„Habt Mut zur Veränderung!“

(Frauen-)Quoten, flexible Arbeitszeitmodelle, behindertengerechte Zugänge, Interkulturalität oder vielfältige Lebensverläufe und Meinungen – Diversität in unserem Alltag und vor allem im Berufsleben ist mannigfaltig. Durchgehend präsent. Und sie polarisiert (noch). Warum Vielfalt so wichtig ist wie nie zuvor und was wir von ihr lernen können: ein Annäherungsversuch.

Disneys „Coco“, die Netflix-Serie „Sex Education“ oder das Kinderbuch „Good Night Stories for Rebel Girls“; sie alle beschäftigen sich auf die eine oder andere Art mit Diversität. Und das tun sie, indem sie Vielfalt in den Mittelpunkt stellen. Und zwar Vielfalt in jeder Hinsicht. Nicht nur in Bezug auf die sieben Kerndimensionen von Diversität – Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung, Behinderung, Ethnizität/Nationalität, Race/Hautfarbe und Religion/Weltanschauung –, sondern auch in Bezug auf Meinungen, Persönlichkeiten und Biographien von Personen.

Um das Konzept besser fassen zu können, haben wir mit vier Expertinnen aus unterschiedlichen Feldern gesprochen und alle waren sich einig: Die eigentliche Herausforderung ist nicht das Vorhandensein von Diversität, sondern der Umgang damit. Und dieser Umgang kann die Basis für viel Positives im unternehmerischen Umfeld sein: mehr Kreativität, mehr Innovation, mehr Wettbewerbsfähigkeit und tragfähigere Problemlösungen sowie ein respektvolles Arbeitsklima mit transparenten Prozessen, Gerechtigkeit und gesteigerter Produktivität. Und dies sind nur einige der Gründe für Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeiter:innen, sich intensiver mit dem Thema zu befassen.

Marie-Thérèse Claes

... ist Universitätsprofessorin und Leiterin des Instituts für Gender und Diversität in Organisationen der Wirtschaftsuniversität Wien.

Von welchem Verständnis von Diversität gehen Sie in Ihrer Arbeit aus?

Marie-Thérèse ClaesDie Diversität rund um uns ist einfach da. Wir sind verschieden. Wichtig ist, was wir damit tun: Versuchen wir, die Unterschiede nicht zu sehen, oder inkludieren wir die Menschen, die anders sind, damit wir von ihnen lernen können und insgesamt mehr Kreativität und andere Perspektiven erhalten? Ein sehr wichtiges Konzept ist das der Intersektionalität. Das bedeutet, wir denken nicht mehr in einzelnen Kategorien, sondern wir machen uns bewusst, dass es mehrfache Diskriminierungen aufgrund unterschiedlicher Merkmale geben kann.

Wie kann man diesen Diskriminierungen entgegenwirken?

Marie-Thérèse ClaesIndem man erst einmal deutlich macht, dass man Diskriminierung im Unternehmen nicht akzeptiert. Eine Inklusion von Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen kann nur gelingen, wenn sie das Gefühl haben, part of the team zu sein und ihre Identität nicht draußen lassen zu müssen. Es muss ein Klima geschaffen werden, das deutlich macht, dass alle willkommen sind. Denn diese Diversität bereichert.

Geht es bei Diversitymanagement um mehr als Gewinnmaximierung und Leistungssteigerung?

Marie-Thérèse ClaesIch finde es durchaus in Ordnung, wenn Unternehmen diesen Aspekt sehen. Sie müssen Geld verdienen, sonst könnten sie nicht überleben. Dass Diversität ein Business Case ist, wissen wir. Aber es ist auch ein Moral Case dahinter. Es geht insgesamt darum, dass das Klima besser wird, die Menschen mehr Vertrauen haben, dadurch weniger Kontrolle brauchen und insgesamt kreativer und innovativer zusammenarbeiten. >

Wichtig ist, was wir mit der Diversität rund um uns tun.

Marie-Thérèse Claes Universitätsprofessorin und Leiterin des Instituts für Gender und Diversität in Organisationen der Wirtschaftsuniversität Wien

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