„Man muss für die Krise vor der Krise vorsorgen“

Friedrich Strasser, CIO der Bank Gutmann, und Heinrich Rothenthal, Leiter der Niederlassung in Linz, arbeiten hart daran, dass ihre Kunden nachts nicht schweißgebadet aufschrecken. Denn es ist besser, die Schaufeln fürs Goldgraben zu verkaufen, als selber nach Gold zu graben, sagen sie.

Was war die häufigste Frage, die Ihnen Kunden während der Coronapandemie gestellt haben?

ROTHENTHALDie Kunden wollten wissen, ob sie jetzt einsteigen sollen. Beziehungsweise fragten sie sich: „Wir sind in der größten Krise seit den 1930ern und die Kurse steigen trotzdem. Was ist da los?“

Welchen Rat haben Sie Ihren Kunden gegeben?

ROTHENTHALIn unserer Welt gibt es kein absolutes Ja oder Nein. Wir gehen deshalb sehr vorsichtig mit Antworten um, denn was für den einen passt, muss nicht zwingend auch für den anderen gut sein.

Die Aufgabe einer Privatbank war und ist es, Vermögen aufzubauen und zu erhalten. Also per definitionem ein sehr traditionelles Geschäft und die Bank Gutmann hat mit bald 100 Jahren Bestehen wohl ausreichend Erfahrung darin. Wie aber hat die Digitalisierung das Tagesgeschäft Ihrer Bank verändert?

STRASSERDie Digitalisierung wurde durch die Covid-19-Krise nochmals stark beschleunigt, wir hatten aber auch vorher bereits alle technischen Tools und Kanäle in Verwendung. Der große Sprung liegt vor allem im Bereich der Kommunikation. Wir haben den Anspruch, immer nah am Kunden zu sein, in schwierigen Zeiten noch mehr. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 etwa haben wir jeden einzelnen Kunden angerufen, um zu signalisieren, dass wir da sind. Heute gibt es mehr technische Tools und Kanäle, durch die wir den persönlichen Kontakt aufrechterhalten können. Das Persönliche kann dadurch aber nicht ersetzt, sondern nur ergänzt werden. Aus diesem Grund haben wir auch vor zwei Jahren unsere Filiale in Linz eröffnet.

Das Vermögen der zehn reichsten Menschen der Welt ist in den letzten zehn Jahren um über 200 Prozent gewachsen. Schaffen Sie das auch für Ihre Anleger?

STRASSERGanz ehrlich, nein. Diese Personen haben oft nur eine Aktie, eben ihre Firma, und während einer Pandemie entwickelt sich der Kurs zum Beispiel von Microsoft sehr gut, weil deren Produkte nachgefragt werden. Das kann sich aber auch rasch wieder ändern. Da wir auf aufbauende Vermögenswerte und Sicherheit abzielen, diversifizieren wir die Portfolios immer.

Was sind die Hauptfaktoren, von denen das Gelingen abhängt?

ROTHENTHALDas ist einerseits die Streuung des Portfolios und andererseits die Qualität der Veranlagung. Hinzu kommt, dass unsere Mitarbeiter die Kunden viele Jahre, manchmal sogar mehrere Generationen betreuen.

STRASSERMan muss für die Krise vor der Krise vorsorgen, denn in der Krise ist es zu spät. Niemand kann wissen, ob die nächste Krise in einem Monat oder in zehn Jahren beginnt. Wenn ich aber ein gut diversifiziertes Portfolio habe, dann komme ich durch die Krise. Deshalb ist ein weiterer wichtiger Faktor die Kommunikation mit Kunden. Gerade in der Krise müssen wir ihnen als Bank Sicherheit geben, damit es zu keinen Kurzschlusshandlungen kommt.

Was kann ich als Kunde beitragen?

STRASSERWenn die Börsenkurse steigen, will jeder dabei sein, wenn sie fallen, will jeder draußen sein. Wenn ich wüsste, wie das geht, säße ich heute auf einer Insel. Wir sind deshalb sehr nah an unseren Kunden und versuchen ihnen zu zeigen, dass sie ihre Erwartungen managen müssen. Aus diesem Grund spielen wir am Beginn und auch während einer Beziehung immer unterschiedlichste Szenarien durch, auch retrospektiv, um zu erklären, was gewesen wäre, wenn man sich anders entschieden hätte. Die zentrale Frage lautet: Wann wird der Kunde schweißgebadet um zwei Uhr in der Nacht wach?

Im vergangenen Jahrzehnt waren Krypto-währungen, Aktien aus Schwellenländern oder Crowdinvesting in Immobilien angesagt. Was sind aktuelle Trends?

ROTHENTHALTrends fallen uns viele ein, etwa Wasserstoff, Biogenetik oder Reduktion von CO₂. Wir investieren hierbei nur in Unternehmen, die sehr breit aufgestellt sind, ein langfristiges attraktives Geschäftsmodell und solide nachhaltige Cash Flows haben. Nur auf einen Trend aufzuspringen, wäre uns ein zu hohes Risiko.

STRASSERIm Goldrausch verkaufe ich lieber Schaufeln, als selbst zu graben. Für uns sind zum Beispiel Firmen interessant, die Chips herstellen. Diese Chips werden in Spielkonsolen, E-Autos und so weiter verwendet. Dadurch trägt das Geld unserer Kunden zur Digitalisierung bei.

„Mein Freund hat mir letztens einen Tipp gegeben und einen Link geschickt. Das soll eine sehr starke Investitionsmöglichkeit mit einer sicheren Rendite sein.“ Auf welchen Rat soll ein Unternehmer hören, wenn es darum geht, sein Geld anzulegen?

STRASSERThere is no free lunch. Das ist zwar eine Plattitüde, aber wir als Bank wollen uns nicht von irgendwelchen Benchmarks treiben lassen. Vor zwei Jahren waren beispielsweise Vertreter von Wirecard bei uns auf Roadshow. Für die Abwicklung digitaler Zahlungen hatten wir aber bereits Visa im Portfolio. Wir wollten von Wirecard wissen, warum wir statt Visa sie kaufen sollten. Hauptsächlich haben die gesagt, dass sie digital sind. Digital ist aber schon jeder. Wir konnten uns deshalb keinen Reim darauf machen, wie ihre hohen Zahlen zustande kommen. Und nächste Plattitüde: Was wir nicht verstehen, kaufen wir nicht.

Herr Rothenthal, Sie sind seit zwei Jahren Leiter der Linzer Filiale. Was ist Ihr Resümee nach diesen zwei ja doch sehr unterschiedlichen Jahren?

ROTHENTHALWir sind angekommen und haben uns im Markt etabliert. Mittlerweile werden wir auch in Oberösterreich, wo wir vorher noch nicht so bekannt waren, von unseren Kunden weiterempfohlen, weil sie sehr zufrieden mit uns sind. Die Bank Gutmann strahlt Sicherheit aus. Wir sind eine Veranlagungsbank und keine Kreditbank. Unsere Eigenkapitalquote beträgt 25 Prozent.

Kontinuität bedeutet Stabilität. Das Gesicht Ihrer Bank ist für jeden Kunden der Betreuer. Worauf legen Sie bei Ihren Mitarbeitern wert?

STRASSERDer Betreuer ist am nächsten am Kunden dran. Deshalb übt er in unserem Haus einen allumfassenden Job aus, der bis zum Partner führen kann. Voraussetzung ist, dass die Philosophie der Bank mitgetragen wird: der enge Kontakt zu unseren Kunden. Die Mitarbeiter der Bank Gutmann haben deshalb in der Branche einen eigenen Stallgeruch. Wenn ich mit Kollegen von anderen Instituten spreche, merke ich das immer am deutlichsten._

# Gedanken

Man sagt, ein guter Bankberater muss seinen Kunden gelegentlich widersprechen. Wie oft müssen Sie Ihren Kunden widersprechen?

StrasserAm Anfang der Beziehung öfters.

RothenthalEin Berater darf nie zum Ja-Sager werden. Aus Prinzip zu widersprechen wäre aber auch über das Ziel hinausgeschossen.

Denke ich an Linz, …

Strasser… dann denke ich an den Anfang meiner Karriere, die hier vor 30 Jahren begonnen hat.

Denke ich an Wien, …

Rothenthal… denke ich daran, dass mich die Bank Gutmann seit meiner Kindheit begleitet, denn mein Vater hat früher im gleichen Haus gearbeitet. Also im Gebäude, nicht in der Bank.

Das Erste, das ich mir nach dem Lockdown kaufen werde, ist …

Strasser… ein Ticket für ein Kulturevent in meiner Heimatstadt Melk.

Rothenthal… ein feines Menü in einem guten Restaurant (für meine Frau und mich).

Was ist Ihr Lieblingspodcast?

StrasserDer am öftesten gehörte ist der von Herrn Drosten.

RothenthalWall Street mit Markus Koch.

Mein Passwort für meinen Bitcoin-Account lautet:

Strassernever ever

RothenthalAchterbahn

Das Erste, was mir zu Europa einfällt, ist:

Strasserviele Chancen, schlecht gemanagt.

RothenthalSchöner geht's nicht.

Im Vergleich zu Corona war der Brexit

Strasserein Non-Event.

Rothenthalmedial überschätzt und überberichtet.

Wir sind angekommen und haben uns im Markt etabliert.

Heinrich Rothenthal Leiter der Linzer Niederlassung, Bank Gutmann

Im Goldrausch verkaufe ich lieber Schaufeln, als selbst zu graben.

Friedrich Strasser CIO, Bank Gutmann

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