Über Quiet Quitting – und das beste Rezept, damit es nicht so weit kommt

Brennst du noch für deine Arbeit oder „quiet quittest“ du schon? Was haben eine überlastete Sekretärin, der bei der Beförderung übergangene Assistent oder die unterforderte Spitzenlogistikerin gemeinsam? Sie haben in ihrer Arbeit auf den ersten Gang zurückgeschaltet – statt auf der Überholspur zu bleiben. Rechtsexpertin Florina Thenmayer über die vielfältigen Gründe von Quiet Quitting sowie sieben Zutaten, die das Feuer der Begeisterung in den Job zurückbringen.

Was ist „Quiet Quitting“, fragen wir die Expertin. Grundsätzlich bedeute der Begriff „Dienst nach Vorschrift“, so die Rechtsanwältin. Man tue, was der Dienstvertrag verlangt, und ist nicht mehr bereit, die Extrameile im Job zu gehen. Um ein neues Phänomen handelt es sich dabei nicht, nur „hat es jetzt einen Namen bekommen“.  

Wer nimmt Ihre Beratung in Anspruch?

Florina ThenmayerEs sind in der Regel die Arbeitgeber:innen. Sie kommen mit der Frage, wie mit Mitarbeiter:innen umzugehen ist, die nicht den Erwartungen entsprechen – wie kann man sie motivieren oder – als letztes Mittel – kündigen? In letzterem Fall helfen wir unseren Mandant:innen dabei, das richtige Paket zu schnüren, damit man sich im Guten trennt und nicht vor Gericht streiten muss. Schaut man genauer hin, entdeckt man oft recht komplexe Situationen, in denen Mitarbeiter:innen versuchen, sich aus Selbstschutz von der Arbeit abzugrenzen. Indem sie ihr Arbeitspensum auf das Allernötigste herunterfahren.

Ich glaube, dass es, wie im Leben, auch bei Quiet Quitting nicht nur Schwarz und Weiß gibt

Florina Thenmayer ist seit 2015 bei DORDA (als Legal Assistant) und seit 2021 als Rechtsanwältin für Arbeitsrecht und Gesellschaftsrecht in der Kanzlei. Davor hat sie zwei Jahre in London bei DAC Beachcroft LLP im Bereich Mergers & Acquisitions und Kapitalmarktrecht gearbeitet. Seit 2021 ist sie auch in England und Wales als Solicitor zugelassen.

Die berühmte Extrameile im Job – „muss“ man sie aus rechtlicher Sicht gehen?

Florina ThenmayerOft gibt es Dienstverträge, die die Verpflichtung vorsehen, Überstunden in einem zumutbaren Ausmaß zu erbringen. Doch selbst wenn dies nicht vereinbart ist, sind Arbeitnehmer:innen dazu verpflichtet, in einer Notsituation im Betrieb – über das Ausmaß ihrer Normalarbeitszeit hinaus – zu helfen. Dienstnehmer:innen schulden nämlich nicht nur Arbeitszeit, sondern auch eine gewisse Treuepflicht.

Hat auch ein Dienstgeber gewisse Pflichten zu erfüllen, die über Gehalt und Co. hinausgehen?

Florina ThenmayerJa. Denn die Kehrseite der Treuepflicht der Arbeitnehmer:innen ist die „Fürsorgepflicht des Arbeitgebers“. Die Mitarbeiter:innen müssen gut behandelt, auch gut geführt werden. Sie sollen sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen. In der Regel bemühen sich die Arbeitgeber auch, unangenehme Situationen im Betrieb zu bereinigen.

Was sind typische Anzeichen für Quiet Quitting im Vorfeld?

Florina ThenmayerEs könnte sein, dass die betreffende Person beispielsweise nicht mehr an Meetings teilnimmt, sich immer öfter ins Homeoffice zurückzieht, um bestimmten Personen aus dem Weg zu gehen. Mein erster Rat im Krisenfall ist es, der Sache auf den Grund zu gehen. Hier sind viele Ursachen denkbar, vom mangelnden Leadership über Mobbing bis zu Überforderung.

Können Sie konkrete Beispiele aus Ihrer Tätigkeit nennen?

Florina ThenmayerWenn etwa ein:e Mitarbeiter:in im Zweikampf um eine Beförderung den Kürzeren zieht und die eine Person der anderen danach zuarbeiten muss, kann dies schwierig werden. Oder: Man wächst über den eigenen Job hinaus, kann nichts mehr lernen, fühlt sich unterfordert und gerät in die sogenannte „Boreout-Falle“. Oder wenn sich Arbeit und Familie nicht vereinbaren lassen und man sich permanent zurücknehmen muss, um seinen Alltag zu bewältigen. Last, but not least, das Thema Anerkennung: Wird mein Arbeitseinsatz wertgeschätzt?

Wie wichtig sind die sinnstiftenden Aspekte der eigenen Tätigkeit?

Florina ThenmayerDie sind vor allem in der jüngeren Generation sehr wichtig. Wenn man sich mit seiner Arbeit identifizieren kann und darüber hinaus spürt, dass die eigene Leistung einen greifbaren Unterschied im Betrieb macht, ist das einfach unbezahlbar._

7 Zutaten für echte Motivation im Job

„Das beste Rezept für eine gelungene Arbeitssituation im Unternehmen ist, den Gegensatz zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu überwinden und sich wertschätzend und respektvoll zu begegnen. Denn: Beide Parteien sind aufeinander angewiesen.“

1. Wertschätzung, Verständnis, Anerkennung

Es kostet wenig, seinen Mitarbeiter:innen gegenüber echte Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen.

2. Eine gemeinsame Roadmap aus Unternehmenszielen und persönlichen Zielen erarbeiten

Beide Seiten stehen sich auf Augenhöhe gegenüber, nehmen Rücksicht aufeinander, finden eine gemeinsame Ausrichtung, die für beide passt.

3. Flexibilität der Arbeitszeit

Gleitzeit oder andere flexible Arbeitszeitmodelle anbieten, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen und den Mitarbeiter:innen mehr Freiheit einzuräumen.

4. Belohnung als Ansporn

Das Erreichen der gewünschten Performance oder bestimmter Ziele belohnen.

5. Weiterentwicklung ermöglichen

Fortbildungsangebote definieren oder Secondments – etwa an einem anderen Standort – anbieten.

6. Die Mitarbeiter:innen und das Team stärken

Teambuilding-Maßnahmen und informelle Events sind eine Möglichkeit, um sich besser kennenzulernen.

7. Zusätzliche Benefits

Ein kleines Plus über die vereinbarte Urlaubszeit hinaus, mehr Elternkarenz als üblich, mehr Gehalt, Erlaubnis für den Hund im Büro.

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