Abstimmung hinter Italien versteckt, das auch ohne uns für eine Mehrheit sorgt, ist ein Schuss ins eigene Knie.“ Zum anderen vermisst er den politischen Turnaround auf Bundesebene. „Bei den Menschen ist es längst angekommen. Jeder spürt, was sich auf der Welt tut. Nur in der politischen Entscheidungsfindung spiegelt sich das noch nicht wider.“ Noch immer würden einige die Arbeitszeit verkürzen, andere neue Steuern einführen wollen. „Dabei ist jetzt die Zeit, den Menschen reinen Wein einzuschenken und um mutige Entscheidungen zu treffen.“_

Redaktion

  • David Bauer

Fotos

IV OÖ / Erik Kruegl

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